Die Kunst des japanischen Langbogens

Langbogen.
Dirk Fromm. Foto: Bushikan

Im Kampfkunst-Verein Bushikan Herne, Bochumer Straße 196, wird das Kyujutsu (Langbogen-Schießen) seit über zehn Jahren unterrichtet. Sektionsleiter Dirk Fromm, 4. Dan, und Vereinspräsident Marcus Bartsch, 7. Dan, haben die spezielle Art des Bogenschießens seitdem mit Ablegern in anderen deutschen Kampfkunstvereinen sowie international in Irland und England etablieren können. Fromm lädt jede Frau, jeden Mann ab einem Alter von sechzehn Jahren zu einem Probetraining ein, zu dem nichts als legere Sportkleidung mitgebracht werden muss; alles andere wird vom Verein gestellt. Die Trainingszeiten sind dienstags 18 bis 19.30 Uhr und freitags 19.30 bis 21.30 Uhr.

Pfeil und Bogen revolutionierten zur Zeit ihrer Erfindung überall auf der Welt die Jagd wie auch das Kriegswesen, weil Beute wie Feinde aus der Entfernung erlegt beziehungsweise bekämpft werden konnten. Das war auch in Japan nicht anders, wo der besondere asymmetrisch aufgebaute Bogen der Krieger sich schnell als die wichtigste Waffe der Samurai etablierte, noch vor dem gekrümmten Langschwert, dem Katana, für das sie bei uns Europäern eigentlich viel berühmter sind.

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Langbogen-Arsenal. Foto: Bushikan

Während auch die Kunst der Schwertführung jahrelanges Training und eine Hingabe an die Konzentration auf jeden Gebrauch des Katana (Schwert der Samurai) erfordert, ist es weit weniger bekannt, dass auch die Benutzung des japanischen Langbogens, des Yumi, von den Samurai einst wie von den Kampfkünstlern der Moderne heute die gleiche Einstellung erfordert. Damit erweist sich das Bogenschießen als ein bisschen als eine rein sportliche Betätigung.

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Gefechtsformation mit Langbogen. Foto: Bushikan

Zunächst fällt aber auf, dass beim Kyujutsu, dem traditionellen Bogenschießen, wie es im Bushikan gelehrt wird, der Pfeil ganz anders aufgelegt wird als Robin Hood es tat. Das bedeutet für jeden Übenden, der das westliche Bogenschießen kennt, ein Umdenken, macht sich aber schnell bezahlt, wenn es um die besonderen Anforderungen geht, die das Kyujutsu stellt. Anders als meditatives Bogenschießen, auch in der japanischen Ausprägung des sogenannten Kyudo, ist das Kyujutsu eben eine Kriegskunst, auf die auch die Nachsilbe -jutsu verweist. Es kommt nicht darauf an, sich zu entspannen und loszulassen, sondern sich in das Wesen der Samurai hineinzuversetzen, und das waren Krieger. Entsprechend wird im Kyujutsu das Schießen aus allen Lagen, aus verschiedensten Entfernungen, unter Zeitdruck, in der Gruppe und auf halb- oder ganz verdeckte Ziele geübt. Auch die Selbstverteidigung auf kurze Distanz mit dem Bogen oder dem am Gürtel befestigten Kurzschwert, dem Wakizashi, ist Bestandteil des Trainings in dem an der Bochumer Straße beheimateten Herner Dojo.

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