Blättern im digitalen Geschichtsbuch

Die Homepage des digitalen Geschichtsbuchs www.herne-damals-heute.de in Herne (NW), am Mittwoch (07.11.2018).
Das digitale Geschichtsbuchs www.herne-damals-heute.de im Netz. Foto: Stefan Kuhn

Das Interesse an Geschichte in Herne ist groß. Mehrere Gruppen gleichzeitig recherchieren die Vergangenheit unserer Stadt. Sie haben sich jetzt zusammengetan und unter herne-damals-heute.de/ gemeinsam ein digitales Geschichtsbuch gestartet, Das Projekt wurde am Mittwoch (7.11.2018) vorgestellt. Manche der Gruppen gab es gefühlt schon immer wie die Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel, andere wie Die Vier haben sich erst seit kurzem gegründet. Sie ackern nicht im luftleeren Raum, sondern haben als gemeinsamen Bezugspunkt das Stadtarchiv. Stadtarchivar Jürgen Hagen ist gleich in mehreren Gruppen vertreten und stellt die Beiträge auch ins Netz. Dort gibt es nicht nur zahlreiche Verweise auf die Forscher selbst, sondern auch schon eine Reihe von Beiträgen – von der Bergbaugeschichte über Höfe und Kotten bis hin zu Lebenserinnerungen und Histörchen. Auch eine Filmothek gehört ins Programm. Videos mit Geschichtsbezug sind im Mondkanal zu finden.

Vorstellung des digitalen Geschichtsbuchs
Stadtarchivar Jürgen Hagen bei der Vorstellung des digitalen Geschichtsbuchs. Foto: Stefan Kuhn

Geschichte aus vielen Perspektiven

„Wenn wir schon solche Schätze haben, dann sollten wir sie auch heben“, dachte Stadtarchivar Jürgen Hagen, als er merkte, was die Facebook-Gruppe Herne von damals bis heute (unter anderem von Gerd Biedermann) an historischem Material anbot und welche Resonanz sie damit beim Publikum auslöste. Deshalb wurde das digitale Geschichtsbuch realisiert. Schon am Donnerstag (9.8.2018) startete die Seite mit einem Artikel über das Hotel Schlenkhoff. Die multiple Zusammenarbeit bewertet der Stadtarchivar als „eine gute Sache“: „Wir erleben Geschichte aus verschiedenen Perspektiven.“ Filmemacher Roland Schönig sieht es ganz einfach: „Wir wollen alle Leute informieren.“ Jürgen Hagen ist der Torwächter, er entscheidet, welche Beiträge veröffentlicht werden. In Zukunft soll eine Redaktion mit Vertretern aus den beteiligten Gruppen gebildet werden. Schönig ist Mitglied der „Vier“, betreibt aber auch gleichzeitig den Mondkanal mit Filmen über Wanne-Eickel und Herne. Zahlreiche VHS-Filme mit historischen Inhalten hat er digitalisiert. Er kritisiert den Hang mancher Historiker, ihr Material nicht freizugeben: „Die haben Selbstschussanlagen.“ „Das ist ein zweischneidiges Schwert“, sagt Hagen. Alle, die beim digitalen Geschichtsbuch mitarbeiten, sind ehrenamtlich tätig, während Berufs-Historiker davon ihr Leben fristen.

Frank Sichau, Vorsitzender der Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel e.V. im Stadtarchiv in Herne (NW), am Dienstag (06.11.2018).
Frank Sichau, Vorsitzender der Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel e.V. Foto: Stefan Kuhn

Körbe voller Material

„Das Internet ist das Medium der Zukunft“, erklärt Frank Sichau, Leiter der Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel seine Motivation. Zahlreiche Bücher, Fotos und Magazine, unter anderem die Zeitschrift der „Emscherbrücher“ sollen ins weltweite Netz wandern. Allerdings nicht alles: „Wir treffen eine Auswahl“, sagt Sichau. Norbert Kozicki saß im Strandkorb, als er von den Vorhaben der ‚Viererbande‘ hörte: „Ich war begeistert von der Idee“. Der Autor von Büchern wie Die Kinder von Karl Marx und Coca Cola oder der ganz anderen Libuda-Biographie kann sicherlich einiges zur Pop- und Kulturhistorie beisteuern. Er habe sich schon Gedanken gemacht: „Was machst du mit den ganzen Körben voller Material im Keller?“ So hat er jede Menge Tonband-Material mit Interviews, die er mit alten Gewerkschaftern geführt hat.

Nicht nur Fördertürme, sondern auch Menschen

Vorstellung des digitalen Geschichtsbuchs
Norbert Arndt von der DGB-Geschichtswerkstatt. Foto: Stefan Kuhn

Die DGB-Geschichtswerkstatt sieht ihre Schwerpunkte naturgemäß in der Geschichte der Arbeiterbewegung. „Neben der Abbildung von Fördertürmen“, sagt Norbert Arndt, „geht es auch um die Menschen, um ihren Alltag, um die Klassenkonflikte, um arm und reich.“ Graf Hotte macht mit, weil er sich für Stadthistorie interessiert. „Der Erfolg gibt uns Recht“, sagt er und meint dabei wohl auch die zahlreichen Aktionen mit stadtgeschichtlichen Hintergrund, die er und seine Mondritter gestartet haben.

Vorstellung des digitalen Geschichtsbuchs
Norbert Kozicki (li.) von der DGB-Geschichtswerkstatt, daneben Gerd Biedermann. Foto: Stefan Kuhn
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