Sondervorstellung mit Erica von Moeller
Kirche und Kino zeigt 'Sternstunde ihres Lebens'
Zwei ungleiche Frauen, ein gemeinsamer Weg, ein grandioser Erfolg. Bonn 1948: Die SPD-Abgeordnete und Juristin Elisabeth Selbert (Iris Berben) kämpft im Parlamentarischen Rat unermüdlich für die Aufnahme des Satzes „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ in das Grundgesetz der zukünftigen Bundesrepublik Deutschland. Trotz der vielen Widerstände, die sie während der Sitzungen des von Männern beherrschten Gremiums immer wieder erlebt, hält sie hartnäckig an ihrem Vorhaben fest.
Große Skepsis selbst unter Frauen
Nicht nur die meisten ihrer wenigen Kolleginnen, selbst ihre Sekretärin Irma (Anna Maria Mühe) steht Elisabeth Selberts Vorhaben zunächst skeptisch gegenüber. Sie versteht nicht, wie wichtig die Ziele sind, die Selbert versucht durchzusetzen. Erst eine gescheiterte Affäre mit einem Abgeordneten und die Schicksale anderer Frauen öffnen der jungen Sekretärin die Augen. Langsam nähern sich die ungleichen Frauen an.
Erst als sie gemeinsam eine landesweite Kampagne für den Gleichberechtigungssatz erfolgreich realisieren, ziehen sie an einem Strang und mit ihnen tausende Frauen, die ihren harten Kampf um Gleichberechtigung unterstützen. Selbert erlebt einen grandiosen Triumph, als ihr Antrag im neuen Grundgesetz unter Artikel 3, Absatz 2 aufgenommen wird. Damit legt sie den Grundstein für eine nunmehr 65-jährige politische und gesellschaftliche Auseinandersetzung zum Thema Gleichberechtigung.
TV-Film schaffte es ins Kino
Der 90-minütige Spielfilm „Sternstunde ihres Lebens“ von Ulla Ziemann (Buch) und Erica von Moeller (Regie), gedreht vom 15. Oktober bis 15. November 2013 in Köln und Bonn, ist am 21. Mai 2014 in der ARD uraufgeführt und beim 25. Filmfest Emden im Oktober 2014 mit dem DGB-Filmpreis (Publikumspreis) als bester Film ausgezeichnet worden. Die TV-Produktion für den Westdeutschen Rundfunk startete am 8. März 2015 in den Kinos.
77. Geburtstag des Grundgesetzes
In einer Zeit, in der demokratische Grundwerte zunehmend unter Druck geraten, setzt der ökumenische Arbeitskreis „Kirche und Kino“ ein bewusstes Zeichen: Mit einer Sondervorstellung des Films „Sternstunde ihres Lebens“ beteiligt er sich am bundesweiten „Ehrentag“ zum 77. Geburtstag des Grundgesetzes (23. Mai). Die Filmvorführung startet am Dienstag, 19. Mai, um 19.45 Uhr im Cineworld Recklinghausen. Sie ist Teil der Initiative „Ehrentag“, die bundesweit dazu aufruft, Demokratie, gesellschaftlichen Zusammenhalt und aktives Mitgestalten rund um den Jahrestag der Verfassung sichtbar zu feiern.
Demokratie muss erkämpft werden
Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit, sondern das Ergebnis von Auseinandersetzung, Beharrlichkeit und Beteiligung. Gerade deshalb sei der Film heute aktueller denn je, betont der Arbeitskreis. „Sternstunde ihres Lebens“ zeige, dass Rechte nicht gegeben, sondern erkämpft werden und dass sie nur Bestand haben, wenn Menschen sich einmischen und Verantwortung übernehmen.
Filmgespräch mit der Regisseurin
Ein besonderer Akzent des Abends ist das anschließende Filmgespräch mit Regisseurin Erica von Moeller. In ihren Arbeiten beschäftigt sie sich seit Jahren mit Fragen von Gerechtigkeit, Chancengleichheit und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Im Gespräch soll es unter anderem darum gehen, was sich aus der Geschichte Elisabeth Selberts für die Gegenwart lernen lässt und warum demokratisches Engagement heute wichtiger ist denn je.
Karten sind während der Öffnungszeiten an den Kassen des Cineworld sowie online unter www.cineworld-recklinghausen.de erhältlich. Weitere Informationen gibt es im Internet unter kirchliches-filmfestival.de auf der Homepage des Veranstalters.