halloherne.de lokal, aktuell, online.
Elektra (Ingela Brimberg) kann endlich wieder auf ihren lang erwarteten Bruder Orest (Richard Šveda) zählen.

Richard Strauss` „Elektra“ in Düsseldorf

Triumphales Debüt Ingela Brimbergs

Das Geschlecht der Atriden ist vom Fluch der Rache vergiftet, nachdem König Tantalos die Speise der Götter geraubt und ihnen stattdessen seinen geschlachteten Sohn Pelops vorgesetzt hat. Keiner hat das so nüchtern zu Papier gebracht wie der Dramatiker Heiner Müller in seinem „Elektratext“, der programmatisch gleich am Anfang des Programmheftes zur knapp zweistündigen Neuinszenierung der Oper „Elektra“ von Richard Strauss an der Deutschen Oper am Rhein abgedruckt ist.

Anzeige: Hoffest 2026

Clownesker Untoter

König Agamemnon, der in Stephan Kimmigs Inszenierung in Person des belarussischen Cirque du Soleil-Artisten Aliaksei Liubezny als Untoter im Outfit eines Weißclowns seine enorme Beweglichkeit unter Beweis stellen kann, ist durch seine Gattin Klytämnestra (Linda Watson) und ihren Liebhaber Aegisth (Cornel Frey) ermordet worden. Weshalb Agamemnons Tochter Elektra (musste kurzfristig für die polnische Wagner-Spezialistin Magdalena Anna Hofmann einspringen: die völlig zu Recht mit Ovationen gefeierte schwedische Sopranistin Ingela Brimberg) auf Rache sinnt.

Axt im Kofferraum

Chrysothemis (Liana Aleksanyan) will sich nicht am mörderischen Racheplan ihrer älteren Schwester Elektra (Ingela Brimberg) beteiligen.

Dabei aber vergeblich auf die Unterstützung ihrer jüngeren, dem Leben zugewandten Schwester Chrysothemis (die armenischen Sopranistin Liana Aleksanyan) hofft. Bevor Elektra selbst zur Axt greift, deponiert im Kofferraum eines Oldtimers, an dem sie, zünftig im Blaumann (Kostüme: Anja Rabes) gewandet, herumschraubt, taucht glücklicherweise ihr lange vermisster, ja bereits für tot erklärter Bruder Orest (slowakischen Bariton Richard Šveda) als Vollstrecker auf.

Urplötzlich empathisch

In ihrem giftgrünen Glitzerkleid liegt die erschlagene Klytämnestra in einem weißen Sarg, der in den tristen Innenhof (Bühne: Katja Hass) eines kalten Wohngebäudes unserer Tage aus größtenteils mit Klinker-Riemchen verblendetem Beton geschoben wird. Warum ihre drei urplötzlich empathischen Kinder nun die Reinigung des Gesichts, der Hände und Füße der Toten übernehmen, erschließt sich mir ebenso wenig wie der Einsatz einer Live-Cam oder die Video-Projektionen zweier Clowns, die laut Programmheft Agamemnon und Menelaos darstellen sollen, auf die Rückwand.

Kurzfristig eingesprungen

Hugo von Hofmannsthals Drama „Elektra“ nach der gleichnamigen, um 430 vor Christus in Athen uraufgeführten Tragödie des Sophokles, ist in Gegenwart von Richard Strauss am 30. Oktober 1903 im Kleinen Theater Berlin in einer Inszenierung von Max Reinhardt mit Gertrud Eysoldt in der Titelrolle erstmals herausgekommen. Zwei Jahre später, am 25. Januar 1909, kam die Oper „Elektra“ in Dresden heraus – und wurde ein Welterfolg. Unter der Leitung von Chefdirigent Vitali Alekseenok feierte die weltweit an führenden Opernhäusern gastierende Ingela Brimberg, übrigens auch eine ausgebildete Psychologin, die kurzfristig aus Gotland an den Rhein verpflichtet werden konnte und zuletzt die Partie der „Elektra“ in der Hamburger Elbphilharmonie sang, ein minutenlang gefeiertes Debüt im Düsseldorfer Opernhaus.

Unerbittliche Intensität

An ihrer Seite mit Liana Aleksanyan und Richard Šveda zwei kaum weniger gefeierte Ensemblemitglieder sowie mit der Kammersängerin Linda Watson ein Ehrenmitglied der Rheinoper, die vor dreizehn Jahren in der Titelpartie auf denselben Brettern brillierte. Musikalisch also alles im grünen Bereich? „Ein Werk voller Kontraste, extremer Spannung und Emotionalität – mit einer Musik, die wie ein einziges großes Crescendo von einem Höhepunkt zum nächsten treibt“: Die Unerbittlichkeit, mit der der belarussische Dirigent die ungeheure Intensität der Musik im Graben befeuert, konterkariert das freilich ganz und gar nicht aufgehende Regiekonzept, nach dem sich die drei rachedurstigen Königskinder „remenschlichen“ (Stephan Kimmig) durch die „taktile Annäherung“ an den toten Körper ihrer Mutter.

„Unverstraußte Elektra“

Zugegeben, in der Erinnerung verklärt sich manches. Aber Hildegard Behrens hat – vor dreißig Jahren – in Salzburg eine nicht nur wütende, nach Blutrache dürstende, sondern auch eine traurige, liebesbedürftige und vereinsamte Elektra verkörpert, darin kongenial unterstützt von Lorin Maazel am Pult der Wiener Philharmoniker, denen Joachim Kaiser in der SZ „faszinierende Zartheit und humane Betroffenheit“ attestierte. Im Übrigen halte ich es mit dem österreichischen Dramatiker Arthur Schnitzler („Reigen“), der nach der Wiener Premiere 1909 an Hofmannsthal schrieb: „Einen reineren Eindruck hatt’ ich zwischen Generalprobe und Aufführung, da ich gestern früh ihre unverstraußte Elektra wieder las, die etwas einfach Bewunderungswürdiges vorstellt und der ich für meinen Teil gestern Abend noch heftiger applaudiert habe, als der wahrhaft mächtigen Musikbegleitung.“

Die weiteren Aufführunge

Die weiteren Aufführungen im Opernhaus Düsseldorf:

  • Samstag, 18. April 2026, 19.30 Uhr
  • Freitag, 24. April 2026, 19.30 Uhr
  • Donnerstag, 30. April 2026, 19.30 Uhr
  • Sonntag, 3. Mai 2026, 15 Uhr
  • Freitag, 29. Mai 2026, 19.30 Uhr
  • Donnerstag, 4. Juni 2026, 18.30 Uhr
Mai
29
Freitag
Freitag, 29. Mai 2026, um 19:30 Uhr Deutsche Oper am Rhein, Heinrich-Heine-Allee 16a, 40213 Düsseldorf
Weitere Termine (1) anzeigen...
  • Donnerstag, 4. Juni 2026, um 18:30 Uhr
Vergangene Termine (4) anzeigen...
  • Sonntag, 5. Mai 0026, um 15 Uhr
  • Samstag, 18. April 2026, um 19:30 Uhr
  • Freitag, 24. April 2026, um 19:30 Uhr
  • Donnerstag, 30. April 2026, um 19:30 Uhr
Anzeige: Sparkasse Privatkredit 2026
Klytämnestra (Linda Watson) wird, zumindest an der Rheinoper, ihren ermordeten Gatten Agamemnon (Aliaksey Liubezuy) nicht los.

Karten unter operamrhein.de oder Tel. 0211-8925210

Montag, 13. April 2026 | Autor: Pitt Herrmann