Nach der Kündigung sank der Stundenlohn

Wenn es in Kleinbetrieben unter zehn Beschäftigten zwischen Familienangehörigen, von denen einer der Chef ist, zu Spannungen kommt, die in eine Kündigung münden, spielen die Kündigungsgründe wegen der niedrigen Beschäftigtenzahl trotzdem keine große Rolle. So war es jetzt im Eickeler Maler Biesalski GmbH, wo der Sohn des ehemalige Chefs als Nachfolger im Juni 2020 einen seit zwölf Jahren beschäftigten Mitarbeiter fristgerecht zum Jahresende kündigte. Der Betroffene war als Pflegekind des Seniorchefs wohl bei dessen Sohn in Ungnade gefallen, „weil es mit dem Bruder nicht mehr so gut lief,“ wie Rechtsanwalt Mecking als Prozessvertreter des Betroffenen jetzt im Gütetermin vor Arbeitsrichter Kühl erläuterte. Sein Mandant hatte Kündigungsschutzklage erhoben und außerdem geltend gemacht, dass sein alter Stundenlohn von 17,15 Uhr nach der Kündigung um 2,57 Euro auf 14,58 Euro gesunken war, „weil ich selbst mal gesagt haben soll, dass ich nur ein Hifsarbeiter bin,“ so der Kläger vor Gericht.

Firmenanwalt Nobbe räumte auf Nachfrage des Richters nach telefonischer Rücksprache mit seinem Mandanten denn auch ein, „dass die letzte Abrechnung (von Juli bis September) nicht so gelaufen ist, wie sie eigentlich sein sollte.“ Das war ein klares Signal für die Vergleichsbereitschaft der Arbeitgeberseite, deren Anwalt damit einverstanden war, dass die Nachberechnung ab Juni auf der Basis von 17,15 Euro brutto Stundenlohn erfolgen werde und auch bis zum Jahresende der Lohn auf dieser Basis gezahlt werde. Doch plötzlich wäre beinahe noch die Zeugnisnote zum Stolperstein geworden. Der Kläger könne zwar selbst einen Zeugnisvorschlag dem Arbeitgeber unterbreiten, so Anwalt Nobbe, schränkte aber ein, ob sein Mandant mit der Note „Gut“ einverstanden wäre. Klägeranwalt Mecking kündigte für den Fall des Scheitern wegen der Note an, auf einem Kammertermin mit möglicher Berufung beim Landesarbeitsgericht zu bestehen. Ein weiterer Telefonanruf des Arbeitgeberanwalts auf dem Gerichtsflur klärte dann auch dieses Problem, das beinahe unnötige Gerichts- und Anwaltskosten nach sich gezogen hätte. (AZ 2 Ca 1769/20)

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