DRK Helfer retten in der Freizeit

Einsatz auf der Cranger Kirmes ist das Highlight des Jahres

DRK auf der Cranger KirmesFoto: Björn KochModerne Einsatzfahrzeuge

Die Cranger Kirmes in Herne ist mit rund vier Millionen Besuchern das größte Volksfest in Nordrhein-Westfalen. Für die rund 80 Helfer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) bedeutet die Kirmes einen Großeinsatz über zehn Tage, und die Einsatzkräfte opfern für den Dienst ihren Urlaub und Feierabend.

Seit Jahrzehnten gehören die Helfer des Deutschen Rotes Kreuzes Herne und Wanne-Eickel zur Cranger Kirmes wie das Riesenrad. Wenn das Volksfest traditionell am ersten Freitag im August beginnt, erwartet der Veranstalter durchschnittlich 400.000 Besucher pro Tag. Damit liegt die Kirmes am Rhein-Herne-Kanal auf Augenhöhe mit dem Oktoberfest. Das Gelände umfasst mit 111.000 Quadratmetern nur etwa ein Drittel der Fläche in München. Somit hält die Cranger Kirmes den Rekord mit den meisten Besuchern pro Quadratmeter in Deutschland.

Im Jahr 1932 richteten die Sanitätshelfer des DRK erstmals eine Sanitätsstation in der heutigen Jungendkunstschule Herne ein. Das Schulgebäude liegt auf dem Kirmesgelände, und ist für die Zeit der Kirmes die Heimat für rund 80 Einsatzkräfte. Einer davon ist Rainer Weichert. Der heute 47-jährige Flugdisponent feiert dieses Jahr 30 Jahre ehrenamtlichen Dienst auf der Cranger Kirmes. Seit 1993 ist er als Wachleiter für den Ablauf der Kirmeswache verantwortlich. „Kameradschaft, Abwechslung und Praxis. Das macht den Einsatz hier so besonders“, so Weichert. „Die zehn Tage schweißen eine Truppe mehr zusammen, als alle anderen Veranstaltungen des Jahres.“

DRK auf der Cranger KirmesDie Helfer auf der 579. Cranger Kirmes
DRK auf CrangeWachleiter Rainer Weichert
DRK auf der Cranger KirmesEinsatzleiter Thomas Jarolim

„Ohne das besondere Engagement unserer Leute wäre so eine Einsatz nicht möglich“, sagte Rainer Weichert. „Viele Helfer opfern für den Dienst einen Teil ihres Urlaubs. Und wer kein frei bekommt, der verschiebt auch schon mal seine Arbeitszeiten“, so der Wachleiter. Die ehrenamtlichen Helfer kommen aus verschiedenen Bereichen. „Wir haben hier Handwerker, Angestellte, Arbeitslose, Schüler und Studenten in unseren Reihen“.

Die Ausbildung der Einsatzkräfte geht vom Sanitäter bis zum Rettungsassistenten. „Früher war das nicht so, da gab es nur den Sanitätshelfer mit 48 Stunden Ausbildung“, blickte Weichert zurück. „Erst mit der Neustrukturierung im Katastrophenschutz vor etwa zehn bis zwölf Jahren konnten sich die Helfer auch mehr zum Rettungshelfer oder Rettungssanitäter ausbilden lassen. Davon haben wir dann auch auf den Diensten wie Crange profitiert. Und hier können die jüngeren dann von den alten Hasen lernen“, so der Wachleiter. Die Ausbildung zum Rettungshelfer umfasst 80 Stunden Theorie und beinhaltet ein Praktikum auf der Rettungswache. Ein Rettungssanitäter absolviert 160 Stunden Theorie, und das Praktikum findet auf der Rettungswache und im Krankenhaus statt.

Aus eigener Kraft könnte das DRK Herne und Wanne-Eickel den Sanitätsdienst auf der Cranger Kirmes nicht durchführen. Unterstützung aus den umliegenden Städten ist notwendig. Die Helfer kommen aus Gelsenkirchen, Witten, Bochum und Wattenscheid, zum Teil schon seit über 20 Jahren. „Der erste Hilferuf ging 1992 nach Wattenscheid“, so Weichert. Mit der Zeit wuchs der Kontakt zu den anderen Städten.

