Lento furioso²

Peter Nagel und Christoph Platz

Christoph Platz: Gelöscht.
Christoph Platz: Gelöscht. Foto: Pitt Herrmann

Lento furioso, langsame Raserei, hoch Zwei nennen der Düsseldorfer Peter Nagel und der Wanne-Eickeler Christoph Platz ihre skulpturale Wunderkammer, die vom 16. November 2019 bis zum 12. Januar 2020 in den Herner Flottmann-Hallen gezeigt wird. Die Werkschau, ein Rückverweis auf den Furor des Kindwerdens im Künstler, des spielerisch übenden Spähers im Selbstbedienungsladen der Paradoxien, umfasst siebzig Arbeiten und wird am Samstag, 16. November 2019, um 17 Uhr eröffnet. Zur Vernissage spricht Christoph Platz einführende Worte.

Stürmische Langsamkeit, langsame Raserei? Die Bildhauer Peter Nagel und Christoph Platz verorten ihre Tätigkeit in diesem Widerspruch, und Widersprüchlichkeiten begegnet man sowohl in ihren Werken als auch in einem übergeordneten Sinn in ihrer Idee von Skulptur. Wird bei Peter Nagel oft das Hässliche schön, edel, manchmal anheimelnd naiv dargestellt, kleidet Christoph Platz das Traurige, Erschütternde in ein schönes, zuweilen fröhliches Gewand.

Peter Nagel: Rginozeros.
Peter Nagel: Rginozeros. Foto: Raum für Kunst

Als Künstler, die ihr Werk in vor allem in der Autonomie ihrer Ateliers bilden, feiern sie unentwegt die Größe der Bildhauerei in ihren überlieferten Formen, die sie meisterhaft beherrschen - Nagel in erster Linie als Plastiker, Platz als Holz-Bildhauer - und positionieren sich so im Widerspruch zum Mainstream der Kuratoren-, Event und Auktionskunst - stets mit einem ironischen Blick auf ihre Zeit. Beide miteinander befreundeten, künstlerisch aber völlig eigenständigen Bildhauer und Performer haben schon zahlreiche gemeinsame Ausstellungen hinter sich, die sie bis nach Japan geführt haben. Mit siebzig Arbeiten aber ist die viele dialogische Situationen ermöglichende Herner Schau bisher die größte – „in einem der schönsten Ausstellungsräume Nordrhein-Westfalens für zeitgenössische Kunst“, wie Christoph Platz halloherne bekundete.

Ein Lob, dass er speziell auf die vorbildliche Tageslicht-Einwirkung bezieht, nicht auf die künstliche Beleuchtung, welche aus seiner Sicht verbesserungsbedürftig ist. Christoph Platz, 1964 in Wanne Eickel geboren, studierte Bildhauerei bei Otto Herbert Hajek an der Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe und bei Paul Isenrath an der Kunstakademie Münster, dessen Meisterschüler er war. Christoph Platz lebt in Wanne-Eickel und arbeitet in Bochum. Zuletzt war er vor 16 Jahren an der Seite des gebürtigen Wanne-Eickelers Wilhelm Kreimeyer mit einer großen Ausstellung in den Flottmannhallen präsent: „Toys ‚R‘ Us versus Piscine“. Unser Foto zeigt Platz neben zwei Holzskulpturen, Porträt und Standbild seiner beiden Söhne.

Peter Nagel und „Begegnung mit der anderen Art“.
Peter Nagel und „Begegnung mit der anderen Art“. Foto: Pitt Herrmann

Peter Nagel, 1963 in Soest zur Welt gekommen, studierte an der Kunstakademie Düsseldorf bei Tony Cragg und Peter Kleemann. Der Meisterschüler von Alfonso Hüppi lebt und arbeitet in Düsseldorf. Zuletzt war er vor 17 Jahren mit einer großen, spektakulären Einzelausstellung in den Flottmannhallen vertreten, an die sich sicherlich noch zahlreiche Kunstinteressierte erinnern werden: „Fifty Ways To Meet Your Lover“ lautete der Titel einer politischen Installation zum Nord-Süd-Konflikt zwischen der Ersten und der Dritten Welt. Ein Zaun teilte die Halle damals in der Diagonale. Unser Foto zeigt Nagel neben seiner Arbeit „Begegnung mit der anderen Art“ aus zwei Stahlstelen und je einem Rhinozeros aus Stahl und Bronze.

Christoph Platz‘ Skulpturen zeigen seine Söhne.
Christoph Platz‘ Skulpturen zeigen seine Söhne. Foto: Pitt Herrmann

In der skulpturalen Wunderkammer von Peter Nagel und Christoph Platz tönt das Hintergrundgeräusch von Friedrich Nietzsches Umwertung der Werte. Der Künstler als sein eigener Tierversuch in stetig wechselnden Anordnungen: ironisch, listig, rotzig, traurig, triebhaft das Experiment namens Leben des denkenden Tieres in seinen Irrnissen und Wirrungen bloßzulegen. Gekettet an seinen Illusionen wähnt sich der Mensch der Kreatur überlegen, verkleidet und täuscht sich, maskiert seine Affekte, damit das pädagogisch gezähmte Tier in der Wunderkammer seiner Seele verborgen bleibt.

November
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Samstag
Samstag, 16. November 2019, um 17 Uhr Flottmann Hallen Herne , Straße des Bohrhammers 5 , 44625 Herne Die Flottmannhallen sind mo-fr von 9-16 Uhr, sa und so von 14-18 Uhr geöffnet. Führungen mit anschließendem Kunstgespräch bei Kaffee und Keksen finden am Mittwoch, 27. November, und am Donnerstag, 12. Dezember 2019 jeweils um 10:30 Uhr. Finissage: Sonntag, 12. Januar 2020, um 11:30 Uhr.

Weitere Termine:

  • Mittwoch, 27. November 2019, um 10:30 Uhr
  • Donnerstag, 12. Dezember 2019, um 10:30 Uhr
  • Sonntag, 12. Januar 2020, um 11:30 Uhr
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