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Philip (Aljoscha Lennert), hier mit seiner Mutter Helen (Idil Kutay), imaginiert sich auf eine Insel inmitten sturmumtoster Wellen.

Phantasievolle Märchenoper

Die verzauberte Stadt im Aalto-Theater

Seit seine Mutter Helen (Idil Kutay) mit Peter (Tobias Greenhalgh) einen neuen Partner an ihrer Seite hat, scheint Philip (Aljoscha Lennert) abgeschrieben. Der Elfjährige fühlt sich alleingelassen und ist außerdem genervt von seiner neuen Stiefschwester Lucy (Mercy Malieloa), die wie eine Klette an ihm hängt, hat sie sich doch schon immer einen älteren Bruder gewünscht.

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„Nur wir Zwei – zwei Tage frei“: Kurz nachdem Helen mit Philip bei Peter und Lucy eingezogen sind, fliegen die Erwachsenen in den Honeymoon und überlassen ihre Kinder dem überforderten Aupair-Mädchen Nique (Liliana de Sousa). Der völlig frustrierte, aggressive Philip beruhigt sich erst, als er sich in eine Traumwelt zurückziehen kann und aus Spielsachen, Büchern, Vasen und einem Spiegel eine phantastische Stadt baut.

Aus Phantasie wird Realität

Inmitten der begeisternden multimedialen Ausstattung von Momme Hinrichs (Bühne, Kostüme) und Judith Selenko (Video) bewegt sich der staunende Philip (Aljoscha Lennert) in seiner Phantasiewelt.

Die sich in der Nacht in eine reale Welt zu verwandeln scheint – und Philip mittendrin: Zum Nachtwächter Roshan (Valentin Stroh) gesellen sich bald Minion und Minecraft, Pipi Langstrumpf und Harry Potter, Luke Skywalker und die Wicked-Hexe Elphaba, Käpt’n Jack Sparrow und der niedliche Tabaluga-Drache, ein Tipp-Kick-Stürmer im RWE-Trikot und Superman.

Schließlich durchschreitet auch „Klette“ Lucy das Tor, was bei den Bewohnern und ihrer Königin für Aufregung sorgt. Waren ihnen doch zwei widerstreitende Besucher prophezeit worden, der gefürchteter Zerstörer und der langersehnte Retter. Wer von beiden ist nun wer? Auf Lucy und Philip warten drei Aufgaben, die sie bewältigen müssen, um die verzauberte Stadt vor dem gefährlichen Drachen, plündernden Piraten und schließlich auch dem wahren Zerstörer zu retten…

Junge Oper Rhein-Ruhr

Das Aalto Musiktheater präsentiert im Rahmen der Kooperation „Junge Opern Rhein-Ruhr“ erstmals eine Uraufführung: Die Familienoper „Die verzauberte Stadt“ des australischen Komponisten Samuel Panderbayne für alle ab acht Jahren feierte am 31. Mai 2026 heftig umjubelte Premiere im Essener Aalto-Theater. Sie basiert auf dem gleichnamigen, 1910 erschienenen Roman „The Magic City“ von Edith Nesbit (1858-1924). Die revolutionäre Sozialistin, die zum Freundeskreis von Karl Marx gehörte, sorgte als alleinerziehende Mutter für mehrere Kinder aus verschiedenen Beziehungen, indem die über 40 Werke für junge Leser verfasste. Nach wie vor zählt sie zu den bedeutendsten Kinderbuchautorinnen Englands.

Multimedeale Ausstattung verzaubert

Wie Kai aus der Kiste taucht der clowneske Jack-in-the-Box (Tobias Greenhalgh) inmitten der Fantasy-Figurenwelt der Protagonisten auf, die auch die der jungen Zuschauer im Aalto-Parkett ist.

Zum ersten Mal ist eine Opernadaption ihres Abenteuerromans „Die verzauberte Stadt“ für die Theaterbühne adaptiert worden – durch Susanne Lütje und Anne X. Weber. Die so phantasievolle wie lebensnahe Inszenierung Louisa Proskes, die jüngst mit dem Bernstein-Musical „On the Town“ (Halloherne berichtete) an der Deutschen Oper am Rhein einen großen Publikumserfolg landete, verzaubert in der effektvollen multimedialen Ausstattung von Momme Hinrichs (Bühne, Kostüme) und Judith Selenko (Video) das Publikum generationenübergreifend.

Die Musik Samuel Panderbaynes, der sich als „Kind der digitalen Welt“ durch YouTube und Spotify „durchgeklickt“ hat für seine „impressionistische Klangwelt“, weist deutliche Anklänge an Musicalmelodien und Filmmusiken auf, dazu ein wenig Neobarock und Blues. Vor allem aber, und das klingt als Ohrwurm bis weit nach Vorstellungsende nach, greift er auf das neuseeländische Sea Shanty „Wellerman“ aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück – in einer modernen Pop-Version. Am Pult der Essener Philharmoniker sorgt der gebürtige Wiener Michael Zlabinger, seit 2022 Chefdirigent der Festival-Philharmonie Westfalen, immer wieder auch für begeistert aufgenommene Mitmach-Aktionen des Publikums.

Workshop fürs junge Publikum

Im Rahmen der zweiten Familienvorstellung am Fronleichnam-Feiertag, 4. Juni 2026, beginnt um 15.30 Uhr im Aalto-Foyer ein Workshop für das junge Publikum statt. Der musikalische Leiter Michael Zlabinger studiert eine Stunde vor Vorstellungsbeginn mit den Kindern ab acht Jahren das Mitmach-Lied „Piratenschiff ahoi!“ ein. Danach sind alle jungen Gäste bestens gewappnet für den anschließenden Vorstellungsbesuch und eine spannende Reise in die Welt von Spielzeugfiguren, Piraten und einem Drachen.

Die weiteren Familienvorstellungen im Aalto-Theater

  • Donnerstag, 4. Juni 2026, 16:30 Uhr, anschl. Meet and greet im im Foyer
  • Sonntag, 21. Juni 2026, 16:30 Uhr, anschl. Meet and greet im im Foyer
  • Samstag, 4. Juli 2026, 18 Uhr

Karten

Karten für Familienvorstellungen (20, ermäßigt 10 Euro) sind erhältlich im TicketCenter. II. Hagen 2 in der Essener City, an der Kasse des Aalto-Theaters am Opernplatz 10, unter Tel 0201 - 81 22 200 sowie online unter theater-essen.de erhältlich.

Montag, 1. Juni 2026 | Autor: Pitt Herrmann