Herner Frauenwoche im VHS-Filmforum
Eva Victors Debüt 'Sorry, Baby'
Mit zwei bemerkenswerten Filmen, Eva Victors „Sorry, Baby“ und Joachim Triers „Sentimental Value“, beteiligt sich das Filmforum der Volkshochschule an der Herner Frauenwoche. Beide werden Anfang März 2026 wie gewohnt sonntags, montags und mittwochs in der Filmwelt Herne gezeigt.
Traumatisches Erlebnis
Als Agnes (Eva Victor), heute eine junge Literaturprofessorin in Neuengland, noch an einer Universität in Massachusetts studierte, ist sie von ihrer besten Freundin Lydie (Naomi Ackie) dazu ermuntert worden, ihren Gefühlen zu folgen und eine Affäre mit ihrem allseits beliebten Doktorvater Professor Preston Decker (Louis Cancelmi) zu beginnen. Doch nach dem traumatischen Erlebnis eines sexuellen Übergriffs seinerseits wird Agnes aus der Bahn geworfen, zumal sie von gefühllosen Ärzten und desinteressierten, jeglichen Skandal vermeiden wollenden College-Bürokraten keine Hilfe erhält.
Während ihr Umfeld also zur Tagesordnung übergeht, kämpft sie mit dem Gefühl, festzustecken. In fünf Kapiteln und über mehrere Jahre hinweg begleitet der Eva Victors Film „Sorry, Baby“ ihren Weg zurück zu sich selbst – getragen von scharfem Humor und der bedingungslosen Unterstützung ihrer besten Freundin Lydie, die sich natürlich selbst Vorwürfe macht. Aber sie ist da, als alles zusammenbricht, zieht allerdings später mit ihrem nicht-binären Lebenspartner Fran (Emmett Rogers Fightmaster) nach New York. Es braucht Zeit, bis Agnes sich wieder für einen Mann interessiert – ihren freundlichen, leicht zerstreuten Nachbarn Gavin (Lucas Hedges)…
Feines Gespür für Zwischentöne
In ruhigen Bildern und mit feinem Gespür für Zwischentöne erzählt „Sorry, Baby“ von der Suche nach Orientierung, wenn das eigene Leben aus den Fugen gerät und von der unermesslichen Kraft von Freundschaft. Dabei verweigert Eva Victor sich der klassischen Opfererzählung: Lydie versteht, dass Agnes sich zurückziehen muss, um zu überleben, aber sie selbst lebt weiter.
Die zentrale Szene des tröstlichen Films, der lange nachwirkt, bleibt ausgespart: Der Moment des Übergriffs wird nicht gezeigt. Stattdessen entfernt sich die Kamera. Agnes erzählt ihn später – ein Akt großer Tapferkeit nach einer unerwarteten Szene der Heilung: Sie trifft nach einem Panikanfall auf den verständnisvollen Ladenbesitzer Pete (John Carroll Lynch).
Mutiger innerer Prozess
In der Rolle der klugen, sensiblen und witzigen Agnes – einer jungen Professorin in einer malerischen, wolkenverhangenen Kleinstadt in Neuengland, in der sie zuvor selbst studierte – zeigt Eva Victor in ihrem Spielfilmdebüt als Autorin, Regisseurin und Hauptdarstellerin eine Seite des menschlichen Lebens, die oft im Verborgenen bleibt: den mutigen inneren Prozess, sich selbst wieder zusammenzusetzen. Während ihre Freunde sich in neue Leben auf der ganzen Welt verabschieden, entscheidet sich Agnes, zu bleiben – in der Stadt, wo sie einst Klassenbeste war und durch einen schockierenden Verrat ihren Tiefpunkt erlebte.
Das 104-minütige Spielfilmdebüt der in Paris geborenen und heute in Los Angeles lebenden Eva Victor als Autorin, Regisseurin und Hauptdarstellerin ist in Massachusetts mit einer größtenteils weiblichen Crew unter der New Yorker Kamerafrau Mia Cioffi Henry gedreht worden. Die US-amerikanische, französische und spanische Koproduktion wurde am 27. Januar 2025 beim Sundance Filmfestival in Park und Salt Lake City, Utah/USA, uraufgeführt und mit dem Waldo Salt Screenwriting Award ausgezeichnet. Kinostart in Deutschland war am 18. Dezember 2025.
Autobiographisch grundiert
Eva Victor im DCM-Presseheft: „Ich schrieb den Film, den ich damals gebraucht hätte, als ich selbst eine ähnliche Krise wie Agnes durchlebte. Es ging mir weniger darum, Gewalt oder den Übergriff selbst zu erzählen, als vielmehr darum, wie ein Mensch heilt. Besonders interessierte mich das Gefühl des Feststeckens – wenn man sieht, wie alle anderen weiterziehen, während man selbst noch in dem festsitzt, was einem passiert ist. Ich schrieb das ursprünglich für mein früheres Ich.“
„Sorry, Baby“ läuft im Rahmen des VHS-Filmforums dreimal in der Filmwelt Herne: Am Sonntag, 1. März 2026, um 13.15 Uhr, am Montag, 2. März 2026, um 20.15 Uhr sowie am Mittwoch, 4. März 2026, um 17.30 Uhr.
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- Sonntag, 1. März 2026, um 13:15 Uhr
- Montag, 2. März 2026, um 20:15 Uhr
- Mittwoch, 4. März 2026, um 17:30 Uhr