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Maren Kroymann, die ab 1993 mit „Nachtschwester Kroymann“ als erste Frau eine eigene Satireshow im öffentlich-rechtlichen Fernsehen hatte, 1995 in der Talkshow Nachtcafé mit Hella von Sinnen, die 1979 die Kölner Kabarettgruppe „Stinkmäuse“ mit Dada Stievermann und Dirk Bach gründete.

Preview am 8. Juli 2026 in Essen

Was haben wir gelacht

Nach der ersten komischen Frau in ihrem Leben befragt, kommen alle fünf Protagonistinnen Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Esther Schweins, Bettina Böttinger und Gaby Köster auf ihre Mutter zu sprechen, Esther Schweins sogar auf ihre Großmutter: Dass ihnen keine Person außerhalb des familiären Umfeldes eingefallen ist, hat ihrer Meinung nach zwei Gründe.

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Zum einen war die schwere und häufig vaterlose (Nach-) Kriegszeit nur mit – bisweilen allerdings sarkastischem – Humor zu bewältigen, zum anderen bestimmten ausschließlich Männer wie Hans-Joachim Kulenkampff, Joachim Fuchsberger und Harald Juhnke die abendliche Fernsehunterhaltung.

Wesen vom anderen Stern

„Wie ein Wesen vom anderen Stern“ sei sie sich als Frau im TV-Studio vorgekommen, gibt Gaby Köster zu Protokoll. Zumal auf den charmant-übergriffigen Kulenkampff weitaus härtere Kaliber wie Harald Schmidt folgten: „Nach 22 Uhr geht’s bei uns ein bisschen schärfer zu. Jetzt können schon auch Begriffe wie Möpse und große Ohren fallen. Jetzt geht es ans Eingemachte.“ Wobei es nicht bei verbaler Anmache blieb: Bei Thomas Gottschalk ging es auf der Couch regelmäßig ganz handfest zu.

Bettina Böttinger, die von Schmidt in seiner Late-Night-Show einmal persönlich beleidigt wurde und diesen daraufhin mit großer Chuzpe vor laufender Live-Kamera bloßstellte: „Frauen machen einfach sehr viel mit. Das muss man auch mal sagen.“ So wurde Maren Kroymann vom Moderator der SWR-Talkshow Nachtcafé dem Fernsehpublikum statt als Schauspielerin und Entertainerin als „Professorentöchterchen“ vorgestellt. Und Monica Ivancan ließ sich von Schmidt Brausepulver aus dem Bauchnabel lutschen.

Humor als Machtfaktor

Harald Schmidt macht sich in seiner WDR-Sendung „Schmidteinander“ am 26. Januar 1992 über eine Boulevard-Schlagzeile lustig.

Hella von Sinnen, die sich einst auf Gottschalks Sofa mehr als tapfer geschlagen hat, gilt bei den Kolleginnen als Wegbereiterint, seit sie Mitte der 1980er als Putzfrau im Kölner Karneval durch „eine ganz harte Schule“ speziell bei respektlosen Narren in den Herrensitzungen ging und in der Kölner „Filmdose“ als Kabarettistin reüssierte. Mitte der 1990er Jahre galten Frauen zwar immer noch als Projektionsfläche, sie hatten aber, so Maren Kroymann und Hella von Sinnen, begriffen, dass Humor ein bisher nur von Männern bestimmter Machtfaktor ist, den sich Frauen erkämpfen müssen. „Wir lachen erst seit kurzem eigentlich besser“, resümiert Maren Kroymann, „es ist noch nicht so lange her.“

Für „Was haben wir gelacht“ recherchierten Eva Müller und Isabel Schneider über zwei Jahre Sendungen privater und öffentlich-rechtlicher Sender wie „RTL Samstag Nacht“, „Weiber von Sinnen“, „Alles Nichts Oder?!“, „7 Tage, 7 Köpfe“, „Nachtschwester Kroymann“, „B.triff“, „Wetten, dass?“, „Schmidteinander“ und „Herzblatt“. Ihr Schwerpunkt lag auf dem Frühwerk ihres Protagonistinnen-Quintetts, das Maren Kroymann & Co nun aus ihrer heutigen Sicht Jahrzehnte später kommentieren – und damit auf höchst anschauliche Weise ein Stück Emanzipations- und Zeitgeschichte.

Mutige und immer noch aktuelle Nummern

Gaby Köster verdankt ihre Popularität den Auftritten bei RTL „Samstag Nacht“ und der von 1999 bis 2003 bei RTL ausgestrahlten Sitcom „Ritas Welt“, in der sie die Kassiererin Rita Kruse spielte.

Denn den seinerzeit mutigen und heute immer noch erstaunlich aktuellen Nummern der fünf Frauen sind Auszüge aus Sendungen zentraler männlicher Showmaster und Unterhalter entgegengestellt aus den späten 1980er bis in die frühen Nullerjahre. Beides zusammengenommen ergeben das Bild einer chauvinistisch geprägten Unterhaltungsbranche, in der sich nur eine Handvoll Frauen mit bemerkenswerter Beharrlichkeit und Willensstärke behaupten konnten.

Die Regisseurinnen im Port au Prince-Presseheft: „Der Witz um 20:15 Uhr war dem Mann vorbehalten. Mit der Haltung ‚so war das eben‘ hätten wir uns über diese Zeit wahrscheinlich kaum noch Gedanken gemacht, wenn Isabel Schneider bei einer Archivrecherche nicht zufällig die junge Hella von Sinnen entdeckt hätte. Sie berichtet in einem Interview, wie sie im Karneval ausgebuht wurde, weil sie sich weigerte, Witze auf Kosten von Frauen zu erzählen. Das war der Anstoß zu einer ausgiebigen Recherche zu den männlichen Stars und ihren Sendungen und dazu, welche Rolle Frauen in dieser Zeit im Fernsehen hatten. Die Leitfrage von ‚Was haben wir gelacht‘ ergab sich schnell: Was hat Humor mit Macht und Gleichberechtigung zu tun? Und: Worüber haben wir alle in der Blütezeit des Unterhaltungs-Fernsehens gelacht? Oder vielleicht wichtiger: worüber nicht?

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Preview in Essen

Die 98-minütige Dokumentation ist am 26. Juni 2026 beim Filmfest München uraufgeführt worden und startet am 16. Juli 2026 in den Kinos. Bereits am Mittwoch, 8. Juli 2026, findet um 20 Uhr im Essener Filmstudio Glückauf eine Preview mit den beiden Dokumentaristinnen Eva Müller und Isabel Schneider statt.

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Donnerstag, 16. Juli 2026
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Dienstag, 7. Juli 2026 | Autor: Pitt Herrmann