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Ein irakisches Mädchen verlässt die Grundschule im Zentrum von Bagdad am 12. Oktober 2004.

Fotos von Anja Niedringhaus in der Ludwiggalerie Oberhausen

Stets an vorderster Front

Die 1965 im westfälischen Höxter geborene „Bilderkriegerin“ Anja Niedringhaus war seit 2002 festangestellte Fotografin bei der Agentur Associated Press (AP) und als solche stets in Kriegs- und Krisengebieten an vorderster Front unterwegs. Zahlreiche ihrer Arbeiten haben längst ikonischen Status, dass sie aber nicht nur „eingebettet“ gearbeitet hat, etwa als der US-Präsident George W. Busch 2003 in Bagdad amerikanische Soldaten besuchte, zeigt die Ludwig Galerie Oberhausen jetzt in einer allein schon der Materialfülle wegen eindrucksvollen Retrospektive.

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Von der idyllisch von Wald umgebenen nordhessischen Kleinstadt Kaufungen vor den Toren Kassels aus, gleich im ersten Ausstellungskapitel „Zuhause in Kaufungen“ sind Aufnahmen ihrer gemütlichen Wohnung zu sehen, ist Anja Niedringhaus in alle Welt aufgebrochen, um für zumindest die Menschen der westliche Welt einen Blick hinter die Kulissen zumeist höchst gewalttätiger Auseinandersetzungen zu ermöglichen.

Als erste Frau den Pulitzer-Preis erhalten

Paradigmatisch für ihr Verständnis von aktueller Pressefotografie, die über das rein Faktische hinausgeht, ist das Plakatmotiv: Es ist am 12. Oktober 2004 entstanden und zeigt, wie ein kleines irakisches Mädchen die Grundschule im Zentrum von Bagdad verlässt und mit freudigem Lächeln auf den schwerbewaffneten Soldaten am Eingangstor blickt. Zehn Jahre später erhielt Anja Niedringhaus – als erste Frau überhaupt – den renommierten Pulitzer-Preis für eine Fotoreportage aus dem Irak.

Die Ausstellung „An vorderster Front“ trägt völlig zu Recht den Untertitel „Pulitzer-Preisträgerin, Pressefotografin, Porträtistin“, denn Anja Niedringhaus ist wohl als Kriegsreporterin mit spektakulären Aufnahmen, die sie in Afghanistan, im Irak und dem ganzen Balkan zwischen Bosnien und Albanien aufgenommen hat, stets ihrer Maxime verpflichtet: „Wenn ich es nicht fotografiere, wird es nicht bekannt“. In den Nullerjahren hat sie sich mit dem Anschlag auf das World Trade Center in New York und den Folgen u.a. für den Nahen Osten beschäftigt, ihre Bilder aus Kuwait, Lybien sowie den Palästinensergebieten Gaza und Westjordanland sind heute wertvolle Zeitdokumente.

Die Lebensfreude und den Überlebenswillen dokumentiert

Ihr Interesse aber galt stets den menschlichen Regungen der Porträtierten, den handelnden Soldaten wie auch der unter den Ereignissen leidenden Zivilbevölkerung. Immer wieder hat Abja Niedringhaus die Lebensfreude und den Überlebenswillen der Menschen und insbesondere der Kinder in Kriegs- und Krisengebieten dokumentiert – mit bisweilen aus europäischer Sicht skurrilen, in jedem Fall aber unerwarteten Alltagsszenen. Die immer wieder ganze Geschichten in einem Motiv vereinen.

Serena Williams in Wimbledon am 30. Juni 2012.

Das 2. Obergeschoss ist ihren Fotografien im Bereich des Sports gewidmet. Vor allem Leichtathletik und Tennis, allein Wimbledon zwischen Steffi Graf 1999 und Novak Djokovic 2013, gehören zu ihren bevorzugten Disziplinen. Faszinierende Bewegungsstudien aber liefern auch Wasserspringer, Eiskunstläufer und Leichtathleten. Reine Freude drücken ihre Bilder von der Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2007 in China aus.

An vordererster Front durch Polizeikugeln gestorben

An vorderster Front ist Anja Niedringhaus 2014 durch Polizeikugeln im afghanischen Banda Khel gestorben und es wird höchste Zeit, dass Wikipedia sie in die Liste der „Persönlichkeiten“ Kaufungens aufnimmt, in der etwa ein gewisser Heinz Eggebrecht (1916–1994) zu finden ist, Oberst und Bezirksverwaltungsleiter des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR in Ost-Berlin.

Die Werkschau „Anja Niedringhaus – An vorderster Front“ mit über 250 Aufnahmen, aber auch mit persönlichen Gegenständen wie ihren Blauhelm oder ihre Schutzweste wird vom 10. Mai bis 13. September 2026 in der Ludwiggalerie, Konrad-Adenauer-Allee 46, in Oberhausen gezeigt: Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr, Montag geschlossen. Informationen über das umfangreiche Rahmenprogramm im Netz unter ludwiggalerie.de, wo auch die museumspädagogischen Angebote zu finden sind. Öffentliche Führungen sonn- und feiertags um 11.30 Uhr, Kuratorinnenführungen mit der Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt am 17. Mai, 14. Juni, 5. Juli und 30. August 2026 jeweils um 15 Uhr.

Zivilisten auf der Flucht in Basra am 30. März 2003.
Juli
5
Sonntag
Sonntag, 5. Juli 2026, um 15 Uhr Ludwiggalerie Schloss Oberhausen, Konrad-Adenauer-Allee 46, 46049 Oberhausen
Weitere Termine (1) anzeigen...
  • Sonntag, 30. August 2026, um 15 Uhr
Vergangene Termine (3) anzeigen...
  • Sonntag, 10. Mai 2026
  • Sonntag, 17. Mai 2026, um 15 Uhr
  • Sonntag, 14. Juni 2026, um 15 Uhr
Donnerstag, 7. Mai 2026 | Autor: Pitt Herrmann