Beraten, betreuen, begleiten

50 Jahre Bestattungshaus Wendland

Bestattungshaus Wendland.
v.l. Auszubildener Philipp Kurtz, Ulrich Krülls, Petra Kranz, Ralf Wendland, Christine Bielefeld. Foto: Carola Quickels

Es ist ein Thema, mit dem sich niemand gerne beschäftigt - das Sterben. Und doch, der Tod gehört zum Leben dazu. Darum ist es es für die Angehörigen wichtig, im Fall eines Todes, einen vertrauensvollen Partner und Berater an seiner Seite zu haben. Das Team um Ralf Wendland ist so ein Partner. Das Bestattungshaus Wendland steht Angehörigen in den Stunden des Abschieds bei - seit 50 Jahren. Am Samstag, 9. September 2017, feiert es dieses Jubiläum mit einem Tag der offenen Tür (halloherne berichtete).

Bestattungshaus Wendland.
Ralf Wendland. Foto: Carola Quickels

"Mein Vater, Gerd Wendland, gründete am 23. August 1967 als Quereinsteiger das Bestattungshaus", sagte der heutige Inhaber des Familienunternehmens - Ralf Wendland - beim Gespräch mit halloherne am Mittwoch (16.8.2017). "Fünf Jahre nach der Gründung, da war ich 13 Jahre alt, ist mein Vater früh verstorben und meine Mutter führte das Haus alleine weiter." In den nächsten Jahren wuchs Ralf in den Beruf des Bestatters hinein und hat mit 15 Jahren erstmals an Einbettungen und Aufbahrungen teilgenommen. Nach dem Abitur hat er seine Fachprüfung vor der Handwerkskammer in Düsseldorf abgelegt. Der Beruf des Bestatters ist erst seit 2004 ein Ausbildungsberuf.

Heute kümmert sich Ralf Wendland mit seinem Team nicht nur um die eigentliche Bestattung und den Sargverkauf, sondern "um alles, was Angehörige in einem Sterbefall zu erledigen haben - und das ist viel". Die Hinterbliebenen sind in ihrer Trauer oft gefangen und von den auszufüllenden Formularen überfordert. "Hier helfen wir und entlasten die Angehörigen. Wir stehen den Menschen in den Stunden des Abschieds bei. Dazu zählt auch die Beratung zu einer individuellen Abschiedsfeier - vom Aussuchen der Grabstätte, der Gestaltung der Trauerkarten bis hin zur Auswahl der Musik."

Bestattungshaus Wendland.
Bestattungshaus Wendland. Foto: Carola Quickels

"Zwei Drittel aller Bestattungen sind heute Feuerbestattungen", sagte Wendland. "Die Menschen suchen heute kostengünstigere Möglichkeiten einer Bestattung. Das liegt auch daran, dass seit dem 1. Januar 2004 das gesetzliche Sterbegeld der Krankenkassen weggefallen ist. Dadurch ist weniger Geld vorhanden. Geändert hat sich auch, dass sich immer mehr Menschen für eine anonyme Bestattung entscheiden, da es kaum noch Hinterbliebene gibt, die die Gräber pflegen können. Die Menschen werden halt immer älter.

Bestattungshaus Wendland.
Bestattungshaus Wendland. Foto: Carola Quickels

"Allerdings setzen sich die Menschen heute intensiver mit dem Thema Sterben auseinander und kommen mit ganz speziellen Wünschen zu uns." Das sei früher anders gewesen. Die Trauerfeiern ähnelten sich alle. Es war oft die gleiche Gastwirtschaft, die Schnittchen, der Kuchen und auch die Nelken waren überall vertreten. "Wir versuchen heute jeden Wunsch zu erfüllen." So kann man bei Wendland zwischen der traditionellen Erdbestattung oder der Bestattung in der Urne (Erd-, Kolumbarium-, See-, Fluss-oder Naturbestattung) wählen. Auf dem Friedhof an der Wiescherstraße besteht zudem die Möglichkeit - auf einem ausgewiesenen Feld - die Asche des Toten zu verstreuen. "Das kostet hier in Herne allerdings 1.200 Euro. In Holland bezahlt man dafür nur 200 Euro", sagte Wendland.

Bestattungshaus Wendland.
Bestattungshaus Wendland. Foto: Carola Quickels

Aber auch extravagantere Wünsche können erfüllt werden. Zum Beispiel die Weltraumbestattung: Hier werden maximal 20 Gramm der Asche mit einer Rakete der NASA ins All befördert. Kostenpunkt? Circa 12.000 Euro. Das ist vielleicht der Grund, warum diese Bestattungsform noch nicht gewählt wurde. Möchte jemand die Asche seines Angehörigen zu einem Diamanten pressen lassen, so geht das auch. Diese Verfahren wird in der Schweiz angewandt. Nachteil? Wird der Diamant nach Deutschland eingeführt, so muss er hier beerdigt werden.

Bestattungshaus Wendland.
Bestattungshaus Wendland. Foto: Carola Quickels

Heute beschäftigt Wendland sechs festangestellte Mitarbeiter und einen Auszubildenen. Dazu stehen ihm rund 20 Aushilfskräfte, auf Abruf, zur Seite. Am 9. September haben die Menschen die Möglichkeit das Unternehmen mit all seine Facetten näher kennenzulernen. "Wir wollen Schwellenängste abbauen und zeigen, wieviele Gewerke mit der Bestattung zu tun haben. Wir wollen Fragen beantworten und Ängste nehmen. Im Vorfeld und nicht erst, wenn der Todesfall eingetreten ist und alles über dem Kopf der Angehörigen zusammengebrochen ist."

Bestattungshaus Wendland.
Bestattungshaus Wendland. Foto: Carola Quickels
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