Hilfe bei Harnverlust – Experten informierten

Therapiemöglichkeiten von Beckenbodentraining bis Blasenschrittmacher

V.l.: Prof. Dr. Clemens Tempfer, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Dorothee Winkler, Stellv. Leitung des Zentrum für Prävention, Therapie, Rehabilitation und sportmedizinische Diagnostik und Johann Christian Ulshöfer, Facharzt der Klinik für Urologie, Dr. Johannes Spohnholz, Oberarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie des Marien Hospital Witten
V.l.: Prof. Dr. Clemens Tempfer, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Dorothee Winkler, Stellv. Leitung des Zentrum für Prävention, Therapie, Rehabilitation und sportmedizinische Diagnostik und Johann Christian Ulshöfer, Facharzt der Klinik für Urologie, Dr. Johannes Spohnholz, Oberarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie des Marien Hospital Witten Foto: St. Elisabeth Gruppe

Trotz zunehmender Aufklärung ist Harninkontinenz in der Öffentlichkeit immer noch ein Tabuthema. Am vergangenen Donnerstag (23.5.2019) lud nun Prof. Dr. Clemens Tempfer, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum, zur Patientinnenveranstaltung Hilfe bei Harnverlust in das Marien Hospital Herne ein. Frauen sind drei- bis vier-mal häufiger von der Erkrankung betroffen als Männer.

Experten aus dem Bereich der Urologie, Gynäkologie, Chirurgie und Physiotherapie gaben einen Überblick über die aktuellen Therapiemöglichkeiten. So kann ein gezieltes Beckenbodentraining bei Inkontinenz für nachhaltige Verbesserung sorgen. Mittels der Übungen wird der Schließmuskel trainiert und gestärkt. Dadurch erhalten die Betroffenen mehr Kontrolle über den eigenen Harndrang.

Reichen konservative Behandlungsmöglichkeiten wie das Beckenbodentraining nicht aus, kommen verschiedene operative Verfahren zum Einsatz. Effektiv ist die Unterspritzung der Harnröhre. „Dabei wird die Harnröhrenschleimhaut mit gelartigen Substanzen so unterspritzt, dass sich in der Nähe des Schließmuskels ein Polster bildet, das den Harnabgang bei Belastungen reduzieren kann“, erklärt Prof. Dr. Tempfer.

Eine Form der Inkontinenz ist die Dranginkontinenz. Sie ist gekennzeichnet durch einen plötzlich auftretenden, nicht beherrschbaren Harndrang und Urinverlust. Neben einem Blasentraining kann eine Kombination von Verhaltens- und Beckenbodentherapie mit Elektrostimulation erfolgreich sein. Auch eine medikamentöse Therapie kann zur Linderung der Symptome führen.

Bei Versagen der konservativen und medikamentösen Therapie steht die Implantation eines Blaseschrittmachers als operatives Verfahren zur Verfügung. „Es handelt sich um ein Gerät, das elektrische Impulse an Nerven abgibt, die zur Blase führen“, erklärt Johann Christian Ulshöfer, Facharzt der Klinik für Urologie des Marien Hospital Herne. Der Blasenschrittmacher wird unter die Haut im Bereich des Kreuzbeines eingesetzt und stimuliert die Blasenmuskulatur.

Die Stuhlinkontinenz tritt häufig aufgrund einer Verletzung des Schließmuskels, beispielsweise durch einen Dammriss nach einer Entbindung, auf. „Hier ist in vielen Fällen das Nähen des Schließmuskels möglich. Ist der Muskel weniger stark verletzt, kann ein gezieltes Training eine Verbesserung der Situation hervorrufen. Auch eine Elektrostimulation mit Biofeedback wird eingesetzt, um die Muskulatur zu trainieren und zu lockern“, erläutert Dr. Thomas Deska, Leitender Oberarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie des Marien Hospital Witten.

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