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Merten Schroedter und Daniel Jeroma als Jacob und Wilhelm Grimm, vorn die Cellistin Kathrin Fischer-Komatina.

Witzige Eröffnung der „Urban Puppets“

Die Bremer Stadtmusikanten

Gelsenkirchen. Mit „Urban Puppets“ geht die Puppentheater-Sparte des Gelsenkirchener Musiktheaters im Revier einen neuen Weg – und auf das Publikum zu. Am Freitag (15.9.2023) hatten gleich zwei mobile Produktionen im Kleinem Haus am Kennedyplatz Premiere, die künftig auf ganz unterschiedlichen Bühnen gezeigt werden sollen: Das Märchen „Die Bremer Stadtmusikanten“ der Brüder Grimm für Menschen ab fünf Jahren machte am Nachmittag den Anfang, William Shakespeares „Romeo und Julia“ für Erwachsene folgte am frühen Abend. Beide Produktionen waren – vorerst zumindest - nur an diesem einen Tag auf der Bühne des Kleinen Hauses zu erleben, denn sie sind für Buchungen von Schulen und von Privatpersonen, von Vereinen und von Firmen für Feste aller Art konzipiert.

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Der Weg ist das Ziel

In Merten Schroedters heutiger Fassung des Grimmschen Märchens „Die Bremer Stadtmusikanten“ begeben sich vier Tiere, denen durchtriebene Menschen auf unterschiedliche Weise übel mitgespielt haben, auf eine Abenteuerreise mit zunächst unbekanntem Ziel. Denn überall dürfte es ihnen besser gehen als derzeit. Was sicherlich auch für den ihnen unbekannten Ort Bremen gilt, auf den ein Schild am Wegesrand hinweist. So könnte schon der Weg das Ziel sein auf ihrer Suche nach Freiheit und Selbstbestimmung.

Mit Merten Schroedter und Daniel Jeroma werden die zweidimensionalen Flachfiguren zu lebendigen Protagonisten.

Die Kraft liegt in der Gemeinschaft

Amadeus, ein schon betagter Esel, der bisher schwere Mehlsäcke zur Mühle schleppen musste, ist durch einen Traktor ersetzt worden. Der ebenfalls alt und grau gewordene Jagdhund Claude ist es leid, auf andere Tiere im Wald gehetzt zu werden. Beim müden Kater Maurice tanzen die Mäuse mittlerweile auf den Tischen und der Hahn Johann soll im Kochtopf landen, weil die Menschen bequem geworden sind und nicht mehr in aller Frühe mit den Hühnern aufstehen wollen. Als die Tiere mitten im Winter Zuflucht in einer Waldhütte suchen, ist diese von bösen Räubern besetzt. Das ungleiche Quartett lernt jedoch schnell, welche Kraft in der Gemeinschaft liegt – gerade auch dank ihrer Vielseitigkeit.

Und Vielstimmigkeit zur Musik von Johann Sebastian Bach, Claude Debussy, Edvard Grieg, Wolfgang Amadeus Mozart, Maurice Ravel, Peter I. Tschaikowski und Antonio Vivaldi sowie, als verbindendes Element, vom Walzerkönig Johann Strauss (Sohn). Von Kathrin Fischer-Komatina am Cello begleitet schlüpfen in rastellihafter Geschwindigkeit Daniel Jeroma und Merten Schroedter in sämtliche Rollen einschließlich die der Märchen-Sammler Jacob und Wilhelm Grimm.

Ausstatterin Selma Lindgren hat in liebevoller Kleinarbeit herrlich bunte und dabei erstaunlich bewegliche Flachfiguren geschaffen, die zu lebendigen Protagonisten werden in einer zauberhaften Inszenierung von Milda Emilija Mičiulytė. Sie mündet kindgerecht nach vierzig Minuten in die Erkenntnis, dass eine warme Hütte besser ist als die vage Aussicht auf ein feines Leben im fernen Bremen. Das furiose, ungemein witzige und immer wieder auch slapstickhafte Zusammenwirken von Schauspiel, Puppentheater, Live-Gesang und Cello-Begleitung ist ein großes Vergnügen für alle Altersstufen.

Die 'Gebrüder Grimm' – Märchensammler

Weihnachten 1812 brachten Jacob und Wilhelm Grimm ihre erste Sammlung von Kinder- und Hausmärchen heraus, der bis 1858 weitere folgten, welche noch heute Kinder und Erwachsene zugleich begeistern. Sie sammelten über 200 Märchen und Legenden, darunter auch „Die Bremer Stadtmusikanten“, die von Generation zu Generation weitererzählt worden waren. So erhielten sie die mündlich überlieferten Volkserzählungen als deutsches Kulturgut für die Ewigkeit. Im Alter von 73 Jahren starb Wilhelm 1859 und vier Jahre später auch Jacob. Doch durch ihren weltberühmten Märchenschatz sind sie nahezu unsterblich geworden. Was stets unterschlagen wird, wenn fälschlicherweise von den „Gebrüdern Grimm“ die Rede ist: Ferdinand Philipp Grimm (1788 – 1845) unterstütze seine Brüder Jacob und Wilhelm, mit denen er bis 1836 unter einem Dach in Göttingen wohnte, bei ihrer Sammlertätigkeit, bevor er sich als selbständiger Schriftsteller in Wolfenbüttel niederließ.

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„Die Bremer Stadtmusikanten“, die erste Produktion der neuen MiR-Reihe „Urban Puppets“, kann unter sonja.henestadt @ musiktheater-im-revier.de individuell zu den unterschiedlichsten Anlässen gebucht werden.

Dienstag, 19. September 2023 | Autor: Pitt Herrmann