Die Schule der magischen Tiere

Fantasy-Spaß für die ganze Familie

Rabbat (gesprochen von Max von der Groeben) und Ida (Emilia Maier) freunden sich an.
Rabbat (gesprochen von Max von der Groeben) und Ida (Emilia Maier) freunden sich an. Foto: Leonine/Wolfgang Aichholzer

„Wer Kinder hat, weiß, dass sich jedes Kind einen besten Freund wünscht, einen Freund, mit dem man durch dick und dünn gehen kann, einen Freund, der auch zu einem steht, wenn man mal einen Fehler gemacht hat“, weiß Regisseur Gregor Schnitzler aus eigener Erfahrung: „Kinder lieben Tiere. Und so wie meine Kinder, haben die meisten Kinder ein Kuscheltier als besten Freund, mit dem sie alle Geheimnisse teilen. Was wäre, wenn dieses Kuscheltier plötzlich lebendig ist und sogar sprechen kann? Ein sprechendes Tier, mit dem man Abenteuer erlebt und durch das man nie wieder allein ist mit seinen Ängsten? Wäre das nicht einzigartig? Dieser Traum geht für unsere beiden Hauptfiguren Ida und Benni in Erfüllung.“

Ida (Emilia Maier) muss umziehen, weil ihre alleinerziehende Mutter Elvira Kronenberg (Marleen Lohse) in einer idyllischen süddeutschen Stadt (gedreht wurde in Niederösterreich) den Friseur-Salon Elfriede übernehmen und sich damit selbständig machen kann. Was bedeutet: ein neues Zuhause, eine neue Schule - und kaum Hoffnung auf neue Freunde. Denn schon beim ersten Betreten des Schulhofes wird sie ihrer farbenfrohen Kleidung wegen als „Pippi-Pocahontas“ von Helene May (Emilia Pieske), die unter den Mädchen das große Wort führt, verspottet. Und in der Klasse findet sie nur einen freien Bankplatz neben dem schmächtigen, introvertierten und darob verspotteten Benjamin „Benni“ Schubert (Leonard Conrads).

Mary Cornfield (Nadja Uhl) und ihr Bruder, Mortimer Morrison (Milan Peschel), beobachten die neue magische Gemeinschaft.
Mary Cornfield (Nadja Uhl) und ihr Bruder, Mortimer Morrison (Milan Peschel), beobachten die neue magische Gemeinschaft. Foto: Leonine/Wolfgang Aichholzer

Doch Ida ist nicht auf den Mund gefallen. Was sogleich Heribert Siegmann (Justus von Dohnányi), strenger Direktor der Wintersteinschule, und sein tapsiger Hausmeister Willi Wondraschek (Heiko Pinkowski) zu spüren bekommen: Sie lässt sich auch von sogenannten Respektspersonen nicht einschüchtern. Sehr zur Freude der neuen, aus Schottland stammenden und gänzlich unkonventionellen Lehrerin Mary Cornfield (Nadja Uhl), die Mathe und Deutsch im Unterricht nicht wichtiger findet als magische Momente. Von Solidarität untereinander und Freundschaft ganz abgesehen: In einer magischen Gemeinschaft ist kein Platz für Zank und Stunk.

Für diese ist ihr Bruder Mortimer Morrison (Milan Peschel) zuständig, der, stets begleitet von der Elster Pinkie (Stimme: Sophie Rois), im knallroten Opel Blitz-Oldtimer auf der Suche nach Neuzugängen für seine magische Zoohandlung durch die Lande fährt. Und nun Station am imposanten Schulgebäude macht (gedreht wurde in der märchenhaften Kulisse von Schloss Grafenegg, einem Ensemble im Stil des romantischen Historismus), um auf Wunsch seiner Schwester den beiden Außenseitern ihrer Klasse, Ida und Benni, zwei der menschlichen Sprache mächtige magische Gefährten als Freunde fürs Leben an die Seite zu stellen.