Christina Malow ist eine der externen Helferinnen. Die Studentin lebt in Bochum und engagiert sich dort im DRK. Für den Dienst kommt sie gerne nach Herne: „Für mich ist es wichtig, dass ich hier so viele neue Leute kennenlerne.“ So sieht es auch Janine Schulz aus Herne. Die Krankenschwester nimmt seit 2004 am Dienst auf der Cranger Kirmes teil. „Man trifft dort Helfer, die man sonst das ganze Jahr nicht sieht“, sagte sie.

DRK auf der Cranger KirmesDRK auf der Cranger Kirmes
DRK auf der Cranger KirmesDie Leitzentrale des DRK mit Digitalfunk

„Für die Helfer des DRK bietet die Cranger Kirmes die Möglichkeit, das Erlernte in die Praxis umzusetzen“, sagte Einsatzleiter Thomas Jarolim. Jeder Tag bringt für die Einsatzkräfte eine neue Herausforderung, da die Einsätze sehr abwechslungsreich sind. Zu den typischen Einsätzen gehören Kreislaufprobleme nach der Fahrt mit einem Karussell oder kleinere Verletzungen.

Auf dem Gelände der Jugendkunstschule befindet sich die Kirmeswache des DRK Herne und Wanne-Eickel. Im Tanzsaal im Erdgeschoss richten die Helfer jedes Jahr drei Behandlungsräume ein. Ein alter Bauwagen auf dem Vorplatz dient Wachleiter und Funker als Einsatzzentrale, und auf dem Hof steht ein Küchenzelt mit Kühlschränken, Mikrowelle und „ganz wichtig: die Kaffeemaschine. Ein Defekt der Maschine am Vorabend der Kirmes führte fast zum Boykott unserer Helfer“, sagte Rainer Weichert schmunzelnd.

Das war aber nicht immer so. „Bis 1994 waren Behandlungsräume, Wachleiter, Funker und der Bereich für die Helfer zusammen in der Schule. Während also vorne die Patienten versorgt wurde, hat man dahinter seine Pommes mit Mayo gegessen oder Karten gespielt. Der Pommesgeruch trug natürlich nicht dazu bei, dass es den Patienten besser ging. Wir mussten also mehr für die Versorgung unserer Gäste tun“, so der Wachleiter.

Fünf Krankenwagen sind für das Deutsche Rotes Kreuz im Einsatz. Zwei stehen an der Jugendkunstschule, drei sind auf dem Platz verteilt. „So können wir bei einem Einsatz jeden Punkt der Kirmes schnell erreichen“, sagte Einsatzleiter Thomas Jarolim. Die Krankenwagen bringen Patienten mit leichten Verletzungen oder Erkrankungen vom Kirmesgelände in die Krankenhäuser der Stadt oder zur Kirmeswache. Bei ernsteren Situationen unterstützt das DRK den Rettungsdienst der Feuerwehr. Das DRK-Einsatzfahrzeug war bei dem schweren Unfall am Samstag (halloherne berichtete) als erstes an der Unfallstelle. „Unser Auto stand in der Nähe des Kongos“, sagte Thomas Jarolim. „Die Helfer haben sofort den Rettungsdienst nachgefordert und sich um die Erstversorgung der Patienten gekümmert. Unter der Besuchern gab es weitere Betroffene, die das Unglück mit angesehen haben“.

DRK auf der Cranger KirmesDRK auf der Cranger Kirmes
Das DRK im Einsatz auf der Cranger Kirmes.Das DRK im Einsatz auf der Cranger Kirmes.
DRK auf der Cranger KirmesDie Einsatzkräfte kontrollieren das Material

Im Einsatz sind zeitgemäße Krankenwagen mit viel Platz im Innenraum und moderner Ausstattung. „Die Autos heute machen uns die Arbeit schon viel leichter“, sagte Rainer Weichert. „Wir hatten alte Ford Transits. Es gab keinen Platz, und wir hatten nur eine Klapptrage, eine Sauerstoffflasche und nur das notwendigste an Material an Bord. Eine Servolenkung war Luxus. Nach zehn Tagen wussten deine Arme, was Du getan hast“, so der Wachleiter. „Aber es gab auch einen Vorteil: die Autos waren kleiner. Mit den großen Fahrzeugen wird’s schnell mal eng“.

