Krzysztof Gruse in Strünkede

Sitzen und Schauen

Krzysztof Gruse neben seinem Selbstportrait.
Krzysztof Gruse neben seinem Selbstportrait. Foto: Thomas Schmidt, Stadt Herne

Der Titel der Ausstellung, die am Freitag, 16. November 2018, um 19 Uhr bei freiem Eintritt in der Städtischen Galerie im Schlosspark Strünkede eröffnet wird, ist nur zur Hälfte wörtlich zu nehmen: „Sitzen und Schauen“. Denn Sitzgelegenheiten gibt es in der zum Emschertalmuseum Herne gehörenden einstigen Industriellenvilla nur zu Pressekonferenzen. Dennoch versteht der 1957 im polnischen Bydgoszcz geborene Maler und Poet Krzysztof Gruse den Ausstellungstitel programmatisch: So wie er sich viel Zeit genommen hat für seine Bilder, so soll sich auch der Betrachter von der schnelllebigen Internet- und atemlosen Social-Media-Welt lösen und sich auf Betrachtung seiner Werke konzentrieren, die absichtlich keine Titel tragen.

Gruse hat die zwischen 1994 und 2015 existierende Bydgoszczer Schule mitbegründet und unterhält nach wie vor beste Kontakte zu Bildenden Künstlern, Musikern und Performern in seiner Heimat, obwohl sein Atelier seit der Jahrtausendwende in Bochum steht. Wo er das Freie Kunst Territorium zwischen 2009 und 2015 mitinitiierte. Der bekennende Anhänger des deutschen Philosophen Martin Heidegger ist Mitglied des Bochumer Künstlerbundes und nennt sich selbst „ein geborener Flaneur“: „Das Aufspüren des Absurden“, schrieb er bereits 1999, „dem, was allgemein ist – das ist das, was mich beschäftigt, diese Beschäftigung hebt mich in die Luft, nimmt mir die irdische allgemeine Gravitation, erfüllt meine Notwendigkeit des Fliegens.“

Knapp sechzig Arbeiten aus den letzten sechs Jahren sind jetzt in Strünkede zu sehen, wobei Gruse jeden der acht Räume getrennt voneinander selbst mit seinen 'mal abstrakten, 'mal gegenständlich-figurativen Gemälden und Collagen bestückt hat. Die räumlichen Möglichkeiten der Städt. Galerie hält er für einen Glücksfall, besonders das Wechselspiel von Licht und Schatten bei sonnigem Wetter.

Es gibt durchaus thematische Räume, etwa Landschaften und Naturstudien, Stillleben oder Porträts. Auf Letzteren sind jedoch zumeist keine individuellen Gesichtszüge zu erkennen: die Bildkomposition steht bei Krzysztof Gruse stets im Mittelpunkt. Zudem setzt die in Einzelfällen durchaus unkonventionelle Hängung auf überraschende, die Aufmerksamkeit des Betrachters erheischende Kontraste.

Seine zeitlosen Arbeiten offenbaren das Momenthafte seiner Wahrnehmung ebenso wie die bei ihm stets unterschwellig mitschwingende Zerbrechlichkeit des Augenblicks. Zudem grundiert Gruse die für ihn leider alternativlose ständige Veränderung der Welt und ihrer Werte mit einer Portion bisweilen gar nostalgischer, hier an Stefan Zweig erinnernder Melancholie.

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