U-Boote - Krieg und Forschung in der Tiefe

Ausstellung im LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg

Haifisch-U-Boot von Tim und Struppi.
Haifisch-U-Boot von Tim und Struppi. Foto: LWL

Waltrop. In seiner neuen Sonderausstellung U-Boote - Krieg und Forschung in der Tiefe geht das Schiffshebewerk Henrichenburg der Faszination auf den Grund, die von Unterwasserfahrzeugen ausgeht. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zeigt die Schau ab Sonntag, 9. Dezember 2018, in seinem Waltroper Industriemuseum. Schon immer haben Menschen davon geträumt, die geheimnisvolle Welt unter Wasser zu erobern. Unterseeboote sind ein beliebtes Sujet für Romane und Filme. In der Realität brachten U-Boote in den beiden Weltkriegen Tod und Verderben. Heute nutzen Biologen und Geologen sie für friedliche Forschungen. In der Ausstellung zu sehen sind unter anderem das verrostete Bugsegment eines im Zweiten Weltkrieg versunkenen Klein-U-Boots vom Typ Seehund, eine historische Enigma-Chiffriermaschine, Kleidung und andere Original-Requisiten aus dem Film Das Boot und der gerade angelaufenen neuen TV-Serie, ein Torpedo und Minen aus der Zeit des Kalten Krieges, Ausschnitte historischer Filme, Modelle, unbemannte Messfahrzeuge für die Meeresforschung sowie präparierte Tiere und rohstoffhaltige Gesteinsproben aus der Tiefsee. Begleitet wird der Besucher beim Gang durch die Ausstellungsabteilungen von Pings, jenen charakteristischen Tönen aus dem U-Boot-Sonar.

Plakat für kanadische Kriegsanleihen.
Plakat für kanadische Kriegsanleihen. Foto: LWL

In den unterschiedlichen Epochen hatte das U-Boot nicht immer die gleiche Bedeutung. Für Museumsleiter Dr. Arnulf Siebeneicker ist das Gefährt deshalb auch „ein ebenso aussagekräftiger wie spannender Indikator für den jeweiligen Zeitgeist in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft.“ In den beiden Weltkriegen brachten U-Boote Tod und Verderben. Ihr Einsatz mündete in eine uneingeschränkte Kriegsführung, in der Angriffe ohne Warnung und ohne die Rettung von Schiffbrüchigen erfolgten. Von einem besonders barbarischen Akt zeugt ein Plakat von 1918. Es reagiert auf die Versenkung des Hospitalschiffs Llandovery Castle, das vom kanadischen Roten Kreuz betrieben wurde, durch ein U-Boot der deutschen Marine. Nach dem Untergang ließ Kommandant Helmut Patzig auf die Überlebenden schießen. Die nicht minder grausame Realität der Kriegführung unter Wasser nach 1939 führten der Roman „Das Boot“ von Lothar-Günther Buchheim und der darauf basierende Film einem breiten Publikum vor Augen. Museumsdirektor Zache erinnert: „Das löste in Deutschland ab 1973 die erste breit geführte Debatte um die Rolle der Wehrmacht im NS-Regime aus.“

Chiffriermaschine Enigma M3.
Chiffriermaschine Enigma M3. Foto: Museum für Kommunikation, Frankfurt/Main

Seit dem Kalten Krieg sind Atom-U-Boote Träger von Massenvernichtungswaffen, die auf Knopfdruck ganze Regionen vom Erdboden tilgen können. „Die Verfolgungsjagden der U-Boote der beiden Supermächte, die sich unter dem Eis der Arktis gegenseitig belauern, sind Kennzeichen dieser Epoche“, so Siebeneicker. Auch heute werden die unterseeischen Flaggschiffe als Motiv staatlicher Propaganda genutzt: Fotografien der Machthaber Putin, Xi Jinping und Kim Jong-un, die an ihren Marinestützpunkten auf U-Booten posieren, zeugen davon. Neben der grauen Sphäre der gut getarnten U-Boote in der Kriegsmarine gibt es aber eine gelbe Sphäre der für die Ozeanforschung genutzten Gefährte, die neue Erkenntnisse über die Fauna und Flora in der Tiefsee sowie die Geologie des Planeten liefern. Im Mittelpunkt dieser Abteilung steht ein Tauchboot aus dem „Geomar“ Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Es kann ohne Besatzung in Tiefen bis zu 6.000 Metern vorstoßen. Auch die Rohstoffgewinnung unter Wasser ist ein Thema dieser Abteilung. In abgesteckten Zonen der Ozeane ist mittlerweile ein Wettstreit der Nationen um den Abbau von Manganknollen und Schwarzen Rauchern ausgebrochen. Zache: „In Deutschland verabschieden wir uns gerade vom Steinkohlenbergbau. Der Bergbau der Zukunft wird sich in den Ozeanen abspielen.“ Bei der Eröffnung der Ausstellung am Sonntag begrüßt Michael Pavlicic, stellvertretender Vorsitzender der LWL-Landschaftsversammlung, die Gäste. Der Meeresgeologe Dr. Gerd Hoffmann-Wieck wird die Arbeit des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung in Kiel vorstellen. Für die musikalische Umrahmung sorgen die Brigadoon Pipes and Drums, die mit ihrem Dudelsack-Spiel an die Opfer der Weltkriege erinnern werden.

Dezember
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Sonntag
Sonntag, 09. Dezember 2018, um 14 Uhr LWL-Schiffshebewerk Henrichenburg , Am Hebewerk 26 , 45731 Waltrop Eintrittspreise Erwachsene 4 Euro, Kinder und Jugendliche 2 Euro, Ermäßigt 2,50 Euro.
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