Neues vom Ausbildungsmarkt

Kerstin Groß.
Kerstin Groß. Foto: Thomas Schmidt, Stadt Herne

„Wir haben eine gute Entwicklung in Herne. Wir haben mehr gemeldete Bewerber für eine Ausbildung und deutlich mehr gemeldete Ausbildungsstellen“, zog Dr. Regine Schmalhorst, Geschäftsführerin der Arbeitsagentur Bochum und Herne, Bilanz. Am Dienstag (13.11.2018) stellte sie gemeinsam mit Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda und Vertretern von Arbeitgebern und Arbeitnehmern die Bilanz zum Ausbildungsmarkt vor. „Mit einem Anstieg der Ausbildungsplätze um 18 Prozent haben wir die Talsohle durchschritten“, zeigte sich auch Dr. Dudda zufrieden. „Aber wir kommen von einem bedenklich niedrigen Niveau.“

Herne holt auf

v.l. Martin Klinger, Frank Dudda, Regine Schmalhorst.
v.l. Martin Klinger, Frank Dudda, Regine Schmalhorst. Foto: Thomas Schmidt, Stadt Herne

Denn trotz der positiven Entwicklung gibt es in Herne weniger als halb so viele Ausbildungsstellen wie Bewerber, auf 100 Bewerber gibt es lediglich 45 gemeldete Stellen. Im vergangenen Ausbildungsjahr waren es nur 41. „Herne ist ganz klar ein positiver Ausreißer im ganzen IHK-Bezirk“, so Kerstin Groß von der Industrie- und Handelskammer. Auch wenn die Lücke kleiner wird, gibt es in Herne noch Aufholbedarf. Deswegen wollen die Partner im Bündnis für Arbeit noch einmal kräftig für die betriebliche Ausbildung werben. Dafür fand Dr. Dudda ein wesentliches Argument: „Die positive Nachricht ist, wir haben die jungen Menschen noch, die eine Ausbildung beginnen möchten.“ Wo in anderen Städten die Interessenten fehlen, könnten viele Betriebe in Herne zwischen mehreren Bewerbern auswählen.

Ausbildung und Bewerber müssen passen

Alexander Füten.
Alexander Füten. Foto: Thomas Schmidt, Stadt Herne

Ein Problem besteht allerdings im sogenannten Matching. Das bedeutet, dass Bewerber und Ausbildungsplätze zusammenpassen. So sind noch 139 Plätze in diesem Ausbildungsjahr frei, für die kein passender Azubi gefunden wurde. Damit Jugendliche herausfinden, welche Ausbildung für sie die richtige ist, stehen die Arbeitgeberverbände in engem Kontakt mit den Schulen und bringt sie mit Arbeitgebern ins Gespräch. Deren Erwartungen an neue Azubis haben sich in den vergangenen Jahren verändert, weiß Alexander Füten von den Arbeitgeberverbänden: „Die Unternehmen achten inzwischen viel weniger auf die Noten. Weiche Faktoren und Kompetenzen sind inzwischen viel wichtiger geworden.“

Das hat auch Martin Klinger, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bochum – Herne Castrop-Rauxel beobachtet. „Das Bild bei den Arbeitgebern ist sehr bunt. Leider geben nicht alle Arbeitgeber den jungen Menschen eine Chance, die erst auf den zweiten Blick überzeugen“, so Schmalhorst. Falls Auszubildende dennoch fachliche Schwierigkeiten hätten, können sie von der Arbeitsagentur oder der Kreishandwerkerschaft Unterstützung bekommen. Diese Hilfen könnten auch die hohe Abbrecher-Quote senken. Denn der NRW-weite Trend, dass rund ein Viertel der Azubis die Ausbildung abbrechen, ist auch in Herne zu beobachten.Für das kommende Ausbildungsjahr gibt es schon eine sehr gute Perspektive: Das St.-Anna-Hospital möchte 400 neue Ausbildungsstellen schaffen, das Evangelische Krankenhaus 50 weitere Plätze. Aber auch in diesem Jahr gibt es noch Chancen: Wer eine Ausbildung beginnen möchte, kann immer noch einsteigen.

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