Zu Herzen gehende Vater-Sohn-Geschichte

Big Fish - Musical in Gelsenkirchen

Big Fish - Joyce Diedrich, Theresa Christal und Lisandra Bardel.
Big Fish - Joyce Diedrich, Theresa Christal und Lisandra Bardel. Foto: Forster

Der Handelsvertreter Edward Ed Bloom (enorme Bandbreite: der überragende Benjamin Oeser) ist ein ganz großer Fisch – zumindest in den fantastischen Geschichten, die er seinem Sohn Will (Dennis Hupka) erzählt. Eine Hexe (großartig: Anke Sieloff) habe ihm einst ein außergewöhnliches Schicksal vorausgesagt - als Sport-Star, Erfinder und selbstloser Retter seiner Heimatstadt Ashton. Die habe er aus den Fängen des Riesen Karl (Oliver Aigner) befreit, indem er den Hünen beim Zirkusdirektor Amos (Rüdiger Frank) untergebracht habe. Wo Ed sich unsterblich in Sandra (Theresa Christahl) verliebte, deren Verlobten Don Price (Sebastian Schiller) er mit 10.000 gelben Narzissen und erheblichen Nehmerqualitäten im Zweikampf auszustechen vermochte.

Big Fish - Anke Sieloff und Benjamin Oeser.
Big Fish - Anke Sieloff und Benjamin Oeser. Foto: Forster

Will ist inzwischen erwachsen geworden und mit der lebensklugen Josephine (Sina Jacka) glücklich verheiratet. Er will von den alten Erzählungen nichts mehr hören. Als bei seinem Vater eine unheilbare Krebskrankheit festgestellt wird, beschließt Will, dem Wahrheitsgehalt der Erzählungen des Big Fish auf die Spur zu kommen. Ein alter Pfandbrief führt ihn auf den richtigen Pfad und in Spectre trifft er auf Jenny Hill (Anke Sieloff), die als Achtjährige seinem Vater einst die Schuhe stibitzte und ihm nun die Augen über den wahren Edward Bloom öffnet. Zurück bei seiner Familie erzählt Will die letzte Geschichte seines Vaters selbst – die schönste Geschichte überhaupt…

Nach dem 1998 erschienenen Vater-Sohn-Roman Big Fish: A Novel of Mythic Proportions von Daniel Wallace und Edward Burtons bildgewaltiger Verfilmung 2003 u.a. mit Albert Finney, Ewan McGregor, Billy Cudrup und Helena Bonham-Carter in Anke Sieloffs Doppelpartie haben John August (Buch) und Andrew Lippa das Musical Big Fish geschrieben, das 2013 zunächst in Chicago herauskam, bevor es in veränderter Fassung am New Yorker Broadway wie im Londoner Westend reüssierte.

Den zu Herzen gehenden Stoff über die Macht der Träume, der Liebe und der Fantasie mit reichlich Südstaaten-Ambiente hat sich der langjährige Operndirektor am Salzburger Landestheater, Andreas Gergen, für die Europäische Erstaufführung am 10. November 2016 im Prinzregententheater München gesichert – und mit Studenten der Bayerischen Theaterakademie August Everding einstudiert in der deutschen Fassung von Nico Rabenald. Die Bogenhausener Protagonisten um Benjamin Oeser, Theresa Weber, die inzwischen geheiratet hat und Theresa Christahl heißt, und Dennis Hupka begeistern seit 9. März 2019 im Gelsenkirchener Musiktheater im Revier in der phantastischen Ausstattung von Sam Madwar (Bühne, Projektionen) und Ulli Kremer (Kostüm), die es locker aufnehmen kann mit den Effekten des über 70 Millionen Dollar teuren Columbia-Streifens.

Sei der Held deiner Geschichte – wenn es geht: Das Musical Big Fish ist ein knapp dreistündiges, nach dem reichlich sentimentalen Finale mit stehenden Ovationen gefeiertes Gesamtkunstwerk, das wie beim Fischfang mittels Alabama-Stomp oder der Umwidmung der Korea-Kriegsgeschichte eigene genregemäße Akzente setzt und zentrale Motive zu mitreißenden Showeinlagen und Tanznummern (Choreographie: Danny Costello) ausbaut. Unbedingt noch zu nennen die Artistin Birgit Mühlram als atemberaubende Tuchakrobatin und betörende Sirene. Unter der zupackenden Leitung von Heribert Feckler agiert die neunköpfige Band live auf der Hinterbühne: der Broadway-Sound wird ergänzt um Country-Songs, balladenhafte Soul- und fetzige Pop-Nummern.

April
6
Samstag
Samstag, 06. April 2019, um 19:30 Uhr MIR - Musiktheater im Revier , Kennedyplatz 1 , 45881 Gelsenkirchen Karten für die weiteren Vorstellungen am 6., 7., 12., 13., 21. und 25. April sowie am 1. und 29. Juni 2019 unter musiktheater-im-revier.de oder Tel 0209 – 40 97 200.
Autor: