Ein Bergarbeiter erzählt

Alphons S.- Seine Lebensgeschichte.
Alphons S.- Seine Lebensgeschichte. Foto: Michael Horst/Diakonie

Bochum (lwl). Ein zeithistorisches Filmdokument präsentiert der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) am Sonntag, 11.März 2018, 17 Uhr, im Bochumer Kino Endstation, Wallbaumweg 108 , mit dem restaurierten Film Lebensgeschichte des Bergarbeiters Alphons S.. Außerdem hat das LWL-Medienzentrum in Kooperation mit den Filmemachern eine Doppel-DVD-Edition herausgebracht. Die Doppel-DVD ist bei der Premiere, im Buchhandel und beim LWL-Medienzentrum für 19,90 Euro erhältlich. E-Mail: medienzentrum@lwl.org

Alphons S.- Seine Lebensgeschichte.
Alphons S.- Seine Lebensgeschichte. Foto: Christoph Hübner

Vor 40 Jahren entstand der achtteilige Filmzyklus Lebensgeschichte des Bergarbeiters Alphons S.. In viereinhalb Stunden erzählt Alphons Stiller - geboren 1906 im Saarland, gestorben 1979 in Castrop-Rauxel - seine Lebensgeschichte als Kind und jugendlicher Bergarbeiter im Ruhrgebiet, als Tippelbruder quer durch das Deutschland der 1920er Jahre, als Landarbeiter auf den mecklenburgischen Gütern, als Anarchist und Linkssozialist - vor allem aber als kluger und wacher Zeitzeuge der Alltagsgeschichte in den Jahren 1906 bis 1939.

„Seine Alltagsschilderungen sind gleichermaßen plastisch wie authentisch, historisch reflektiert wie politisch wertend“, sagt Prof. Dr. Markus Köster, Leiter des LWL-Medienzentrums für Westfalen. Dabei ist der Film gestalterisch so einfach wie die Lebensumstände des Protagonisten: Ein schmächtiger Mann mit einer großen dickrandigen schwarzen Brille sitzt in seiner eigenen unscheinbaren Wohnung in Castrop-Rauxel und erzählt sein Leben in lebensechter und bildreicher Sprache und Mimik. Ungeachtet nur rudimentärer Schulbildung erweist er sich als staunenswert belesen und verbindet seine eigene Biographie immer wieder mit den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen deutscher Geschichte im 20. Jahrhundert.

Von Christoph Hübner und Gabriele Voss mit einfachen technischen Mitteln realisiert, erlebte der Film eine erstaunliche Resonanz, wurde auf Festivals und mehrmals im Fernsehen gezeigt, gewann einen Adolf Grimme Preis, wurde in Kinos und in Schulen vorgeführt und vom Goethe-Institut weltweit vertrieben.

Im vergangenen Jahr fand der Zyklus Aufnahme in die Liste des nationalen deutschen Filmerbes und konnte dadurch restauriert und neu digitalisiert werden. Damit kann die „Leben-Geschichte des Bergarbeiters Alphons S.“ nun wieder öffentlich und in Kinos gezeigt werden. Zugleich produzierte das LWL-Medienzentrum in Kooperation mit den Filmemachern eine Doppel-DVD-Edition, mit einem umfangreichen Booklet und einem ausführlichen Video-Interview mit Hübner und Voss als Extra.

Alphons S. hat auch heute, 40 Jahre später, nichts von seiner Faszination und Lebendigkeit verloren", urteilt Dr. Hermann-Josef Höper, Produktionsleiter des LWL-Medienzentrums. Und Filmemacherin Voß erklärt: "Nicht von jedem, dessen Geschichte interessant ist, kann man so einen Film machen. Man muss schon Menschen mit den Fähigkeiten finden, Geschichten so zu erzählen, dass uns das packt. Alphons S. ist nicht nur Bergmann gewesen, er war auch Erzähler.