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Linda Schultz, die neue Leiterin des Lukas-Hospiz.

Linda Schultz hat die Leitung übernommen

Ein neues Gesicht im 'Lukas'

An der Jean-Vogel-Straße steht seit 16 Jahren mit dem Lukas-Hospiz eine Herberge für Menschen, die ihre letzte Lebensphase erreicht haben. Schwerstkranke Menschen kommen hierher, um zu sterben. Und trotzdem – oder gerade aus diesem Grund – lautet das Motto dieses gastlichen Hauses: Leben bis zuletzt. Den Patienten, die hier Gäste heißen, gilt die ganze Aufmerksamkeit der Mitarbeiter.

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Seit das Haus am 5. Februar 2007 seine Arbeit aufnahm, hatte Anneli Wallbaum die Leitung inne. Sie verstand die Hospizarbeit von Anfang an als Dienst am Menschen. Nach 16 Jahren verabschiedete sie sich im Oktober 2022 in den Ruhestand. Ihre Nachfolge trat die 35-jährige Linda Schultz an, auch sie will das Haus für Sterbende mit Leben füllen.

halloherne sprach am Donnerstag (2.3.2023) mit der neuen „Lukas-Chefin“, die im Prosper-Hospital Recklinghausen zur Krankenschwester ausgebildet wurde. „Anschließend habe ich dort von 2010 bis 2022 gearbeitet, die letzten sechs Jahre als Stationsleitung auf der Chirurgie“, erzählt sie. Erste Erfahrungen mit Sterbenden habe sie dort gesammelt. Allerdings sei auch damals schon der Druck im Krankenhausalltag so groß gewesen, dass oft wenig Zeit für den Einzelnen blieb. „Auf das Bett eines sterbenden Patienten zu warten, das war keine Seltenheit.“

Linda Schultz, die neue Leiterin des Lukas-Hospiz, im Telefon-Gespräch mit Angehörigen.

'Weit weg vom Bett'

Berufsbegleitend habe sie in dieser Zeit Pflegemanagement studiert und ab 2020 die Pflegedienstleitung im Uni-Klinikum Münster übernommen. Eine Aufgabe, die sie äußerst spannend fand und bei der sie „sehr, sehr viel lernte. Allerdings war ich dabei viel zu weit weg vom Bett. Mit Patienten und Angehörigen hatte ich nur noch ganz wenig bis gar nichts zu tun, da die Hauptaufgabe natürlich das Management war.“ Ohne die menschliche Komponente sei sie oft „nicht ausgefüllt“ gewesen.

„An einem Tag, an dem ich extrem unzufrieden war, habe ich mir im Internet Stellenanzeigen angeschaut und bin auf die Stellensuche der Hospizleitung gestoßen“, erzählt sie. Dabei fiel ihr ein, dass sie während ihrer Ausbildung das Lukas-Hospiz besucht hatte. „Hängen geblieben war mit, dass es ein wunderschöner Ort ist. So seltsam sich das vielleicht auch in Verbindung mit einem Hospiz anhört“, schmunzelt sie.

Einarbeiten mit Anneli Wallbaum

Das Krankenschwester-Dasein, das wollte sie wieder erleben, verbunden mit dem, was sie im Studium gelernt hat. „Ich stellte mir vor, dass die Leitung eines Hospizes dafür wunderbar geeignet sei – und das stimmt auch“, sagt sie nach ihren ersten sechs Monaten im Haus. Wichtig war ihr, in den ersten beiden Monaten mit ihrer Vorgängerin zu arbeiten. „Diese Wochen an der Seite von Anneli Wallbaum waren extrem wichtig und hilfreich für mich. Anneli hat mir ihr gesamtes Wissen und ihre Kontakte weitergegeben und mir so den Anfang extrem erleichtert", erzählt sie und: „Ich freue mich, dass ich diese starke Persönlichkeit noch kennenlernen durfte.“

Klar sei ihr aber auch gewesen, dass sie in große Fußstapfen tritt – aber davor war ihr nicht bange, „denn, es musste ja weitergehen". Heute sei sie in ihrer neuen Stelle angekommen. „Aber ich war auch nie alleine“, betont sie nicht nur einmal im Gespräch. „Das Lukas-Team, von dem das Haus ja auch lebt, macht wirklich eine Super-Arbeit und stand mir immer mit Rat und Tat zur Seite.“

Linda Schultz und ihre Mitarbeiter begleiten schwerstkranke Menschen bis zum Tod. Sie ermöglichen ihnen in ihrer letzten Phase ein selbstbestimmtes und würdevolles Leben. Dabei stehen sie in den schwersten Stunden auch ihren Angehörigen bei.

