ZOOM Erlebniswelt ist dabei
Internationales Auswilderungs- und Zuchtprogramm
Gelsenkirchen. Die ZOOM Erlebniswelt engagiert sich seit Jahren im Bereich Artenschutz, sowohl vor Ort als auch international. Im Rahmen eines grenzüberschreitenden Programms zur Erhaltung bedrohter Tierarten unterstützt der Gelsenkirchener Zoo nun ein Projekt zur Auswilderung und zur genetischen Stärkung freilebender Populationen des Vietnamfasans. Ziel ist der Aufbau einer stabilen, vor Ort etablierten Zuchtpopulation in menschlicher Obhut als Grundlage für spätere Auswilderungen.
Anfang des Jahres 2026 verließ eine Nachzucht aus Gelsenkirchen die ZOOM Erlebniswelt und wurde an den Tierpark Berlin übergeben. Dieser koordiniert das Auswilderungsprojekt und hat das Tier gemeinsam mit weiteren Tieren nun in ein Zuchtprogramm nach Vietnam vermittelt. Dort wird es gezielt in Zuchtmaßnahmen eingebunden, um die genetische Vielfalt der Population vor Ort zu stärken und die Grundlage für zukünftige Auswilderungen zu schaffen. Parallel wird auch in der ZOOM Erlebniswelt Gelsenkirchen mit Tieren des Vietnamfasans weiter gezüchtet. So konnte bislang jedes Jahr ein Zuchterfolg nachgewiesen werden. Dieser Nachwuchs kann perspektivisch in weitere Auswilderungsprojekte vermittelt werden.
Die Auswahl der für die Auswilderung vorgesehenen Tiere erfolgt nach klaren Kriterien: genetische Diversität, geringe Verwandtschaft, guter Gesundheitszustand, geeignetes Alter und natürliches Verhalten. Vor dem Transfer durchlaufen die Tiere umfassende veterinärmedizinische Untersuchungen, diagnostische Tests und eine Quarantänephase. Der Transport erfolgt nach internationalen Standards in speziell gestalteten Transportboxen und wird von erfahrenem Personal begleitet. Nach Ankunft in Vietnam folgen weitere Kontrollen und eine erneute Quarantäne zur Sicherstellung der Gesundheit und Akklimatisierung.
Die heutige weltweite Haltungspopulation des Vietnamfasans geht auf wenige Gründerindividuen zurück, die bereits im frühen 20. Jahrhundert nach Europa gebracht wurden. In Europa wird die Art im Rahmen koordinierter Programme wie dem EAZA Ex situ Programm (EEP) verwaltet. Ziel dieser Programme ist es, genetische Vielfalt zu erhalten, Inzucht zu minimieren und geeignete Individuen für die Auswilderungszucht zu identifizieren. Die Koordination erfolgt in enger Abstimmung mit internationalen Partnern und wissenschaftlichen Institutionen.
Zum Hintergrund
Der Vietnamfasan (Lophura edwardsi) zählt zu den seltensten Vogelarten weltweit und steht stellvertretend für die dramatischen Folgen menschlicher Eingriffe in natürliche Ökosysteme. Die Art ist auf der IUCN‑Roten Liste als „Vom Aussterben bedroht“ eingestuft und gilt in der Wildnis möglicherweise bereits als ausgestorben. Der dramatische Rückgang des Vietnamfasans ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen: großflächiger Habitatverlust durch Abholzung für Landwirtschaft und Plantagen, historische Zerstörung von Wäldern durch Entlaubungsmittel, anhaltende Wilderei und illegaler Handel sowie die zusätzlichen Belastungen durch den Klimawandel. Diese Einflüsse führten zu einer starken Zerstörung der Lebensräume und zum Verschwinden der Art aus vielen Teilen ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets. Vor diesem Hintergrund ist die internationale Zusammenarbeit zwischen europäischen Zoos und vietnamesischen Partnern von zentraler Bedeutung.