'Il trovatore' an der Rheinoper
Giuseppe Verdis Belcanto-Feuerwerk
Es waren einmal zwei Kinder, Garzia (Lotta Köllen) und sein älterer Bruder Luna (Livia Matys). Als sie erwachsen sind, heißt ersterer Manrico (Irakli Kakhidze) und ist Offizier in der Armee des Fürsten Jaime von Urgel und letzterer Graf von Luna (Bogdan Baciu), ein junger aragonesischer Edelmann im Dienst des Königs Fernando von Kastilien. Beide können einander nicht als Geschwister erkennen, denn Garzia ist einst von Azucena (Ramona Zaharia) geraubt worden aus Rache am Tod ihrer Mutter, die als angebliche Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde.
Politische Gegner und Rivalen
Garzia/Manrico und Luna sind nicht nur politische Gegner im nordspanischen Aragón des beginnenden 15. Jahrhunderts, in dem Giuseppe Verdis 1853 in Rom uraufgeführtes „Dramma lirico“ nach dem Schauspiel „El Trovador“ von Antonio García Gutiérrez spielt. Sondern auch Rivalen um die Hofdame Leonora (Luiza Fatyol), deren Herz der auf Seiten der Rebellen kämpfende Manrico als „Troubadour“ freilich längst erobert hat. Wie Graf von Lunas Hauptmann Ferrando (Bogdan Taloş) herausgefunden hat, der nun zum zusätzlichen Gegenspieler des Titelhelden mutiert.
In seiner zweieinhalbstündigen „Il trovatore“-Neuinszenierung an der Düsseldorfer Rheinoper versucht Jens-Daniel Herzog so weit wie möglich, Verdis komplizierte historische (Vor-) Geschichte der amourösen und politischen Verstrickungen („amore e morte“) auszublenden und die enorme Vielfalt an Situationen und Schauplätzen („varieta“) zu reduzieren.
Dafür hat ihm sein Ausstatter Johannes Schütz eine ziemlich zugestellte Wohnung auf die stets rotierende Drehbühne gestellt, deren verschiedene Zimmer nur durch leere Rahmen angedeutet werden. Hier haust, warum auch immer, die prekäre Unterschicht – unter steter, stummer Beobachtung der beiden Kinder und einem Doppelporträt, das motivisch auf Philipp Otto Runge weist, stilistisch aber zwischen der Neuen Sachlichkeit der 1920er Jahre (Georg Schrimpf) und der NS-Heimatkunst angesiedelt ist.
Fanatismus und Liebe
„Die Oper erzählt vom Fanatismus auf beiden Seiten, aber gleichzeitig sind die Menschen immer noch Menschen mit ihrem Leben, ihrer Leidenschaft, ihren Bedürfnissen und Liebesgeschichten“, sagt Regisseur Herzog, im Westen kein Unbekannter als höchst erfolgreicher Intendant der Oper Dortmund von 2011 bis 2018, der anschließend die Nachfolge des einstigen Gelsenkirchener Intendanten Peter Theiler am Staatstheater Nürnberg angetreten hat. Herzog mags gerne drastisch: laufend werden Getränkedosen aufgerissen, wird mit Pistolen herumgefuchtelt und nach der Pause im Hintergrund permanent gefoltert.
Ferrando erzählt im ersten Teil – im kongenialen Dialog mit dem einmal mehr glänzenden Chor der Rheinoper – die Vorgeschichte. Später werden erklärende Texte zur Handlung auf die Rückwand der Bühne projiziert, eine sehr hilfreiche Idee, die im Kontext weiterer V-Effekte wie der eigenwillig farblichen Kombination zeitlos-heutiger Kostüme nicht weiter auffällt. Im zweiten, hier mit „Die Gitana“ überschriebenen Teil, wird die Verbrennung von Azucenas Mutter auf dem Scheiterhaufen szenisch angedeutet. Auch dies eine sinnstiftende Zutat zu einer Neueinstudierung, die sich ganz auf die Tragödie extremer Leiden und Leidenschaften der Protagonisten konzentriert.
Fast komplette Hausbesetzung
Zumal das Publikum unter der musikalischen Leitung des 1976 in Messina geborenen und heute in Lugano lebenden Rossini- und Verdi-Spezialisten Antonino Fogliani ein wahres Belcanto-Feuerwerk bejubeln kann, und das minutenlang stehend nicht nur am Premierenabend des 27. Juni 2026, sondern auch in der von mir besuchten Folgevorstellung.
Und das mit einer fast kompletten Hausbesetzung, herausragend drei ursprünglich aus Rumänien stammende und dort auch ausgebildete Protagonisten: der Bariton Bogdan Baciu als Graf von Luna, die Mezzosopranistin Ramona Zaharia als Azucena sowie die Sopranistin Luiza Fatyol als Leonora. Das unglaublich stimmstarke und bühnenpräsente Trio wird ergänzt durch einen nicht minder großartigen Gast vom Nationaltheater Mannheim, den georgischen Tenor Irakli Kakhidze in der Titelpartie.
Haniel Open Air in Duisburg
Noch zu nennen die Rheinopern-Ensemblemitglieder Bogdan Taloş als Ferrando, Mara Guseynova als Leonoras Gesellschafterin Ines sowie Henry Ross als Soldat Ruiz im Gefolge Manricos. Schon ‘mal ein Terminhinweis: Luiza Fatyol gehört zu den Solisten beim 7. Haniel Open Air am 11. September 2026 auf dem Vorplatz des Duisburger Theaters. Unter dem Motto „umsonst & draußen“ stellt sich der neue Generalmusikdirektor der Duisburger Philharmoniker, der Schweizer Stefan Blunier, vor – und Götz Alsmann führt durchs Programm.
Karten unter operamrhein.de oder Tel. 0211 – 8925211. Die weiteren Vorstellungen im Opernhaus Düsseldorf:
- Sonntag, 12. Juli 2026, 18.30 Uhr
- Mittwoch, 15. Juli 2026, 19.30 Uhr
- Sonntag, 19. Juli 2026, 15 Uhr
- Samstag, 3. April 2027, 19 Uhr (Wiederaufnahme)
- Sonntag, 11. April 2027, 18.30 Uhr
- Mittwoch, 5. Mai 2027, 19.30 Uhr
- Samstag, 8. Mai 2027, 18.30 Uhr
- Donnerstag, 13. Mai 2027, 19.30 Uhr
- Sonntag, 23. Mai 2027, 18.30 Uhr
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- Mittwoch, 15. Juli 2026, um 19:30 Uhr
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- Sonntag, 11. April 2027, um 18:30 Uhr
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- Donnerstag, 13. Mai 2027, um 19:30 Uhr
- Sonntag, 23. Mai 2027, um 18:30 Uhr