Mackie Messer als Kinoerlebnis

Joachim Krol als Peachum

Joachim Krol als Bettlerkönig Peachum.
Joachim Krol als Bettlerkönig Peachum. Foto: Wild Bunch Germany/Stephan Pick

„Im Grunde warte ich schon seit über zwanzig Jahren auf den großen Brecht-Film“ bekennt Joachim Krol, der in Joachim A. Langs Kinofilmdebüt Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm die Rolle des Bettlerkönigs Peachum verkörpert. „Warum es in der Vergangenheit nicht dazu gekommen ist, ist ein Rätsel – oder auch nicht. Ich finde“, so der Herner Schauspieler, „Joachim Langs Blick auf diesen besonderen Teil von Brechts Biographie großartig. Da musste ich gar nicht lange überlegen. Außerdem ist der Peachum wirklich eine schöne Rolle. Ein Pfund. Darüber hinaus waren es meine Partnerinnen Claudia Michelsen und Hannah Herzsprung. Überhaupt, ein traumhaftes Ensemble.“ Erstere spielt Peachums unglückliche, weil ungeliebte und auf ihr Kind eifersüchtige Gattin, Letztere die gefeierte Schauspielerin Carola Neher in der Rolle beider Tochter Polly. Das eher zurückhaltende, schüchterne junge Ding, das der erfolgreiche, aber nun etwas müde Geschäftsmann Peachum als eine letzte Stütze für sein Alter sieht, schmeißt sich ausgerechnet dem frauenverschlingenden Strolch Mackie Messer (Tobias Moretti) an den Hals.

Da gibt es eine Menge zu tun für Peachum, um aus dem Londoner Ganoven einen erfolgreichen Banker namens Macheath zu machen: „Was ist schlimmer? Eine Bank auszurauben oder eine zu gründen?“ Eine Frage, die auch 90 Jahre nach der Premiere von Bertolt Brechts und Kurt Weills weltweitem Mega-Bühnenhit Die Dreigroschenoper an Aktualität nichts verloren hat, wenn Mackie Messer am Donnerstag (13.9.2018) bundesweit in den Kinos startet. „Ich denke“, so Joachm Krol, „das wird ein großes Kinoerlebnis. Da ist wunderbare Arbeit geleistet worden, vom Setdesign übers Kostüm bis zur Choreographie und der Musik und so weiter und so weiter. Man wird mich singen hören!“ In unserer Region ist der mit 130 hochspannenden Minuten keine Sekunde zu lange Film unter anderem im Casablanca und im Metropolis Bochum zu erleben. Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral? Joachim A. Lang, der auch das Drehbuch geschrieben hat auf Grundlage des Brechtschen Dreigroschenfilm-Exposes Die Beule, erzählt den gescheiterten Versuch des Filmproduzenten Seymour Nebenzahl (Godehard Giese), den am 31. August 1928 im Berliner Theater am Schiffbauerdamm uraufgeführten Bühnenhit für die Leinwand zu adaptieren.

Brecht (jung, wild, ironisch, widersprüchlich: Lars Eidinger) und Weill (kunstsinnig-genialisch: Robert Stadtlober) wollen einen radikal-kompromisslosen, politisch-pointierten Dreigroschenfilm, der vor dem Hintergrund des aufziehenden Nationalsozialismus die Gesellschaftskritik konsequenter betont als das Stück. Der Haifisch soll wieder Zähne bekommen, während es den Filmemachern nur um den durch keine Zensoren gefährdeten Kassenerfolg geht. Lang lässt, und das ist nur eine Besonderheit dieses konsequent mit illusionistischen Sehgewohnheiten brechenden Films, den Dichter ausschließlich in seinen eigenen Worten sprechen. Alles, was der Ausnahmeschauspieler Lars Eidinger im Film sagt, beruht auf Zitaten aus Brechts Werk und Leben: „Wie soll Kunst die Menschen bewegen, wenn sie selber nicht von den Schicksalen der Menschen bewegt wird?“

Mackie Messer bezieht zudem die bis dahin beispiellose juristische Auseinandersetzung (Dreigroschenprozeß) zwischen einem (Drehbuch-) Autor und einem Filmproduzenten in die vielschichtige Handlung ein, die mit unserer Gegenwart des 21. Jahrhunderts verschmilzt: Polly kauft das Geldinstitut und ernennt den noch hinter Gittern schmorenden Macheath zum Direktor, aus den Gangstern werden Banker, die sich Geschäftsleute an der Spitze des Staates wünschen... Alle Schauspieler singen selbst in der nicht einfachen Tonlage Kurt Weills: Zum hervorragenden Cast gehören noch Britta Hammelstein als Weills Gattin Lotte Lenja und Jenny, Peri Baumeister als Brechts Muse und wichtigste Mitarbeiterin Elisabeth Hauptmann, Christian Redl als Tiger Brown, Meike Droste als Brecht-Gattin Helene Weigel und Max Raabe als Moritatensänger.

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