Russell Crowe als Hermann Göring
'Nürnberg' in der Filmwelt Herne
Nürnberg, 1945. In den Ruinen der vom Krieg gezeichneten fränkischen Stadt erhält der amerikanische Oberstleutnant und Militärpsychiater Dr. Douglas M. Kelley (Rami Malek) einen ungewöhnlichen Auftrag: Er soll die inhaftierten Hauptverantwortlichen des NS-Regimes in Vorbereitung auf die Nürnberger Prozesse untersuchen. Unter ihnen ist der ehemalige Reichsmarschall Hermann Göring (Russell Crowe), dessen Intelligenz, Charisma und manipulative Stärke Kelley gleichermaßen herausfordern wie faszinieren. Trotz anfänglicher Machtspiele gelingt es dem Arzt, Görings Vertrauen zu gewinnen und Einblick in seine Persönlichkeit zu erhalten.
Beispielloses Tribunal
Gleichzeitig bereitet sich der US-amerikanische Richter Robert H. Jackson (Michael Shannon) am Obersten Gerichtshof auf eine außergewöhnliche Aufgabe vor: Er soll die für die Verbrechen des Dritten Reiches verantwortlichen Männer wie Rudolf Heß (Andreas Pietschmann), Admiral Karl Dönitz (Peter Jordan), Robert Ley (Tom Keune) und Julius Streicher (Dieter Riesle) strafrechtlich verfolgen, und daran die grundlegenden rechtlichen und ethischen Standards für dieses beispiellose internationale Tribunal entwickeln. Während im Gerichtssaal die Verhandlungen beginnen, fällt es Kelley zunehmend schwerer, die notwendige Distanz zu wahren.
Hochkarätiges Ensemble
Zum hochkarätigen Ensemble von „Nuremberg“, so der Originaltitel, gehören außerdem Leo Woodall als Sergeant Howie Triest, der deutschsprachige Attaché, der Kelley als Übersetzer zur Seite gestellt wurde; Richard E. Grant als Sir David Maxwell-Fyfe, der britische Ankläger; Colin Hanks als Dr. Gustave Gilbert, der rivalisierende Psychologe, der hinzugezogen wurde, um Kelleys Schlussfolgerungen zu überprüfen; Mark O'Brien als Colonel John Amen, der als Chefverhörer für das US-Anklageteam fungierte; und John Slattery als Colonel Burton C. Andrus, der das Nürnberger Gefängnis leitet, in dem die gefangenen Nazis festgehalten werden.
Der Nazi und der Psychiater
„Nürnberg“ wurde von James Vanderbilt geschrieben und inszeniert und basiert auf Jack El-Hais Sachbuch „Der Nazi und der Psychiater“. Am Ende des Zweiten Weltkriegs, nach der Niederlage der „Achsenmächte“ Deutsches Reich, Italien und Japan sowie dem Selbstmord Adolf Hitlers, standen die Alliierten USA, England und Frankreich vor einer schwierigen Frage: Was sollte mit den überlebenden Mitgliedern des Nazi-Regimes geschehen, die bei der Befreiung Europas gefangen genommen worden waren?
Winston Churchill wollte sie erschießen lassen, Joseph Stalin wollte einen Schauprozess, der automatisch zu ihrer Erschießung führen würde, während der neu ins Amt gekommene US-Präsident Harry S. Truman auf einen echten Prozess bestand, um sie vor Gericht zu stellen. Die Antwort war letztlich ebenso beispiellos wie die Verbrechen selbst: Es sollte ein internationales Tribunal in Nürnberg stattfinden, und damit in einer Stadt, die als Symbol für den Aufstieg des Dritten Reiches stand und als Kulisse für Hitlers Propagandaveranstaltungen auf dem Reichsparteitagsgelände gedient hatte.
Beunruhigende Schlussfolgerung
Weil der Militärpsychiater Dr. Douglas M. Kelley zu einer zutiefst beunruhigenden Schlussfolgerung kam, nach der die Nazi-Führer keine klinischen Psychopathen oder Monster im medizinischen Sinne waren, sondern vielmehr beunruhigend normale Männer – schlau, ehrgeizig und vollkommen rational, aber unter bestimmten Umständen in der Lage, unaussprechliche Verbrechen zu begehen, wurde er bald durch den Psychologen Gustave Gilbert ersetzt. Der zu dem Schluss gekommen war, dass die Nazi-Führer tiefgreifende moralische und emotionale Defizite aufwiesen – Eigenschaften, die er als pathologisch und als Zeichen einer angeborenen Fähigkeit zum Bösen betrachtete.
Als Gilberts Ansichten sich durchsetzten und weit verbreitet wurden, sah Kelley seinen Ruf beschädigt. In einem erschreckenden Echo auf genau die Männer, die er untersucht hatte, nahm sich Kelley 1958 schließlich das Leben, indem er Zyankali einnahm – dieselbe tödliche Substanz, die Hermann Göring wenige Stunden vor seiner geplanten Hinrichtung verwendet hatte.
Posthume Rehabilitation
„Das Böse trägt nicht immer eine furchterregende Uniform“, ist der Filmemacher James Vanderbilt überzeugt. „Es kündigt sich nicht immer an. Es kann heimtückisch sein. Es kann – wie Göring – der netteste Gast auf einer Dinnerparty sein. Das ist ein viel beängstigenderer Gedanke als der Kampf zwischen Guten und Bösen“, so der 50-jährige US-amerikanische Drehbuchautor, Filmregisseur und Produzent. Weshalb „Nürnberg“ auch als posthume Rehabilitation Kelleys gesehen werden kann.
Der 148-minütige, in Budapest gedrehte Spielfilm, der auf dem Buch „Der Nazi und der Psychiater“ von Jack El-Hai basiert, in zentralen Passagen aber auch Prozessakten originalgetreu wiedergibt wie die Eröffnungsrede des Hauptanklagevertreters Robert H. Jackson und große Teile seines Kreuzverhörs von Hermann Göring, ist am 7. September 2025 beim Toronto Int. Filmfestival uraufgeführt und am 24. September 2025 beim San Sebastian Int. Filmfestival erstmals in Europa gezeigt worden. Zum Kinostart am 7. Mai 2026 ist „Nürnberg“ auch in der Filmwelt Herne zu sehen.