Nach der WM-Pleite

Zeit für Herner Tatort-Kommissare

Erster Fall für Joachim Król und Nina Kunzendorf. Foto: ARDErster Fall für Joachim Król und Nina Kunzendorf.
Ermitteln in Hannover: Wotan Wilke Möhring und Franziska Weisz.Foto: ARDErmitteln in Hannover: Wotan Wilke Möhring und Franziska Weisz.

Spannende Unterhaltung ist das beste Mittel, um den Frust über das blamable Ausscheiden der Deutschen bei der Fußball-WM am Mittwoch (27.6.2018) vergessen zu machen. Gleich zwei Herner Kommissare sind nun im Tatort-Einsatz: Joachim Król in „Eine bessere Welt“ von Lars Kraume (Sendetermin: Freitag, 29. Juni, 22 Uhr, ARD) und Wotan Wilke Möhring in Zorn Gottes von Özgür Yildirim (Sonntag, 1. Juli, 20.15 Uhr, ARD).

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„Ich möchte einen Mord melden“: Es ist schon spät, als ein Mann namens Sven Döring (Justus von Dohnányi) in der Frankfurter Mordkommission Einlass begehrt, um diese Meldung zu machen. Hauptkommissarin Conny Mey („emotionale Intelligenz“: Nina Kunzendorf ganz gegen den Strich ihres bisherigen Rollenprofils besetzt) führt ihn in das Büro ihres Kollegen Hauptkommissar Frank Steier (Joachim Król), den einzigen Raum, in dem noch Licht brennt. „Mein Sohn liegt seit einem Jahr im Koma, und ich weiß, dass seine Freundin Mariam versucht hat, ihn zu ermorden, und dass ihr Kollege Seidel diese Tat vertuscht hat“, klagt Döring.

Auf die beiden Polizeibeamten wirkt er extrem gestört – und daher gefährlich. Er scheint etwas zu planen, womöglich will er sich an der vermeintlichen Täterin rächen, von der er offenbar weiß, dass sie eine Party feiert. Kommissarin Mey besteht darauf, zu der jungen Frau zu fahren, die damals den schwer verletzten Jungen auf einer Main-Brücke fand. Was bei ihrem mürrischen Kollegen auf wenig Verständnis stößt: „Wir sind die Mord- und nicht die Mordverhinderungskommission“, blockt Steier ab.

Ein klassisches Polizeidilemma: Solange dem Mädchen nichts passiert ist, gibt es keine polizeiliche Handhabe gegen den potenziellen Täter. Überdies hat der Staatsanwalt das Verfahren gegen die junge Frau schon vor Jahresfrist eingestellt, weshalb es kein Plazet des Chefs der Mordkommission (Gerd Wameling) gibt, wertvolle Dienstzeit zu opfern, die gerade für einen anderen, brisanten Fall benötigt wird. Steier lenkt im letzten Augenblick ein und fährt mit der Kollegin zu Mariam Sert (Vicky Krieps), in deren Wohnung tatsächlich eine Geburtstagsparty läuft...

„Den Schritten nach habe ich ein Pferd erwartet“: Für charmante Komplimente ist der Kommissar Steidel des mürrisch-eigenbrödlerischen, geradezu verschlossenen Joachim Król, der sogar auch einen dämlichen Macho-Spruch ablässt („Ich würd' Ihnen auch gerne 'was antun, Frau Kollegin“), nicht zu haben, was passend zur Jahreszeit, in der „Eine bessere Welt“ spielt, zunächst ein eisiges Klima zwischen den beiden neuen Frankfurter Ermittlern erzeugt.

„Ich fall' ganz gern mit der Tür ins Haus“: Die Kommissarin Mey der attraktiven, offenherzigen, entwaffnend direkten Nina Kunzendorf geht dem alten, erfahrenen Haudegen Steier mächtig auf den Keks, der mit ihrem „Gutmenschentum und Helfersyndrom“ nichts anzufangen weiß im harten Polizistenalltag. Und an ihrem Freund, dem Polizeipsychologen Daniel Behnken („eierloser Karrierist“: Arnd Klawitter), kein gutes Haar lässt. Aber die eloquente Conny Mey vermag zu kontern: „Sie bellen hier die ganze Zeit 'rum, dabei sind Sie doch ein ganz lieber Typ.“

Der Jubiläums-Tatort „Eine bessere Welt“, zu dem Regisseur Lars Kraume auch das Drehbuch geschrieben hat, wartet mit einer komplexen, spannenden Story und einem vielversprechenden neuen Ermittler-Duo auf, das vielleicht nicht das Münsteraner Potential von Axel Prahl und Jan Josef Liefers erreicht, von dem aber noch einiges erwartet werden kann: Wie wir heute wissen, haben es die beiden leider nur auf wenige Folgen gebracht. Den Auftakt zeigt das „Erste“ am Freitag, 29. Juni 2018, noch einmal um 22 Uhr.

Ebenfalls eine Wiederholung ist Zorn Gottes mit Wotan Wilke Möhring als Kommissar Falke, der am Flughafen Hannover eine Sicherheitslücke aufdecken muss und gegen islamistische Terroristen ermittelt. Zu sehen am Sonntag, 1. Juli 2018, um 20.15 Uhr im „Ersten“ und um 22 Uhr im ARD-Digitalkanal One.

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Text: Pitt Herrmann 28. Juni 2018, 11:25 Uhr