Epilog – Zum Ende des Steinkohlenbergbaus

Ausstellung und Film im Kulturzentrum

Hartmut Stockhorst mit einigen seiner Sammlungsstücke.
Hartmut Stockhorst mit einigen seiner Sammlungsstücke. Foto: Pitt Herrmann

Der Steinkohlebergbau an Rhein, Ruhr und Emscher ist mit der Schließung der letzten Zeche im vergangenen Jahr Geschichte. Der seit März 2018 bestehende Treffpunkt Stadtarchiv, Erzähltreff und Geschichtswerkstatt für inzwischen rund zwanzig (Hobby-) Historiker aus unserer Stadt, blickt aus heimischer Sicht noch einmal zurück mit der Ausstellung Epilog – Zum Ende des deutschen Steinkohlenbergbaus 2018, die am Donnerstag, 24. Januar 2019, um 18 Uhr im VHS-Saal (Raum 050) des Herner Kulturzentrums durch Bürgermeister Erich Leichner und den Leiter des Stadtarchivs, Jürgen Hagen, eröffnet wird. Der Treffpunkt-Kreis von lokalgeschichtlich Interessierten hat die Bergbaugeschichte Hernes und Wanne-Eickels unter besonderen Blickwinkeln nachgezeichnet. So geht es unter anderem um exotische Bergbauzulieferer, aber auch um die Veränderung der Stadtlandschaft durch den Kohleabbau. Die zusammengetragenen Dokumente und Exponate finden auf rund dreißig Tafeln und in einer Handvoll Vitrinen Eingang in die Ausstellung, die im Lesesaal und im Foyer des Stadtarchivs im 1. Obergeschoss des Kulturzentrums sowie im Eingangsbereich der Volkshochschule am Willi-Pohlmann-Platz in Herne gezeigt wird.

Jürgen Hagen.
Jürgen Hagen. Foto: Stefan Kuhn

Walter Müller hat sich etwa mit der Firma Seidich Schäfte befasst. Der Familienbetrieb, 1928 an der Zeche Unser Fritz auf dem Gelände des heutigen Cranger Kirmesplatzes gegründet und heute an der Schirrmannstraße ansässig, hat ursprünglich Sicherheits-Bergbauschuhe hergestellt. Maßgefertigte Schäfte, wie Schuhoberteile genannt werden, gehen heute von Holsterhausen in alle Welt. Gerd Körner zeigt an Hand von historischem Kartenmaterial, das in den aktuellen Herner Stadtplan eingearbeitet worden ist, die oberirdische Entwicklung unserer Stadt durch den Bergbau zwischen 1865 und 1947. Zudem sind auf einer aktuellen Luftaufnahme alle 48 Schachtanlagen Hernes und Wanne-Eickels analog zum Luftballon-Projekt des Kulturhauptstadtjahres farbig markiert.

Gerd Biedermann hat elf Zechenstandorte im Wandel der Zeit gegenübergestellt. Dabei waren bei der Suche nach Relikten der einstigen Bewetterung bzw. nach aktuellen Protego-Hauben manche Hürden zu nehmen. So ist die ehemalige Zeche Constantin 4/5 heute ein bewaldetes Erholungsgebiet an der Stadtgrenze zu Bochum und auf dem Von-der-Heydt-Gelände steht nun das Seniorenheim Wörthstraße. Hartmut Stockhorst, der selbst noch auf Friedrich der Große 1/2 und 3/4 gearbeitet hat, trägt zahlreiche Bergbau-Utensilien bei wie eine Wetterlampe, eine Mütze, eine blecherne Kaffeepulle, ein Arschleder sowie Telefonkarten mit Bergbaumotiven.

Grubenlampe.
Grubenlampe. (Archiv) Foto: Thomas Schmidt, Stadt Herne

Günter Habijan und Hans-Ulrich Bauer haben sich mit der Verarbeitung des in Herne geförderten schwarzen Goldes befasst. Die chemische Industrie, erinnert sei etwa an Hüls und Sasol in Holsterhausen, stellte Amoniak, Benzin, Benzol und Düngemittel her, während Unternehmen wie die Gasverwertungsgesellschaft Gaveg in Sodingen das beim Abbau der Kohle entstehende Grubengas weiterverarbeitete. Einst galt Wanne-Eickel als „Stadt des Brotes“: im Ranking der Betriebsanzahl lag die Emscher-Stadt an vierter Stelle im Deutschen Reich. 1955 gab es hier noch 65 Meisterbetriebe, heute sind es in ganz Herne nur noch vier. Ingeborg Müller-Schuitz hat sich mit der Geschichte des Bäckerei-Handwerks beschäftigt unter besonderer Berücksichtigung der ersten Großbäckereien wie Brinker, die in 2019 ihr einhundertjähriges Bestehen feiern kann, Ruwe (1887), Hiesgen (1908) und Timmerbrink (gegründet 1911). Sie lieferten 5-Kilo-Brote für den Verzehr unter Tage in die Zechensiedlungen aus.

Wolfgang Berke.
Wolfgang Berke. Foto: Carola Quickels

Bei der Eröffnung, die vom Bergmanns-Unterstützungs-Verein Herne-Alt musikalisch begleitet wird, kann erstmals ein gut sechzigminütiger Film gezeigt werden, der sich mit der heutigen Nutzung ehemaliger Schachtanlagen im Stadtgebiet auseinandersetzt. So ist die Königsgrube jetzt ein Park in Röhlinghausen, der sich bis zur Hordeler Schwesternzeche Hannover erstreckt. Auf Teutoburgia in Börnig ist der Klangkünstler Christof Schläger aktiv, auf Unser Fritz die Ateliergemeinschaft der Künstlerzeche. Nur Pluto-Wilhelm in Wanne wird noch aktiv genutzt: hier ist die Zentrale Wasserhaltung und die inzwischen auch bei Tunnel-Havarien gefragte Grubenrettung beheimatet.

v.l. Christian Donovan, Till Beckmann.
v.l. Christian Donovan, Till Beckmann. Foto: Carola Quickels

Der von Wolfgang Berke und dem Mondkanal-Team erstellte Film wird als Dauerschleife in der Ausstellung gezeigt, die noch bis zum 28. Februar 2019 im Kulturzentrum Herne am Willi-Pohlmann-Platz 1 zu folgenden Zeiten geöffnet ist: montags bis freitags 9 bis 19 Uhr, samstags 9 bis 13 Uhr). Zur Finissage am 28. Februar 2019 wird um 19 Uhr im VHS-Saal das Bühnenstück Weg vom Fenster aufgeführt mit dem heimischen Schauspieler Till Beckmann und dem Musiker Chris Donovan. Um den Publikumszuspruch abschätzen zu können, wird für die Vernissage (und später auch für die Finissage) um Anmeldung gebeten, per E-Mail oder Tel 02323/16 47 19.

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Donnerstag, 24. Januar 2019, um 18 Uhr VHS im Kulturzentrum , Willi-Pohlmann-Platz 1 , 44623 Herne Die Ausstellung ist montags bis freitags 9 bis 19 Uhr, samstags 9 bis 13 Uhr geöffnet.

Weitere Termine:

  • Donnerstag, 28. Februar 2019, um 19 Uhr
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