Kraft durch Kollegialität

Und wer hilft den Pflegekräften selbst, ihre schwere Aufgabe und das Leid psychisch zu bewältigen? „Das“, sagt die neue Chefin, „geschieht untereinander. Wir geben uns viel Zeit und Raum über die Schicksale, die wir hier betreuen, zu sprechen. Dazu gehören auch Übergaben bei den Schichtwechseln, die wesentlich ausführlicher sind, als in Pflegeberufen sonst üblich." Dabei kämen auch immer die eigenen Gefühle zur Sprache. Diese Zeit, die sie sich nehmen, die nennen sie: kollegiale Beratung.

Linda Schultz, die neue Leiterin des Lukas-Hospiz – im Gespräch mit Mitarbeiterin Sarah de Haan.

Neu ist unter der Leitung von Linda Schultz, dass es die Möglichkeit einer Supervision gibt. „Bisher brauchten die Menschen es hier nicht“, sagt die Chefin, „da ich aber neu bin, stelle ich das Angebot einfach mal in den Raum.“

Begleiten, Zuhören und Beistehen.

Auf die Frage, was denn die größte Herausforderung im Hospizalltag sei, sagt Linda Schultz: „Ich würde die Hospizarbeit gar nicht nur als Herausforderung sehen, da sie uns ganz viel gibt. Natürlich haben wir in dem Sinne keine Erfolgserlebnisse, da am Ende immer Tod und Trauer steht, aber wir ermöglichen den Gästen ein 'Leben bis zuletzt' und gestalten ihre letzte Zeit lebenswert: Begleiten, Zuhören und Beistehen.“ Die Pflege an sich, die sei nicht das Problem. Wichtig sei, zu erkennen, wer was wann braucht. „Das ist eine Aufgabe, die uns erfüllt“, sagt sie.

Darum habe sie auch die Fragen viele Menschen nicht verstanden: „Wie, du willst ins Hospiz gehen? Bist du sicher? Dafür bist du doch noch viel zu jung.“ Darauf habe sie irgendwann nur noch geantwortet: „Ich gehe doch nicht zum Sterben dorthin... Ich will dort arbeiten“

Wird Hospizarbeit zu wenig thematisiert?

„Ja, natürlich ist es wichtig, unsere Arbeit noch mehr in den Blickpunkt zu stellen“, sagt sie. „Wünschenswert ist es aber, dass die Gegebenheiten, die wir im Hospiz haben, um Menschen beim Sterben zu begleiten, dass es die auch in Altenheimen, Seniorenzentren und in Krankenhäusern geben sollte. Ein Abschied in Würde, das sollte jedem Menschen beschieden sein.“

Das sei aber in der stationären Tretmühle oft nicht möglich. „Das Sterben menschlich zu gestalten, das muss das Ziel sein.“

Das Team

Der bunte Sessel im Eingang des Lukas-Hospiz an der Jean-Vogel-Straße – mit dem Maskottchen 'Lukas'.

Ihr zur Seite steht ihr Stellvertreter Martin Heldmann, der das Haus seit 15 Jahren kennt und der zweite Stellvertreter Dominik Neuenhaus. Dazu kommen 27 festangestellte Mitarbeiter und ein Netzwerk an ehrenamtlichen Hospizhelfern, die die Gäste umsorgen.

Wichtig ist der neuen Chefin, dass ihre Mitarbeiter „die hier wirklich immer alles geben – die den Laden am Laufen halten – da wo es geht zu entlasten, damit sie entspannt zum Dienst kommen können". Das sei einer der Gründe, warum der Nachtdienst seit Januar nicht mehr alleine ist. „Zwei Pflegekräfte sind nun jede Nacht für unsere 14 Gäste ansprechbar.“

„Um für die Mitarbeiter ein gutes Arbeitsumfeld zu schaffen oder zu erhalten, dafür bin ich auch Leitung geworden.“

Linda Schultz

Die neue Chefin wohnt mit Mann und Hund in Gelsenkirchen. Sie kann sich vorstellen, dass sie in der warmen Jahreszeit mit dem Fahrrad ins Lukas radelt. Kraft für ihren Beruf schöpft sie auch durch ihr Hobby, dem Reisen. Wohin? „Überall hin, ich möchte die ganze Welt sehen“, kommt es wie aus der Pistole geschossen.

Das Lukas-Hospiz

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Eingang am Lukas-Hospiz an der Jean-Vogel-Straße.

Das Lukas-Hospiz im Herner Süden bietet Platz für 14 Gästezimmern, die alle um ein Atrium angeordnet sind und einen eigenen Zugang zu einer kleinen Terrasse haben. Fünf Zimmer sind mit einem eigenen Bereich für Angehörige ausgestattet, damit besteht die Möglichkeit, dass sie auf Einladung der Gäste mit ihnen Tür an Tür in einem eigenen Zimmer wohnen können. mehr Infos

Donnerstag, 2. März 2023 | Autor: Carola Quickels