Liebestrank am MiR

Wundersame Belcore-Vermehrung

Gleich neun Belcores haben Nemorino auf dem Kieker.
Gleich neun Belcores haben Nemorino auf dem Kieker. Foto: Pedro Malinowski

Was guckst du? In Donizettis komischer Oper Der Liebestrank stehen am Gelsenkirchener Musiktheater im Revier (MiR) neben Michael Dahmen gleich acht weitere Sergeanten Belcore auf den Brettern, die jede Regung ihres Nebenbuhlers Nemorino argwöhnisch verfolgen. In einem Ballsaal, der schon bessere Zeiten gesehen hat, erntet der junge, in seiner aufrichtigen Offenheit arg einfältig daherkommende Landmann Nemorino (der türkische Tenor Ibrahim Yesilay) Hohn und Spott ob seiner bis zur Selbstverleugnung obsessiven Liebe zu Adina (Dongmin Lee), einer so reichen wie launischen Pächterin, deren Lebensfreude so recht nicht zu diesem tristen Ort (Bühne: Dirk Becker) passen will.

Angeregt durch die von ihm freilich missverstandene Geschichte von Tristan und Isolde lässt sich Nemorino durch keine abweisende Geste der spröden Angebeteten und durch keinen Spott der hochmütig-kalten Gesellschaft von seiner Liebe abbringen. Erst als Soldaten, denen Renee Listerdal warum auch immer weiße ABC-Schutzanzüge verpasst hat, im Ort ihre Zelte aufschlagen und Adina ganz offenbar der plump-machohaften Anmache des schneidigen Hauptmanns Belcore (Michael Dahmen) zu erliegen droht, sieht Nemorino seine Felle davon schwimmen. Weshalb er sich des Liebestranks des durchreisenden Quacksalbers Dulcamara (ganz in seinem Element: Erzkomödiant Joachim Gabriel Maaß) versichert: Die Flasche enthält zwar nur gewöhnlichen Bordeaux-Wein, ihr Inhalt aber zeigt durchschlagende Wirkung: Nemorino mutiert über Nacht zum begehrenswertesten Junggesellen des Ortes…

Nachdem Detlef Heusinger zuletzt Ende Mai 2002 am Kennedyplatz Gaetano Donizettis 1832 uraufgeführte Buffo-Oper L’elisir d’amore in die schrille Pop-Art-Welt der 1970er Jahre verlegte, offenbarte Michael Schulz zehn Jahre später in seiner ersten Dresdener Inszenierung, die bis heute den Spielplan der Semperoper bereichert, wieviel Melodram in der ursprünglich von Eugene Scribe stammenden Vorlage steckt.

Sein zweieinhalbstündiger Liebestrank, der am 5. Mai 2018 umjubelte Gelsenkirchener Premiere feierte, ist ein Belcanto-Fest der Liebe, zu dem auch die junge Lina Hoffmann als Wäschemädchen Giannetta beiträgt, angereichert mit zahllosen effektvollen Überraschungen, die hier natürlich nicht verraten werden.

Wer sich von Donizettis bekanntester komischen Oper unter der musikalischen Leitung von Thomas Rimes in der Klasse-Besetzung des MiR, zu der gleich acht Belcores, ein wie stets alle Herausforderungen grandios meisternder Chor sowie vier Tanzpaare gehören, verzaubern lassen möchte, hat dazu noch am Samstag und Sonntag ,23. und 24. Juni 2018, sowie am Samstag, 7. Juli 2018, im Großen Haus Gelegenheit. Karten und mehrInfo

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