Thomas Jarolim kritisierte die zunehmende Gewaltbereitschaft der Kirmesbesucher: „Wenn wir mit dem Krankenwagen auf dem Platz unterwegs sind, wird nur widerwillig Platz gemacht. Die Einsatzkräfte werden durch das offene Fenster beworfen oder Beulen in die Fahrzeuge gehauen. Wir können nur auf das Verständnis der Besucher auf dem Platz hoffen.“

Neben den Einsatzfahrzeugen sind Fußstreifen auf dem Kirmesgelände unterwegs. Die Teams bestehen aus drei Helfern und sind mit Funkgerät und Sanitätsrucksack ausgerüstet. Im Gegensatz zu den Krankenwagen kommen medizinische Einsätze bei den Fußstreifen eher selten vor. Die Helfer des DRK zeigen bei ihrem Gang über den Kirmesplatz Präsenz und stehen den Besuchern mit Rat und Tat zu Verfügung.

Wenn ein Kind seine Eltern verloren hat, bringen es die Fußstreifen zu der Wache, wo es dort von seinen Eltern abgeholt werden kann. „Wir hatten in der laufenden Kirmes bisher zwei vermisste Kinder“, so Thomas Jarolim. „Glücklicherweise haben wir ein junges dynamisches Team, daß schnell Kontakt zu den Kindern findet. In der Regel dauert es rund eine Stunde, bis die Eltern die Kinder bei uns abholen“. Was empfiehlt der Einsatzleiter den Eltern für solche Fälle? „Eine Handynummer auf dem Arm oder an der Kleidung ist einfach und hilft uns schnell weiter“. Die Stadt Herne hält für die kleinen Kirmesbesucher extra Armbändchen am Souvenirstand am Cranger Tor bereit.

Mit der 579. Cranger Kirmes kam eine neue Vorgabe von der Stadt Herne hinzu. „Wir müssen täglich einen großen Sanitätswagen von 16 Uhr an auf dem Kirmesplatz am Kanal besetzen“, sagte Thomas Jarolim. Dieses Fahrzeug ist dafür ausgelegt, im Notfall mehrere Patienten gleichzeitig zu versorgen. „Der Vorteil am dem Standort: Die Helfer sind von dort aus schnell im Bayernzelt. Wenn nötig, kann dann ein Krankenwagen oder der Rettungsdienst nachalarmiert werden“, so der Einsatzleiter.

DRK auf der Cranger KirmesHelferin Janine Thom in der Kirmeswache
DRK auf der Cranger KirmesDRK auf der Cranger Kirmes

Das DRK besetzt die Sonderwache auf dem Kirmesplatz zwei Stunden vor Beginn der Kirmes bis zwei Stunden nach dem offiziellen Ende. „Wobei das Ende schon mal variieren kann. Vor allem am Wochenende. Da wird es meistens später“ so Thomas Jarolim. Die Aufgaben sind klar verteilt. Ein Schichtsystem sorgt für Abwechslung, und alle zwei Stunden werden die Helfer neu eingeteilt. Für die Schicht- und Einsatzplanung ist der Wachleiter verantwortlich. Bei der Dienstplanung müssen viele Faktoren berücksichtigt werden. „Wir achten zum Beispiel darauf, dass jemand nicht unbedingt zweimal hintereinander Streife läuft. Außerdem muss mindestens ein Rettungshelfer und ein Rettungssanitäter auf den Krankenwagen sitzen“, so Wachleiter Weichert. „Und natürlich versuchen wir die Wünsche der Helfer umzusetzen“, fügte er hinzu.

Wach- und Einsatzleiter überwachen auch die Dienststunden der Einsatzkräfte. „Wir achten auf die notwendigen Ruhezeiten und appellieren an den gesunden Menschenverstand“, so der Wachleiter. Die Helfer leisten bis zu zwölf Stunden Dienst pro Tag. „Wenn der Umzug dazu kommt, dann können es aber schon mal ein paar Stunden mehr werden“, sagte Weichert. Insgesamt kommen mit Auf- und Abbau rund 3.500 Helferstunden zusammen.

Die Helfer des Deutschen Rotes Kreuz leisten ihren Einsatz auf der Cranger Kirmes ehrenamtlich, ohne Bezahlung. Das DRK versorgt die Einsatzkräfte während der Kirmes mit Essen und Getränken. Wenige Wochen nach der Cranger Kirmes findet mit allen Helfern nochmal eine Abschlussfeier statt. „Dann werden die Autos aus der Fahrzeughalle gefahren, die Musikanlage aufgebaut und der Grill angeworfen“, so Rainer Weichert.

DRK auf CrangeFoto: Björn KochEinsatz auf dem Kirmesplatz
HSESHR
IG Herne Weihnachten 2017
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05. August 2014, 16:04 Uhr