Neu im Kino: Yesterday

Preview mit Damenabend in der Filmwelt

Neu im Kino: Yesterday. im Bild: Himesh Patel und Ed Sheeran.
Neu im Kino: Yesterday. im Bild: Himesh Patel und Ed Sheeran. Foto: Universal

Jack Malick (ein Glücksfall: Himesh Patel in seiner ersten Kino-Hauptrolle) singt zur Gitarre am Strand von Gorleston, einem einst bekannten, heute aber sehr verschlafen wirkenden Badeort an der englischen Ostküste. Wo der Singer-Songwriter ebenso wenig ein aufmerksames Publikum findet wie abends im Club. Seine Jugendfreundin und ehemalige Berufskollegin, die anmutige Mathematiklehrerin Ellie Appleton (charmant, reizend – und doch so unverständlich schüchtern: Lily James), versucht Jack, der für seinen Musiker-Traum den Lehrerberuf hingeschmissen hat und in einem Supermarkt Regale auffüllt, immer wieder Mut zu machen. Roadie und Managerin in Personalunion hat sie Jack einen Gig beim Latitude Festival verschafft, „dem“ Musikereignis in Suffolk. Aber Jack darf im Henham Park zu Southwold nur in einem Nebenzelt vor einer Handvoll gelangweilter Zuhörer spielen.

Neu im Kino: Yesterday: Lily James backstage: Liebeserklärung von der Bühne.
Neu im Kino: Yesterday: Lily James backstage: Liebeserklärung von der Bühne. Foto: Universal

Weshalb er beschließt, an die Schule zurückzukehren. Doch dann verändern zwölf Sekunden sein Leben: bei einem reichlich verspätetem Millennium-Bug gehen weltweit die Lichter aus und der auf dem Fahrrad heimradelnde Jack gerät unter einen Bus. Bis auf zwei ausgebrochene Schneidezähne ist ihm nichts passiert, aber die Welt um ihn herum hat sich verändert. Beatles, wer? Auch mit Begriffen wie Coke oder Zigaretten können weder Menschen noch Computer etwas anfangen. „Eine großartige Gitarre verlangt einen großartigen Song“: Als er zum Dank für ein nagelneues Instrument Yesterday anstimmt, sind seine jungen Zuhörer begeistert, wenn sie auch Fix You von Coldplay für besser halten. Von den Fab Four haben sie jedenfalls noch nie etwas gehört.

Neue Zähne, alte Songs: Seine Eltern Jed (Sanjeev Bhaskar) und Sheila (Meera Syal) sowie mit Terry (Karl Theobald) ein Freund der Familie sind die ersten, die Let it Be zu hören bekommen – und nur mäßig begeistert sind. Was abends im Club schon ganz anders aussieht. Und vor allem Gavin (Alexander Arnold) auf den Plan ruft. Der unterhält im aufgelassenen Bahnhof von Gorleston ein kleines Studio, in dem Jack seine ersten Beatles-Songs aufnimmt. Deren Texte er mühsam rekapituliert und auf Post-Its notiert, die bald eine ganze Wand seines Zimmers bedecken. Auf CD gepresst werden sie im Supermarkt als Werbegeschenke verteilt. Was lokale Sender interessiert – und am Ende sogar den etablierten Singer-Songwriter Ed Sheeran, der Jack zu seiner Europa-Tournee einlädt. Weil Ellie schulische Verpflichtungen hat, springt der chaotische Rocky (Joef Fry) als Roadie ein. Aus dem Anheizer für Ed Sheeran wird bereits auf der ersten Station Moskau der Hauptact: mit Back in the USSR erobert er nicht nur die Herzen der Russen.

Eds skrupellose Hollywood-Managerin Debra Hammer (ein Eisblock: Kate McKinnon) nimmt den armen kleinen Musiker Jack aus Suffolk unter ihre Fittiche und plant zusammen mit der Image-Expertin Hilary (Camilla Rutherford) generalstabsmäßig seine Welt-Karriere. Die ihren Ausgangspunkt in Los Angeles nimmt – in der Late Late Show von James Corden. Und hier ist Ellie nun wirklich draußen. Bei einem kurzen Treffen in London kommen beide Königskinder einmal mehr nicht zusammen: Sie möchte, dass er mit seiner Karriere glücklich ist – und er verpasst schon wieder sein Glück. Zumal die attraktive Ellie nun von Gavin umschwärmt wird – offenbar mit einiger Aussicht auf Erfolg. Als der von Alpträumen heimgesuchte Jack sein neues Album daheim vom Dach des Pier Hotels aus vor 6000 begeisterten Fans am Strand von Gorleston präsentiert, schreit er seine Verzweiflung heraus: Help! Erst ein gewisser Ringo Starr (David Lautman) bringt ihn auf den richtigen Kurs zurück: im Wembley-Stadion bei einem Konzert von Ed Sheeran rückt Jack gleich mit mehreren Wahrheiten heraus – und singt am Ende Eds wunderschönen Song One Life...

Das knapp zweistündige Feelgood-Movie Yesterday, uraufgeführt am 4. Mai 2019 beim Tribeca Festival in den USA und anschließend unter anderem auf den Festivals in Montclair, Chicago und Seattle gezeigt, bevor es nach Europa kommt und am 11. Juli 2019 in den deutschen Kinos startet (in der Filmwelt Herne bereits zum Damenabend am 10. Juli um 20.15 Uhr), ist der erste gemeinsame Kinofilm des Regisseurs Danny Boyle (Emmy für Trainspotting, Oscar für Slumdog Millionär) und des Gefühlskino-Drehbuchspezialisten Richard Curtis (Vier Hochzeiten und ein Todesfall, Notting Hill). Es sind vor allem die stillen Momente, die diese romantische Sommerkomödie zu einer besonderen machen: Newcomer Himesh Patel, in England durch die legendäre BBC-Seifenoper EastEnders ein Star, außerhalb der Insel aber ein Nobody, spiegelt den kometenhaften Aufstieg der Pilzköpfe selbst wider.

Yesterday ist einerseits natürlich eine Beatles-Hommage im Look der Swinging Sixtees – mit ausdrücklicher Genehmigung der noch lebenden Bandmitglieder Paul McCartney und Ringo Starr sowie der Nachlassverwalter von John Lennon und George Harrison. So erinnert der Open-Air-Auftritt am Pier Hotel an den letzten Auftritt der Fab Four auf dem Dach der Apple-Studios. Der Film basiert andererseits auch auf Ed Sheerans Geschichte. Wie Jack entstammt Ed der englischen Grafschaft Suffolk und lebt mit einer Frau zusammen, die er seit der Schulzeit kennt. Auch Ed tingelte durch kleine Pubs, bevor sein kometenhafter Aufstieg begann. Acht Jahre hat es ihn nach eigener Aussage gekostet, bis er ein Gleichgewicht zwischen Karriere und persönlichem Leben herstellen konnte.

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