Sarah Miro Fischers Debüt
Bewegendes Drama 'Schwesterherz'
Rose Berger (Marie Bloching), die in einer Gynäkologie-Praxis arbeitet, hat sich gerade von ihrer Freundin Jazz (Franziska von Harsdorf) getrennt und zieht übergangsweise zu ihrem älteren Bruder „Sam“ Samuel (Anton Weil), einem Koch. Eingespielt teilen die Geschwister die Rituale des Alltags und die gemeinsame Zeit mit Freunden. Während die Mutter Linda (Proschat Madani) mit Fragen nach der Zukunft nervt, findet es Sam ganz schön, dass seine Schwester bei ihm wohnt. Beide verstehen sich gut, gehen zusammen in einem See baden und er nimmt sie wie in alten Zeiten huckepack, als es durch ein Brennesselfeld geht.
Vorwurf der Vergewaltigung
Sam, der in seiner freien Zeit zumeist mit seinen Straßenkicker-Freunden abhängt, hat die junge, bereits zweifache Mutter Lia (Jane Chriwa) kennengelernt. An Sams im großen Kreis gefeierten Geburtstag nimmt sie selbstverständlich mit ihren Kindern teil. Für Irritationen sorgt eine Vorladung Roses: Sie soll als Zeugin befragt werden zum Vorwurf der Vergewaltigung ihres Bruders. Der liest das Schriftstück mit Verwunderung: „Das muss irgendein Fehler sein.“ Und dann tropft zu allem Übel auch noch ein Wasserhahn: Bei Sam liegen die Nerven blank.
Bei der Vernehmung sagt Rose nicht ganz wahrheitsgemäß aus, dass sie in besagter Nacht nichts mitbekommen hat. Elisa (Laura Balzer), eine Intim-Kosmetikerin, hat Sam angezeigt. Rose versucht, ihre Angaben zu verifizieren und kommt zum Schluss, dass ihr Bruder nicht so unschuldig ist, wie er behauptet: „Du musst zur Polizei. Das war kein Missverständnis.“ Rose sucht Elisa in ihrem Kosmetikstudio auf, traut sich aber nicht, sich dem Opfer gegenüber zu erkennen zu geben. Was sie nicht weiß: Elisa hat Rose in besagter Nacht in der Küche gesehen.
Nacktmodell im Zeichenkurs
Rose nimmt das Angebot, sich als Nacktmodell für einen Zeichenkurs zur Verfügung zu stellen, an und lässt sich auf einen One-Night-Stand mit einem sympathischen Kursteilnehmer (David Vormweg) ein. Als der mehr will, rudert sie zurück: Sein Tempo ist ihr zu schnell. Rose zieht bei ihrem Bruder wieder aus und schlüpft bei ihrer Mutter Linda im Dorf nördlich von Berlin unter. Die naturgemäß von Sams Unschuld überzeugt ist und triumphiert: Weil kein hinreichender Tatverdacht besteht und Elisa keine Beweise liefern kann, wird das Verfahren eingestellt.
Die familiären Verhältnisse im Hause Berger haben sich grundlegend geändert: Früher hat der große Bruder die kleine Schwester beschützt, jetzt muss sie ihn vor dem psychischen Zusammenbruch bewahren: „Ich kanns nicht rückgängig machen.“ Soll Sam auch gegenüber Lia mit der Wahrheit herausrücken? Rose sieht eine völlig neue Seite an ihrem Bruder, was sie dazu bringt, ihre ganze Sichtweise auf die Menschen, aber auch auf sich selbst, zu überdenken. Wem kann man überhaupt noch vertrauen? Am Ende ruft Rose den Ermittler (Aram Tafreshian) an, um ihre Aussage zu revidieren…
Ich bin kein Monster
„Ich bin kein Monster!“: Mit großem Feingefühl erzählt Sarah Miro Fischer, die eigenen Angaben zufolge selbst sexuelle Gewalt erfahren hat, in ihrem dffb-Abschlussfilm „Schwesterherz“ von zwei Geschwistern, deren enge Beziehung durch einen ungeheuerlichen Verdacht erschüttert wird. Das vielschichtige, körperlich nuancierte Schauspiel von Marie Bloching und Anton Weil verleiht dem Liebes- und Gewissenskonflikt mit wenigen Worten präzisen emotionalen Ausdruck. „Schwesterherz“, gedreht vom 23. August bis zum 2. Oktober 2023 in Berlin, ist ein 97-minütiger Film ohne einfache Antworten.
Das bewegende Drama, das am 14. Februar 2025 im Panorama-Wettbewerb der 75. Berlinale uraufgeführt worden ist, wurde bei den First Steps Awards 2025 als „Bester abendfüllender Spielfilm“ ausgezeichnet. Überdies gabs beim Int. Filmfest Emden/Norderney 2025 den Creative Energy Filmpreis für Selma von Polheim-Gravesen und Elena Weihe sowie beim Int. Filmfestival San Sebastian den WIP Europa Industry Award für Sarah Miro Fischer. Zum Kinostart am Donnerstag, 8. Januar 2026 ist „Schwesternherz“ bei uns im Sweetsixteen Dortmund, in der Galerie Cinema Essen und im Metropol Düsseldorf zu sehen.
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- Donnerstag, 8. Januar 2026