Jobs in der Pflege

v.l. Frank Dudda, Andreas Westerfellhaus.
v.l. Frank Dudda, Andreas Westerfellhaus. Foto: Thomas Schmidt, Stadt Herne

400 neue Arbeitsplätze sollen in Herne entstehen, alle in der Pflege. Diese gute Nachricht verkündeten Dr. Regine Schmalhorst, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Bochum und Herne, und Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda am Donnerstag (29.11.2018). Mindestens acht neue Pflege-Einrichtungen sollen in den kommenden Jahren eröffnen – aber noch fehlt das Personal. Deswegen hatten Stadt und Arbeitsagentur zu einer Fachtagung zur Zukunft der Gesundheits- und Pflegebranche ins Kongresszentrum des St. Anna Hospitals eingeladen. Gast war unter anderem der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Staatssekretär Andreas Westerfellhaus.

„Wie alt sind Sie?“ „Und wer wird uns eines Tages pflegen?“ Mit diesen Fragen eröffneten Dr. Schmalhorst und Dr. Dudda die Tagung. „Es geht darum, Lebensqualität sicherzustellen. Menschen sollen bis ins hohe Alter gut leben können“, erläuterte Dr. Dudda die Bedeutung des Themas. Außerdem gehört die Gesundheitsbranche neben der Logistik zu den wichtigsten Branchen in Herne. Dort entstehen besonders viele neue Arbeitsplätze, Unternehmen siedeln sich an. Allerdings, machte Dr. Schmalhorst klar, gäbe es in Herne nicht genügend Arbeitskräfte, die in der Pflege arbeiten könnten. Deswegen müssten Berufe wie Altenpfleger, Krankenpfleger oder Pflege-Helfer attraktiver werden. Wie das gehen kann und welche Rolle die Digitalisierung in der Gesundheitsbranche spielt, waren die wichtigsten Themen des Tages.

Impulsvortrag von Christoph Bräutigam.
Impulsvortrag von Christoph Bräutigam. Foto: Thomas Schmidt, Stadt Herne

In zwei Impulsvorträgen gaben Christoph Bräutigam und Dr. Sebastian Merkel vom Institut für Arbeit und Technik der Westfällischen Hochschule Gelsenkirchen einen Überblick. Anschließend diskutierten Staatssekretär Andreas Westerfellhaus, Dr. Schmalhorst und Dr. Dudda gemeinsam mit dem Leiter des Jobcenters Karl Weiß über Möglichkeiten, wie die Arbeit in der Pflegebranche attraktiver werden kann. Die Gäste, Experten aus der Gesundheitsbranche, vom Arbeitsmarkt und aus der Wirtschaft, erarbeiteten dann in zwei Workshops Zukunftsperspektiven.

Dr. Sebastian Merkel.
Dr. Sebastian Merkel. Foto: Thomas Schmidt, Stadt Herne

Wichtig für Wirtschaft und Gesellschaft

„Pflege kostet Geld. Aber selten wird betrachtet, dass Pflege ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist, der Arbeitslosigkeit verringert und Geld erwirtschaftet“, rief Bräutigam ins Gedächtnis. Deswegen müsse man die Entwicklung als Chance begreifen. Gleichzeitig wies er darauf hin, wie wichtig gut ausgebildetes Personal in diesem Bereich ist. „Wenn ich alt bin, möchte ich, dass nicht nur jemand da ist, sondern dass derjenige auch weiß, was er tut. Sonst bekomme ich Angst“, bekannte Bräutigam. Dabei sei die Pflege eigentlich ein interessanter Job: Die Arbeit sei sinnvoll und jeder Pfleger wisse genau, für welche Menschen er das mache. Außerdem sei die Pflege dauerhaft nötig und deswegen ein sicherer Job. Auch davor, durch Roboter ersetzt zu werden, müsse sich keine Pflegekraft fürchten, ergänzte Dr. Merkel. Das Problem in der Pflege seien aber oft die Arbeitsbedingungen. „Wir brauchen mehr Kollegen“, das sei es, was die meisten Pflegekräfte fordern, so Westerfellhaus. „Gerade deswegen muss mehr Pflegepersonal gewonnen werden, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Viele Pflegende leiden unter hoher Belastung und wechseln deswegen den Job, reduzieren Stunden oder werden krank“ , so der Staatssekretär, der selbst ausgebildeter Pfleger ist.

Den Job attraktiver machen

Jobs in der Pflege.
Jobs in der Pflege. Foto: Thomas Schmidt, Stadt Herne

Als Ideen präsentierten die Teilnehmer unter anderem, dass Pflege-Einrichtungen verpflichtet werden müssten, mehr Personal einzustellen. Auch die Ausbildung in der Pflege solle verbessert werden, mitunter sogar ein Studium der Pflege üblich sein. Für Jugendliche sollte eine Ausbildung in der Pflege spannend sein und Menschen, die den Beruf gewechselt haben, sollten wieder zurück in die Pflege gelockt werden. Aber auch die Arbeitgeber sollten mehr dafür tun, ihr Personal zu halten, zum Beispiel mit anderen Arbeitszeitmodellen. Notfalls, so Westerfellhaus, müssten sie sich mit Konkurrenten zusammentun und gemeinsam Pflegekräfte werben und ausbilden.Aber nicht nur für Unternehmen seien genügend Pfleger wichtig. Auch für den Zusammenhalt einer Stadt und Lebensqualität bis ins hohe Alter seien gute Pflegekräfte unersetzlich, so Dr. Dudda. Deswegen fördern die Agentur für Arbeit und das Jobcenter Arbeitslose, die einen dieser Berufe erlernen möchten. „Jeder, der die Umschulung absolviert, bekommt einen Job“, so die Erfahrung der Arbeitsmarkt-Experten. Zwar gäbe es genügend Arbeitslose in Herne, aber bisher haben sich nur die wenigsten für eine Umschulung zur Pflegekraft entschieden. Vielleicht ändert sich das mit den neuen Ideen, wie Pflege zum Traumjob werden kann.

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