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Zumindest äußerlich eine glanzvolle edwardianische Gesellschaft (v.l.): Mrs. Hilbery (Jennifer Saunders), Katharine Hilbery (Haley Bennett), William Rodney (Jack Whitehall) und Mr. Hilbery (Timothy Spall). Foto:

Elyas M’Barek im edwardinischen England

Virginia Woolf’s Night & Day

London, 1910. Katharine Hilbery (Haley Bennett), Enkelin eines angesehenen Dichters, verachtet Lyrik, schwärmt für Mathematik und tut alles in ihrer Macht Stehende, um der Liebe aus dem Weg zu gehen – insbesondere einer Ehe mit dem von ihren Eltern „auserwählten“ Bewerber, einem engen Freund der Familie, William Rodney (Jack Whitehall). Als ihr Vater (Timothy Spall) sie bei einer Veranstaltung der Astronomischen Gesellschaft, die nur Männern vorbehalten ist, erwischt – in Begleitung ihres Cousins Cyril (Misia Butler), dem schwarzen Schaf der Familie –, verlangt er, dass sie ihre wissenschaftlichen Ambitionen aufgibt und Williams Antrag annimmt.

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Katherine trifft auf Ralph

Katharine lernt bei einer Teeparty Mary Datchet (Lily Allen) kennen, eine temperamentvolle Frauenrechtlerin, die sie dazu ermutigt, sich in Cambridge zu bewerben und ihrer Leidenschaft für die Astronomie nachzugehen. Zudem trifft sie auf Ralph Denham (Elyas M’Barek), einen charmanten Journalisten aus der Arbeiterklasse, der ihrer Mutter (Jennifer Saunders) dabei helfen soll, eine scheinbar endlose Biografie über ihren Großvater, einen berühmten Dichter, zu kürzen.

Beim Weihnachtsfest auf dem Landsitz der Verwandtschaft wenden sich die romantischen Vorzeichen: William verliebt sich Hals über Kopf in Katharines junge Cousine Cassandra (Camilla Borghesani), und Katharine stolpert ein weiteres Mal über Ralph, mit dem sie eine unruhige Chemie verbindet, die sie nicht länger ignorieren kann. Als ihr geliebter Cousin Cyril stirbt, wird Katharine aus ihrer Starre gerissen. Mit dem widerwilligen Segen ihres Verlobten William beschließt sie, um ihren Platz in Cambridge zu kämpfen. Doch Cyrils letzte Worte hallen nach: Ehrgeiz allein bedeutet wenig ohne die Liebe.

Gefühle können die Welt erweitern

Katharine fürchtet, dass Liebe das Opfer ihrer wissenschaftlichen Ambitionen fordern könnte – besonders, nachdem sie miterlebt hat, wie ihr Vater die literarischen Bestrebungen ihrer Mutter unterdrückt hat. Sie kann nicht glauben, dass ein Mann den Erfolg einer Frau unterstützen wird. Ein Jahr später, während der Erste Weltkrieg heraufzieht, meldet sich Ralph freiwillig zur britischen Armee und kommt, um sich zu verabschieden. Katharine, die inzwischen ganz in ihrem Studium aufgeht und an Selbstvertrauen gewonnen hat, erkennt schließlich, dass Gefühle sie nicht einschränken müssen – sondern ihre Welt erweitern können. Sie sieht ein, dass Liebe und Unabhängigkeit keine Gegensätze sind, sondern Konstellationen am selben Himmel. Sie öffnet ihr Herz für Ralph und lässt ihn in ihr Leben – als Gefährten auf ihrem eigenen Weg zu den Sternen…

Radikal moderne Komödie

„Nacht und Tag“, der zweite, 1918 nach langer Krankheit abgeschlossene Roman von Virginia Woolf, steht noch ganz in der Tradition viktorianischer Erzählkunst und gilt als Virginia Woolfs konventionellster Roman. Und dennoch haben Justine Waddell (Buch) und Tina Ghavari (Regie) daraus eine radikal moderne (un-) romantische Komödie machen können über eine brillante Astronomin, die im edwardianischen London zu Beginn des 20. Jahrhunderts Liebe und Selbstbestimmung neu definiert.

Von der Adaption der literarischen Vorlage über das Drehbuch bis hin zu den kreativen Schlüsselpositionen im Kostüm- und Maskenbild (Esther Walz, My Alehammar) wurde der 95-minütige Film, gedreht vom 7. November 2024 bis zum 30. Januar 2025 in Newcastle und Köln, maßgeblich von Frauen gestaltet. Die zu neuem Leben erwachte klassische Vorlage offenbart Virginia Woolfs zeitlose Gültigkeit, ihren geistreichen Witz ebenso wie ihre intellektuelle Schärfe.

Ralph Denham (Elyas M’Barek) findet Gefallen an der temperamentvollen Frauenrechtlerin Mary Datchett (Lily Allen).

Elyas M’Bareks internationales Debüt

Als Hauptfigur der britisch-irisch-deutschen Koproduktion, welche naturgemäß um einen moderneren Ton im Blick auf Analogien zu Themen des heutigen Zeitgeistes bemüht war, glänzt die amerikanische Schauspielerin Haley Bennett („Cyrano“) in einem hochkarätigen Ensemble englischer und internationaler Stars, darunter Popstar Lily Allen („Hedda“), Comedian Jack Whitehall („Malice“), Timothy Spall („Harry Potter“), Jennifer Saunders („Absolutely Fabulous“) – und der deutsche Publikumsliebling Elyas M’Barek in seiner ersten internationalen Kinorolle.

Autorin und Produzentin Justine Waddell entdeckte „Nacht und Tag“ vor einem Jahrzehnt und spürte sofort, dass der Stoff auf die Leinwand gehört: „In meinen späten Dreißigern stellte ich mir die gleichen Fragen wie der Roman: Was macht ein erfülltes Leben aus – Liebe, Ehe, Kinder, Karriere?“, so Waddell im Wild Bunch-Presseheft. Die Adaption wurde ihr Weg, diese Fragen durch Katharine und damit auch durch Woolf zu ergründen: „Woolf kreiste immer wieder um Freiheit, Bestimmung und Identität – das hat mich die ganze Zeit begleitet. Man kann diese Unruhe im Film spüren – die Spannung zwischen Sehnsucht und Zurückhaltung, Intellekt und Verlangen. Sie ist der Herzschlag der Geschichte.“

Perspektive von außen

Regisseurin Tina Ghavari, eine lebenslange Verehrerin Woolfs, fühlte sich vom feministischen Kern des Films und den persönlichen Konflikten einer Fau mit Ambitionen gegen alle Widerstände angezogen. Sie bringt in die Emanzipations-, Vater-Tochter- und Liebes-Geschichte die Perspektive einer Außenseiterin ein: „Als Nordengländerin und Geordie-Iranerin erkenne ich Katharines Kampf gegen das Patriarchat und das britische Establishment wieder. Woolf überschritt Grenzen; Katharine ist modern, entschlossen, dringlich und hungrig nach Veränderung“, so Ghavari im Presseheft.

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Nach der Uraufführung am 1. Juni 2026 zum Auftakt des genreübergreifenden Festivals South by Southwest (SXSW) in London und der Deutschen Erstaufführung am 30. Juni 2026 erfolgt der Kinostart am 9. Juli 2026, bei uns zu sehen im Casablanca Bochum, Luna im Astra Essen sowie im Bambi Düsseldorf.

Dienstag, 7. Juli 2026 | Autor: Pitt Herrmann