ALDI: Teure Trennung von Verkaufsleiter

Wenn ein Verkaufsleiter einer ALDI-Regionalgesellschaft eigenmächtig und damit unzulässig in die Personalpolitik seines Unternehmens eingreift, kann das auch mit einer fristlosen Kündigung enden. Und genau das wirft die auch für den Bereich Herne zuständige ALDI GmbH und Co KG Herten ihrem seit über 18 Jahren beschäftigten Verkaufsleiter K. vor und setzte ihn am 16. Mai 2019 fristlos vor die Tür. Erschwerend bei diesem Vorwurf war noch, dass K. in ein Ermahnungs- und ein Abmahnungsverfahren gegen seine ebenfalls bei Aldi beschäftigten Söhne mit dem Ziel eingegegriffen haben soll, sowohl Ermahnung als auch Abmahnung aus den Personalakten des eigenen Nachwuchses zu entfernen. Das führte später zu einem Vier-Augen-Gespräch zwischen K. und dem Hertener Aldi-Geschäftsführer Giese, dessen Inhalt von beiden Seiten sehr unterschiedlich dargestellt wurde.

Das von K. und seinem Anwalt Reinhardt angerufene Arbeitsgericht Herne verhandelte am Dienstag (10.12.2019) zum zweitenmal in Kammerbesetzung und kam schließlich zu dem Ergebnis, dass ohne Einigung sowohl die „Parteivernehmung“ des Klägers und des Geschäftsführers als auch eine Beweisaufnahme mit der Vernehmung der Verfasserin der Abmahnung und des angeblich bedrohten Vorgesetzten der beiden Söhne unumgämglich sei. Richterin Große-Wilde, die in einem vorherigen Termin auf Seiten der Arbeitgeberseite mit einem Vergleichsvorschlag von 250.000 Euro Abfindung auf offene Ohren gestoßen war, versuchte es jetzt ein zweites Mal, weil die Klägerseite diesen Vergleich abgelehnt hatte und auf eine Abfindung von 750.000 Euro pochte.

In dieser Situation unterbrach die Kammer und arbeitete selbst einen Vergleichsvorschlag aus, den beide Seiten sich jetzt bis zum 10. Januar überlegen können: 400.000 Euro brutto Abfindung bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses am 30. Juni 2019 und Abrechnung der sechs Wochen ab 16. Mai bis Ende Juni auf der Basis eines Monatsgehalts von 18.700 Euro brutto. Scheitert diese Lösung , wird die Kammer kurzfristig einen dritten Termin ansetzen und dabei sowohl Kläger und Geschäftsführer als auch die beiden benannten Zeugen vernehmen. „Wir sind hier die erste Instanz und wissen nicht, wie das LAG Hamm als zweite Instanz das alles sieht,“ warnte Richterin Große-Wilde beide Seiten vor der bei einem Urteil möglichen Länge des Verfahrens bis in die zweite Jahreshälfte 2020 hinein. (AZ 3 Ca 933/19)

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