Leserbrief von Alfred Apel zur Meldung 'VRR vereinfacht Tarifgebiete'
Keine Vereinfachung, dafür teurer
halloherne-Leser und ÖPNV-Experte Alfred Apel schickte der Redaktion am Mittwoch (13.5.2026) einen Leserbrief zur Pressemeldung des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR), welcher in der Rubrik „Rund um Herne“ veröffentlicht wurde (halloherne berichtete).
Apel schreibt: „Der Artikel ist sehr unvollständig und damit aus meiner Sicht irreführend. Es wirkt in dem Artikel so, als wenn Fahrgäste davon nur Vorteile hätten. Dass aber für viele Ticketkaufende schon in wenigen Wochen ab dem 1.6.26 Preissteigerungen um mehr als 100 Prozent anstehen werden, fällt in dem Artikel vollkommen unter den Tisch.“
Von 3,80 auf 7,80 Euro
So habe schon ein Artikel aus Bochum das Thema aufgegriffen. „Genauso das ist auch hier für Herne zutreffend. Egal, ob aus der Wabe 270 Herne-Mitte/-Sodingen oder aus der Wabe 272 Herne-Eickel/-Wanne, wird jede Fahrt in die Bochumer Innenstadt oder auch weiter zur Ruhr-Uni-Bochum - Wabe 360 - vom jetzigen Einzelpreis von 3,80 Euro auf 7,80 Euro pro Fahrt/Person/Richtung steigen. Damit würde z.B. ein Abstecher von Eickel oder aus Herne Mitte in die Bochumer Innenstadt für zwei Personen hin und zurück die 30-Euro-Marke übersteigen“, sagt er.
Außerdem: „Das Ganze reiht sich für mich weiter in die seit einigen Jahren vom VRR eingeschlagene Richtung ein, ÖPNV-Gelegenheitsfahrern den Spaß am Bus- und Bahnfahren zu vermiesen. So wurde vor einiger Zeit die Kurzstrecke für 1,70 Euro gestrichen, sodass dafür der Preis auf 3,60 Euro gestiegen war; weiterhin wurden viele Fahrscheine nicht mehr beim Fahrer angeboten. So muss man jetzt beispielsweise viermal ein Einzelticket beim Fahrer kaufen statt früher einmal ein Viererticket - dass ein nun vier- statt einmaliger Verkaufsprozess zur Beschleunigung beim Busfahren beitragen soll, leuchtet mir nach wie vor nicht ein, warum das vom VRR so begründet worden war, das 4er-Ticket aus dem Barverkauf im Bus herauszunehmen.“
'VRR will das Mitfahren vermiesen'
Sein Fazit lautet: „Der VRR scheint mit diesen Maßnahmen einer sinnvollen Mobilitätswende pro ÖPNV kritisch bis abweisend gegenüber zu stehen, da er gerade den Gelegenheitsfahrenden - also den potentiellen Neukunden - immer mehr das Mitfahren zu vermiesen versucht. Aber vielleicht tröstet das ja auch die eine oder den anderen darüber hinweg, dass die Spritpreise derzeit sehr hoch sind - aber von Preissteigerungen von mehr als 100 Prozent sind diese Spritpreiserhöhungen noch meilenweit entfernt. So gesehen spricht dann einiges dafür, beim Autofahren zu bleiben oder dazu verstärkt zurückzukehren? Eine fatale Entwicklung.“