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Chillen vor ausgebrannten Häusern am Pool in Arguileh: Das Foto von Patrick Baz für die französische Nachrichtenagentur AFP mag gestellt sein, ist aber symptomatisch für den Alltag im Libanon.

Vielschichtige Beirut-Doku

Do You Love Me

In ihrem 75-minütigen essayistischen Dokumentarfilm führt die 1983 mitten im libanesischen Bürgerkrieg geborene, in London ausgebildete Beiruter Filmemacherin Lana Daher, die seit langem in der libanesischen Kunst- und Musikszene aktiv ist und in den Bereichen Ton, Bild und Archivierung arbeitet, durch die Geschichte ihres Heimatlandes. Und das, zumal für einen Debütfilm, mit ungewöhnlichen Mitteln: „Do You Love Me“ besteht ausschließlich aus filmischem und audiovisuellem Archivmaterial, bunt gemixte, mit durchaus auch politischen Kommentaren unterlegten Bildern und Tönen aus über 20.000 offiziellen und privaten Quellen.

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Selbstreflexiver Liebesbrief

Lana Dahers durchaus selbstreflexiver Liebesbrief an Beirut ohne jede fiktionale Szene ist eine persönliche und gesellschaftliche Erinnerung, die vor allem auf private Videos von Freunden aus der Filmbranche zurückgreift, um ideologisch, religiös oder (partei-) politisch gefärbtes Material offiziöser (TV-) Medien zu minimieren. Mit Aufnahmen des Fotografen Patrick Baz für die französische Nachrichtenagentur AFP, aber auch mit Ausschnitten aus Filmen wie „Whispers“ von Maroun Bagdadi aus dem Jahr 1980 u.a. mit dem ikonischen Oud-Musiker Marcel Khalife geht die junge Regisseurin der Frage nach, was von einer Generation bleibt, die zwischen Bomben und Pop-Musik erwachsen wurde.

Das beginnt mit einem für Außenstehende eindrucksvollen, aber unverständlichen Gewitter aus Text-Einblendungen, geht über in dokumentarische Bilder aus dem libanesischen Bürgerkrieg zwischen Christen und Muslimen sowie dem Krieg zwischen islamistischen Milizen und dem Nachbarstaat Israel, wie wir sie aus den Nachrichtensendungen kennen, zeigt trauernde und verzweifelte Menschen. Aber zugleich auch den unerschütterlichen Überlebenswillen gerade auch von älteren Beirutern, die das alte „Paris des Nahen Ostens“ noch erlebt haben.

Junge selbstbewusste Generation

Die jungen Libanesen lassen sich ihre Lebensfreude nicht nehmen, wie die poetisch-nostalgische Doku „Whispers“ von Maroun Bagdadi aus dem Jahr 1980 u.a. mit dem ikonischen Oud-Musiker Marcel Khalife zeigt.

Und von einer jungen, selbstbewussten Generation, die von solchen überkommenen Beschreibungen nichts mehr wissen wollen, die nach vorne schauen, die auf eine Zukunft des friedlichen Zusammenlebens im Land und in der ganzen Region träumen. Vogelschwärme am Himmel, Meereswellen am Strand, Bollywood-Unterhaltungsindustrie – und immer wieder Straßensperren, Militärgewalt und Milizen-Terror. Skurrile, bisweilen witzige Szenen eines lebensgefährlichen Alltags und am Ende ein Song, in den die große Mehrheit der Besucher beim Alfilm-Festival im Berliner Hebbel-Theater einstimmte: Beirut wird nicht untergehen.

Bei der 17. Auflage des Arabischen Filmfestivals Berlin erhielt Lana Daher im Anschluss an die Filmvorstellung am 28. April 2026 den mit 10.000 Euro dotierten Preis für politische Filme der Friedrich-Ebert-Stiftung überreicht, nachdem sie durch die israelischen Angriffe nicht zur Deutschen Erstaufführung am 30. September 2025 auf dem 33. Filmfest Hamburg nach Hamburg kommen konnte.

Cineastische Ethnographie

Ihre cineastische Ethnographie, uraufgeführt am 3. September 2025 auf dem 82. Int. Filmfestival Venedig, ist keine lineare oder chronologische Story, sondern ein Mosaik – voller Sehnsucht und Wehmut. Das sich nach fünfjähriger Recherche und anschließender dreijähriger Fertigstellung nicht zuletzt durch die Musik zu einem emotionalen Ganzen formt, geprägt von Nostalgie, individuellem Widerstand und der ewigen Frage nach Heimat und Zugehörigkeit. „Do You Love Me“ nimmt bewusst die Binnen-Perspektive einer Libanesin, einer in Beirut lebenden Filmemacherin ein – höchst interessantes, wenn auch nicht in jedem Detail verständliches Neuland für ein europäisches Publikum.

Lana Daher im Rapid Eyes Movies-Presseheft: „‘Do You Love Me‘ ist eine Reflexion über das heutige Beirut. Durch die Neuinterpretation von Fragmenten aus Filmen, Liedern und Fotografien versuche ich, die vielschichtige Realität dieser Stadt – ihre Erinnerung, ihren Widerstand, ihre Freude und Zärtlichkeit – zu verdichten und diesen Bildern neues Leben einzuhauchen. So entsteht ein Raum, in dem man erkunden, erinnern und einfach fühlen kann.

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Eintritt frei in der Bastion

Zum Kinostart am 7. Mai 2026 bei freiem Eintritt zu sehen in der Bochumer Bastion, Karl-Lange-Straße 53, Reservierung notwendig unter kontakt@no-budget-arts.de oder Tel. 0234 – 9117790. Darüber hinaus zu sehen vom 11. bis 13. Mai 2026 jeweils um 18:30 Uhr im Metropolis Bochum sowie in der Essener Galerie Cinema am 14. Mai 2026 um 20.30 Uhr und am 19. Mai 2026 um 18 Uhr.

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  • Donnerstag, 7. Mai 2026, um 19 Uhr
Mittwoch, 6. Mai 2026 | Autor: Pitt Herrmann