Großartige Solidarität unter Künstlern
'Außer Kontrolle' im Mondpalast
Nach dem kurzfristigen „Aus“ der Palast-Kantine (halloherne berichtete) traten zwei Tage vor der Premiere ihrer neuen Produktion „Außer Kontrolle“ Sorgenfalten auf die Stirn des Fidele-Horst-Vorsitzenden Tobias Weichert. Doch sie wurden alsbald vertrieben durch eine großartige Solidaritätsaktion unter Künstlern, die Schule machen sollte: Marvin Boettcher und sein Mondpalast-Team, unterstützt von Andreas Zigann vom Kleinen Theater Herne, übernahmen die Getränketheke und die Mondritter um „Hotte“ Schröder sorgten für die traditionelle Currywurst.
So stimmte auch der Rahmen ein auf die mit stehenden Ovationen gefeierte Aufführung der Farce „Außer Kontrolle“ am Freitag (10.4.2026) im Mondpalast zu Wanne-Eickel. Staatssekretär Christoph Willert (Sebastian Krug) hat für die bedeutsame „Nachtsitzung“ im Kanzleramt, bei der es um interne Gespräche zwischen der offenbar in Schwierigkeiten steckenden Regierung und der Opposition geht, eine luxuriöse Suite im nur einen Katzensprung entfernten Aldon-Hotel (Adlon lässt grüßen) gebucht. Um sich dort, wie offenbar schon zuvor bei anderen Gelegenheiten, sich bei kulinarischen Genüssen mit der attraktiven Oppositionssprecherin Jana Gerdes (Melina Weichert) zum „Koalitionsgipfel“ zu treffen.
Bürochef „Flo“ hats schwer
Sein Bürochef Florian Becker (Tobias Weichert), der wohl nicht zufällig „Flo“ genannt wird wie sein Pendant im Herner Rathaus, soll ihm wie gewohnt den Rücken freihalten. Doch in der im 6. Stock mit tollem Blick auf das Brandenburger Tor und das Reichstagsgebäude gelegenen eleganten Suite in Türkis (Sonderapplaus für das Bühnen-Dreigestirn Jens Kempin, Daniel Gundermann und Benni Hemmerich) nerven nicht nur die neugierig-beflissene Hotelmanagerin Beate Lange (Yasmin Pabst) und der distinguierte, jede Gelegenheit zum Einstreichen von Trinkgeld nutzende Harald Brandt (Norbert Mechnig) vom Zimmerservice, sondern auch der Gemütsmensch von Facility-Manager, Horst Kasulke (Klaus-Dieter Twiehoff).
Krise von nationaler Tragweite
Doch das alles ist nichts gegen die „Krise von nationaler Tragweite“, die „Flo“ aus der Kanzlerrunde ins Hotel eilen lässt: Die Aussicht auf ein amouröses Abenteuer ist endgültig vorbei, als ein offenbar vom herabfallenden Schiebefenster erschlagener Unbekannter entsorgt werden muss. Um einen Sexskandal zu vermeiden, aber auch, um entweder den Versuch einer Erpressung oder gar der Spionage zu vertuschen, der schließlich auch fürs Aldon negative Schlagzeilen hervorrufen dürfte.
Das Chaos kommt freilich erst richtig in Schwung, als erst der höllisch eifersüchtige Ehemann der Geliebten, Ronnie Gerdes (Tim Töpfer), im Hotel auftaucht, dann Christophs emanzipierte, aber liebesbedürftige Gattin Patricia Koch-Willert (Manu Kempin) und zu allem Überfluss auch noch die schrille Tina Schneider (Debütantin Vivian Kellermann), offenbar weit mehr als nur Flos Nachbarin und Hüterin seines Dackel-Paares Angie und Helmut…
Nachösterliche Auferstehung
„Er ist auferstanden!“: Der Mann vom Fenster (René Lehringer), der wie einst Joachim Król zum Mann im Schrank mutiert, hat das bessere Ende für sich. Soviel darf verraten werden von dem Stück aus der Feder von Ray Cooney, einem der erfolgreichsten Komödienautoren weltweit. Seine Farce „Out of Order“, am 9. Oktober 1990 im Londoner Shaftesbury Theatre uraufgeführt, ist von René Heinersdorff am 6. Februar 1992 in der Münchner Komödie im Bayerischen Hof erstmals auf Deutsch inszeniert worden unter dem Titel „Außer Kontrolle“. Nun hat, erstmals in der 107-jährigen Geschichte des Theatervereins Fidele Horst, mit Jessica Majchrzak eine Frau Regie geführt – und ihre Sache großartig gemacht. Was bei der für den Klipp-Klapp-Boulevard nötigen Präzision bei einem zehnköpfigen Amateurensemble eine Herkulesaufgabe darstellt.
Treffgenaue Besetzung
Ihr größtes Pfund ist die bis in kleinere Nebenrollen treffgenaue Besetzung. Und die beginnt bei dem von Regieaufgaben befreiten Tobias Weichert, der mit Mimik, Gestik und Körpersprache ein rastellihaftes Stehaufmännchen gibt, das den Protagonisten Sebastian Krug beinahe zum Sidekick werden lässt. Was nicht als Abwertung missverstanden werden soll: Das gesamte Ensemble hat dem Publikum den vielleicht besten Komödienabend einer Amateurgruppe der letzten Jahre beschert, der sich mit manchen Profi-Produktionen auf denselben Brettern messen kann.
Und doch braucht es Korsettstangen, die zu identitätsstiftenden Publikumslieblingen werden. Wie Yasmin Pabst als frankophile Baskenmützen-Trägerin Beate Lange, die es nicht nur faustdick hinter den Ohren hat. Wie „Oldie“ Klaus-Dieter Twiehoff in der ihm auf den Leib geschriebenen Rolle des Hausmeister-Faktotums Horst Kasulke. Wie Norbert Mechnig als sich so vornehm gebender hemmungsloser Schnorrer Harald Brandt.
Es gibt noch Karten
Schließlich braucht es ein Rundum-Sorglos-Paket, zu dem eine zündende, Ovationen herausfordernde Applaus-Ordnung ebenso gehört wie das Foyer-Catering. Das Beste kommt wie stets am Schluss: Es gibt noch Karten für alle sechs Folgevorstellungen!
Karten gibt’s jetzt nur noch über die Homepage theater-fidele-horst sowie auch außerhalb der gewohnten Öffnungszeiten unter Tel 02325 – 3776315.
Die weiteren Aufführungen im Mondpalast
- Samstag, 11. April 2026, 19 Uhr
- Sonntag, 12. April 2026, 17 Uhr
- Mittwoch, 15. April 2026, 19 Uhr
- Freitag, 17. April 2026, 19 Uhr, mit Gebärdensprache
- Samstag, 18. April 2026, 19 Uhr
- Sonntag, 19. April 2026, 17 Uhr
Die Aufführung am 17. April wird von zwei Gebärdensprachdolmetschern simultan übersetzt. Der Einlass beginnt eine Stunde vor Aufführungsbeginn. Die Dauer der Aufführung beläuft sich inklusive Pausen auf ca. zweieinhalb Stunden.
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- Samstag, 11. April 2026, um 19 Uhr
- Sonntag, 12. April 2026, um 17 Uhr
- Mittwoch, 15. April 2026, um 19 Uhr
- Freitag, 17. April 2026, um 19 Uhr
- Samstag, 18. April 2026, um 19 Uhr
- Sonntag, 19. April 2026, um 17 Uhr