Benni (Leonard Conrads), Ida (Emilia Maier) und Jo (Loris Sichrovsky) tanzen mit der Klasse auf dem Schulhof.
Benni (Leonard Conrads), Ida (Emilia Maier) und Jo (Loris Sichrovsky) tanzen mit der Klasse auf dem Schulhof. Foto: Leonine/Wolfgang Aichholzer

Erstere freundet sich sogleich mit dem noch jungen, so pfiffigen wie gewitzten Fuchs Rabbat (Stimme: Max von der Groeben) an, Letzterer fremdelt zunächst noch mit der zwar langsamen, da fast zweihundert Jahre alten, aber sehr weisen Schildkröte Henrietta (unverwechselbare Stimme: Katharina Thalbach). Doch kann er mit ihr seine Leidenschaft für Piratengeschichten und das Beobachten der Gestirne teilen. Benni legt bald sein verträumt-schüchternes Wesen ab und profiliert sich als Geisterjäger: Merkwürdige Dinge geschehen vornehmlich nachts in der Wintersteinschule. Und dann ist da noch Jonathan „Jo“ Wieland (Loris Sichrovsky), ein eitler, selbstverliebter Kerl: Ausgerechnet in den scheint sich Ida verliebt zu haben. Doch dessen Arroganz dient nur dem Selbstschutz, in Wirklichkeit leidet er unter der fehlenden Liebe seiner Eltern (Stephan Luca und Rike Schmid), die nie Zeit für ihn haben. Da hat es Benni mit seinem Vater (Cornelius Schwalm) viel besser getroffen, auch wenn der nicht annähernd so reich ist wie Jos Erzeuger. Am Ende kann der „Oberklau“ dingfest gemacht werden. Aber was ist das: plötzlich wollen es alle gewesen sein, weil die magische Klasse von Miss Cornfield zusammenhält wie Pech und Schwefel…

Erstmals kommt am 14. Oktober 2021 die mit allein in Deutschland sieben Millionen verkauften Büchern und in 25 Sprachen übersetzte, inzwischen auf zwölf Bände gewachsene Kinder- und Jugendbuchreihe „Die Schule der magischen Tiere“ auf die große Leinwand. Das Besondere der Romane, der erste Band kam im Mai 2013 im Carlsen Verlag heraus, besteht darin, dass die Kinder trotz der Fantasy-Elemente in den Geschichten ihren Alltag wiedererkennen und sich ernst genommen fühlen. Zudem lassen sie sich lieber von Tieren Ratschläge geben als von Eltern oder Lehrern.

Margit Auer, selbst dreifache Mutter, zur Entstehung ihres ersten Buches im Leonine-Presseheft: „Es gab nur wenige Geschichten, in denen sich die Kinder wiederfinden konnten. Geschichten, die vor der eigenen Haustür passieren. Ich habe damals gemerkt, wie spannend, wichtig und schön die Grundschulzeit für die Kinder ist. Es ist eine Zeit, in der sie gefordert sind. Plötzlich müssen sie eigene Entscheidungen treffen, sich auch mal durchsetzen. Die Eltern oder Erzieher sind nicht permanent im Hintergrund und regeln alles. Die Kinder sind selbst gefragt.“

Dieser gut neunzigminütige Fantasy-Film für die ganze Familie macht gute Laune, was an dem tollen Cast, allen voran die drei Debütanten Leonard Conrads, Loris Sichrovsky und Emilia Maier, die stark an die Hermine in „Harry Potter“ erinnert, liegt. Zu dem aber natürlich auch die Stimmen der trotz vergleichsweise knappem Budget von Tomer Eshed (Lumatic) wunderbar animierten Tiere zählen, charakteristisch etwa der tiefe Bass Katharina Thalbachs. Und die von einem Berliner Songwriter-Kollektiv komponierten Ohrwürmer, welche „Die Schule der magischen Tiere“ beinahe zu einem Musical machen. Flott und mit einigen Spannungsmomenten inszeniert von Gregor Schnitzler gehört sein Kinderfilm-Erstling unbedingt auf die ganz große Leinwand. „Die Schule der magischen Tiere“ läuft ab 14. Oktober 2021 u.a. in der Filmwelt Herne, in den Bochumer Kinos Union und Capitol sowie in der Schauburg Gelsenkirchen. Die Fortsetzung „Voller Löcher!“ ist übrigens bereits abgedreht.

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