Unterstützung für jugendliche Diabetiker

Diabetes-Plus

Diabetes-Plus: v.l. Volker Mauck (Bereichsleitender Oberarzt), Sandra Schäfer (Stationsleitung) und Kinder- und Jugendärztin Dr. med. Dörte Hilgard zusammen.
Diabetes-Plus: v.l. Volker Mauck (Bereichsleitender Oberarzt), Sandra Schäfer (Stationsleitung) und Kinder- und Jugendärztin Dr. med. Dörte Hilgard zusammen. Foto: LWL

Hamm (lwl). Die psychische Gesundheit von Jugendlichen mit Diabetes steht im Vordergrund eines neuen stationären Therapie-Angebotes der kinder- und jugendpsychiatrischen Universitätsklinik Hamm des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Für die Behandlung von Jugendlichen, die neben einem insulinpflichtigen Diabetes auch unter einer psychischen Erkrankung leiden, hat die Klinik sechs Behandlungsplätze eingerichtet. Diabetes-Plus heißt das neue Behandlungsangebot.

Diabetes fordert von den Betroffenen eine intensive Auseinandersetzung mit ihrer Krankheit. Doch gerade diese tägliche Beschäftigung mit dem Essen, das regelmäßige Messen der Blutzuckerwerte und das Spritzen von Insulin kann bei Jugendlichen psychische Probleme verstärken oder auslösen: Depressionen, emotionale Störungen, Aufmerksamkeits-Störungen sowie Verhaltens- und Essstörungen erschweren insbesondere bei jungen Patienten eine Diabetes-Behandlung.

Die heutigen Therapie-Möglichkeiten fördern das Selbstmanagement der Patienten. Ist dieses jedoch aufgrund einer psychischen Erkrankung eingeschränkt, ist die Gefahr, eine lebensbedrohende Folgeerkrankung zu erleiden, besonders hoch. "Bei Diabetes-Betroffenen mit einer psychischen Auffälligkeit funktioniert das Selbstmanagement nur noch sehr schlecht, schwankende Blutzuckerwerte führen zu weiteren wechselnden Emotionen. Es entsteht ein Kreislauf, aus denen die Betroffenen ohne Unterstützung nicht heraus kommen", sagt Volker Mauck, Oberarzt der LWL-Universitätsklinik Hamm.

Genau hier möchte die Universitätsklinik mit einem ganzheitlichen Behandlungsprogramm ansetzen. "Wir bieten Jugendlichen mit insulinpflichtigem Diabetes und ihren Familien eine Behandlung an, die sowohl auf die körperliche als auch auf die psychische Gesundheit ausgerichtet ist", erklärt Volker Mauck das Konzept. "Da jede psychische Störung ihre eigene Besonderheit hat, werden die Patienten ganz individuell behandelt. Patienten mit ADHS essen häufig sehr spontan, da sie ihre Bedürfnisse sehr schlecht aufschieben können. Das Spritzen von Insulin ist heute zwar flexibel möglich, dennoch müssen die Mahlzeiten über den Tag gleichmäßig geplant werden".

Auch Infekte, Sport oder psychischer Stress vor Klassenarbeiten verändern den Blutzuckerspiegel. Jede noch so kleine Veränderung müssen die Betroffenen stets im Blick behalten. Betroffene Jugendliche fühlen sich aufgrund ihrer Erkrankung gegenüber Klassenkameraden häufig benachteiligt oder werden von ihren Mitschülern schnell ausgegrenzt. Der Umgang mit der Stoffwechselkrankheit erfordert sehr viel Disziplin und stellt viele Jugendliche und ihre Eltern häufig vor große Herausforderungen.

Das Behandlungsteam aus Ärzten und Therapeuten der Uniklinik arbeitet beim Diabetes-Plus-Konzept eng mit der Kinder- und Jugendärztin Dr. med. Dörte Hilgard zusammen. Ein Schwerpunkt in ihrer Wittener Praxis ist Diabetes bei Kindern- und Jugendlichen. Für die Behandlung der Diabetes-Patienten wird sie regelmäßig in der Hammer Klinik vor Ort sein.

Ziel ist es, die Jugendlichen zu einem selbständigen Umgang mit ihrer Stoffwechselkrankheit anzuleiten und das Selbstmanagement zu fördern, damit ein reibungsloser Ablauf im Alltag gelingt. Betroffene Jugendliche, ihre Eltern und Ärzte können sich über das Behandlungsangebot in der LWL-Universitätsklinik Hamm informieren; die Institutsambulanz ist unter Tel 02381 893-3000 erreichbar.

Hintergrund Diabetes: Diabetes ist die häufigste Stoffwechselerkrankung bei Kindern. Häufiges Wasserlassen, großer Durst, Gewichtsabnahme, allgemeine Schwäche und Müdigkeit - das sind sehr häufig die ersten Anzeichen für eine Erkrankung. Rund 25.000 Kinder und Jugendliche leiden in Deutschland an Typ-1-Diabetes. Die Neuerkrankungen steigen jährlich um ca. vier Prozent und die Krankheit trifft immer kleinere Kinder. Die Gründe sind vielseitig und noch weitgehend unklar. Keiner kann etwas dafür! Beim kindlichen Diabetes zerstört der eigene Körper die Insulin-produzierenden Zellen. Typ-1-Diabetes ist nicht mit dem sehr viel häufigeren Typ-2-("Alters"-) Diabetes vergleichbar.

Ziel der Behandlung ist neben dem täglichen Erledigen der Diabetesaufgaben, dass chronisch an Diabetes erkrankte Kinder und Jugendliche lernen, ihre Krankheit individuell in ihren Alltag einzuordnen - sie sollen möglichst ohne Benachteiligungen aufwachsen und sich normal entwickeln können.

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