Wenn Packpapier zur Mumie wird

Heinrich Maas in der Städtischen Galerie

Ausstellung Auf den zweiten Blick.
Ausstellung Auf den zweiten Blick. Foto: Thomas Schmidt, Stadt Herne

99 Druck-Unikate und 17 Skulpturen in Stein und Bronze des Recklinghäuser Künstlers Heinrich Maas zeigt die Ausstellung Auf den zweiten Blick in der Städtischen Galerie in Herne. Vernissage ist am Freitag (14.9.2018). Seine Druckgrafiken sind zum großen Teil Monotypien, weil zumeist nur ein Abdruck von einer Platte gezogen wird. Angefangen hat Maas einst mit Schwarz-Weiß-Drucken, mittlerweile legt er bis zu fünf Platten übereinander. Dabei verwendet er zumeist spezielle Ölfarben, die durch die Anwendung der Drucktechnik eine besondere Nuance produzieren.Auf die Acryl-, Zink- und Kupferplatten legt er die verschiedensten Arten von Abfallmaterialien, von der Mettwursthülle bis hin zur Räucherschinkenverpackung. „Na, hast du wieder deinen Hausmüll eingebracht“, fragt schon mal ein Kollege. „Ich finde es besonders reizvoll, zu kombinieren“, sagt Maas. Dadurch entstehen Strukturen, die gewollt an komplett andere Motive erinnern: an Wirbelsäulen (Packpapier) oder an Mumien (Kinderspielzeugverpackung). Zusätzliche Elemente der Drucke sind Zeichnungen oder grafische Darstellungen. So ist die Grundlage einer Grafik eine vergilbte Seite aus einem Anatomie-Lehrbuch von 1919.

Ausstellung Auf den zweiten Blick.
Ausstellung Auf den zweiten Blick. Foto: Thomas Schmidt, Stadt Herne

In den Achtzigern entdeckte Maas seine Liebe zu Tuffstein. Jedes Wochenende besuchte er Steinbrüche in seiner Heimat, dem Niederrhein. Später wechselte er auch zu Sandstein und zu Marmor. Einige seiner Arbeiten hat er in Bronze gießen lassen wie zum Beispiel Torso Eule oder schlanker Mensch. Maas sieht schon im unbearbeiteten Stein die Figur, die erst noch werden soll. In vielen seiner Bildhauerarbeiten ist noch die Urwüchsigkeit des rohen Steins zu erkennen. Maas ist hauptberuflich Psychotherapeut. Das sieht man seinen Werken an. Manche Skulpturen erhalten durch farblich markierte Augen und Mund die Form von Gesichtern. Eine seiner Skulpturen heißt „Meditativ-depressiv“. Bei einem von mehreren Hinterglasmalereien hat er das allgemein bekannte Zeichen für Einstürzende Neubauten eingesetzt. Maas schreibt auch Gedichte, die sich häufig mit dem Tod befassen. Auch einige seiner Drucke wirken düster: „Der Tod war sehr präsent in meiner Familiengeschichte“, sagt Maas.

Ausstellung Auf den zweiten Blick.
Ausstellung Auf den zweiten Blick. Foto: Thomas Schmidt, Stadt Herne
September
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Freitag
Freitag, 14. September 2018, um 19 Uhr Städtische Galerie, Karl-Brandt-Weg 2, 44629 Herne
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