Wir retten Lebensmittel

Too Good To Go

Lebensmittelretter Stefan Schmidt - nutzt die App von Too Good To Go.
Lebensmittelretter Stefan Schmidt - nutzt die App von Too Good To Go. Foto: Carola Quickels

Zu schade zum Wegwerfen: In jedem Jahr werden in unserem Wohlstands-Land Deutschland rund 18 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Das geschieht in Privat-Haushalten, nach einem Buffet, bei Überproduktionen auf den Feldern, in Supermärkten, im Einzelhandel oder auch in der Gastronomie. Diese Lebensmittel verschwinden üblicherweise in den Tonnen, obwohl sind sie in der Regel noch einwandfrei und genießbar sind. Das brachte junge Leute in Dänemark zusammen, die gemeinsam gegen diese Verschwendung vorgehen wollten. Sie gründeten ein Start up, das mittlerweile auch in Deutschland agiert, und retten dieses Essen vor der Abfall-Tonne.

Eine Portion Obst und Gemüse vor der Tonne gerettet..
Eine Portion Obst und Gemüse vor der Tonne gerettet.. Foto: Carola Quickels

Die Menschen von Too Good To Go beschreiben sich auf ihrer Homepage so: „Wir sind ein motivierter Haufen Lebensmittelretterinnen und -retter, vereint durch den Wunsch, unser Konsumverhalten neu zu erfinden! Wir sind fest davon überzeugt, dass jede und jeder dabei eine wichtige Rolle spielt.“ Gleichzeitig laden sie ein, Teil ihrer Aktion zu werden. Auch in Herne schließen sich immer mehr Menschen an und kämpfen so gegen die Verschwendung von Lebensmitteln. Laut der Pressestelle von von Too Good To Go beteiligen sich in Herne mittlerweile 19 Betriebe an der Aktion, und insgesamt haben sich 1.800 Herner die App heruntergeladen (Stand: 13.6.2019). Das ergebe rund 3.500 gerettete Mahlzeiten und dadurch 9 Tonnen eingespartes CO2.

Sparen und Nachhaltigkeit

Der Lebensmittelretter Stefan Schmidt mit zwei Portionen die wer vor der Tonne gerettet hat.
Der Lebensmittelretter Stefan Schmidt mit zwei Portionen, die er vor der Tonne gerettet hat. Foto: Carola Quickels

halloherne hat sich Mitte Juni 2019 in einigen Geschäften umgehört: Der Supermarkt real Am Großmarkt ist seit rund einem Monat dabei und beteiligt sich mit Obst und Gemüse, das vielleicht nicht mehr perfekt aussieht aber immer noch gut und lecker ist. Hier trafen wir den 33-jährigen Familienvater Stefan Schmidt an, der gleich zwei Portionen an frischen Sachen abholt. „Im Augenblick bin ich 2-3 Mal in der Woche hier“, sagt Schmidt. Auf die Frage, ob sie denn alles aus den Tüten verwerten können, sagt Schmidt: „Ja klar, wir haben drei kleine Kinder und meine Frau kocht täglich frisch und manches kocht sie auch ein. Außerdem hat auch meine Mutter die App und wir tauschen untereinander.“ Auch bei Familie Schmidt sind die Faktoren Sparen und Essen Retten wichtig.

im Bild: Christopher Barzt von RMC Ruhr Mobile Catering füllt die
Christopher Barzt von RMC Ruhr Mobile Catering füllt die "geretteten" Portionen ab. Foto: Carola Quickels

Bei RMC Ruhr Mobile Catering UG, am Shomrockring 1, sprachen wir mit dem Christopher Bartz, Sohn des Geschäftsführers, über die Gründe der Teilnahme: „Wir sind seit einer Woche bei Too Good To Go dabei, um gegen Lebensmittel-Verschwendung vorzugehen. An Tagen, an denen wir - trotz guter Planung - viel Essen über haben, können wir damit noch Gutes tun. Aber auch die Umwelt, das Klima und die Nachhaltigkeit sind in der heutigen Zeit wichtige Themen, denen wir uns nicht verschließen wollen.“ Am Montag (17.6.2019) besteht eine bestellte Portion bei RMC aus Geschnetzeltem, wahlweise mit Reis oder Spätzle, und dazu gibt es noch zwei belegte Brötchen - alles für 3 Euro.

Die Lebensmittelretter von Too Good To Go.
Ein 'gerettetes' Mittagessen.. Foto: Carola Quickels

Bei der Fleischerei Löken an der Dorneburger Straße trafen wir Florian Thumser (46) an, der die App für sich und seine Familie nutzt. Er holte gleich vier Portinen ab - zweimal Fleisch und zweimal Wurst. „Aufmerksam geworden auf diese Aktion ist meine Frau. Für uns ist es wichtig, dass die Lebensmittel nicht weggeworfen werden. Dass wir dabei auch noch sparen, ist uns natürlich sehr willkommen“, sagt Thumser, der mit zwei Jungs ordentliche Esser im Haus hat. Er ist regelmäßiger Gast in der Fleischerei, die auf seinem Weg von der Arbeit nach Hause liegt.

Die Lebensmittelretter: Kunde Florian Thumser und Fleischer Christian Mehle.
Die Lebensmittelretter: Kunde Florian Thumser und Fleischer Christian Mehle. Foto: Carola Quickels

Für Katlen Kaluza ist es der erste Too Good To Go-Einkauf. Sie wohnt direkt gegenüber der Fleischerei. „Ich bin viel im Internet unterwegs und bin so auf die Aktion aufmerksam geworden“, sagt sie. „Außerdem kenne ich die Fleischerei noch nicht und kann sie so gleich auch noch testen.“ Ebenso wie bei Florian Thumser ist es Katlen Kaluza der Sparfaktor wichtig, und dass „die Lebensmittel nicht nicht in die Tonne kommen.“ Inhaber der Fleischerei Löken, Fleischermeister Christian Mehle, ist seit August 2018 Mitglied bei Too Good To Go und begrüßt diese Aktion, denn auch für ihn ist es wichtig, dass die Lebensmittel gerettet werden. „So können wir den Menschen in zweifacher Hinsicht etwas Gutes tun: sie sparen und sie retten.“

Lebensmittelretterin Katlen Kaluza bei der Fleischerei Löken.
Lebensmittelretterin Katlen Kaluza bei der Fleischerei Löken. Foto: Carola Quickels

So funktioniert die App

Alle Teilnehmende müssen sich dafür die kostenlose App- Too Good To Go - herunterladen und können sich so die teilnehmenden Läden in ihrer Umgebung aussuchen und sich über das Angebot informieren. Über eben jene App bieten die Geschäftsleute ihr überschüssiges Essen an. Die angebotenen Portionen kosten maximal die Hälfte des Orignal-Preises, das sind durchschnittlich 3-4 Euro.

Interessiert die angebotene Ware, kann mit einem weiteren Klick geschaut werden, was sich hinter dem Angebot versteckt und wie teuer (oder eher: billig) es ist. Ein abschließender Klick auf - jetzt kaufen - und die Abholhzeit der Ware wird angezeigt. Bar- oder Girokartenzahlung ist nicht möglich. Bezahlen kann man entweder per Kreditkarte, Paypal oder Sofort-Überweisung. Damit soll verhindert werden, dass die Lebensmittel-Rettenden das Essen zwar retten, es aber dann aber doch nicht tut, weil sie es nicht abholen.

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