Schauspielhaus Bochum
500 Gäste beim IHK-Wirtschaftsempfang
500 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Stadtgesellschaft, festliche Stimmung, angeregte Diskussionen: Das war der Wirtschaftsempfang 2026 der IHK Mittleres Ruhrgebiet im Bochumer Schauspielhaus. Gastredner des Abends war der Wirtschaftsweise Prof. Dr. Martin Werding aus dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.
Der renommierte Professor für Sozialpolitik und öffentliche Finanzen an der Ruhr-Universität beeindruckte in seiner Keynote mit so detailreichen wie pointierten Analysen zu Konjunktur und Wachstumsperspektiven, Strukturwandel und Schuldenpaket. Zum Sondervermögen der Bundesregierung stellte er fest: Bislang seien die zusätzlichen Investitionen niedrig und die Wachstumseffekte schwach. Die Investitionsquote im Kernhaushalt müsse steigen, die Weitergabe der Ländermittel an die Kommunen müsse abgesichert werden.
Positiv hob er den gelungenen Strukturwandel im Ruhrgebiet, etwa in Bochum mit MARK 51°7 auf dem ehemaligen Opel-Gelände hervor.
Politische Forderungen des IHK-Präsidenten
Philipp Böhme, Präsident der IHK Mittleres Ruhrgebiet, richtete zu Beginn eine direkte Frage an das Publikum: Sind Sie mit dem ersten Jahr der neuen Bundesregierung zufrieden? Dann heben Sie jetzt einmal die Hand, bitte.“ Keine Hand ging nach oben. Böhme betonte, dass die Wirtschaft noch immer auf spürbare Fortschritte beim Bürokratieabbau warte sowie auf eine Steuer- und Abgabenreform. „Die Lohnnebenkosten sind einfach zu hoch.“ Als Top-Thema für die Wirtschaft in NRW sieht er die Sanierung der Verkehrsinfrastruktur. „NRW ist Stauland Nr. 1 mit den meisten Autobahnkilometern in Deutschland. Wir brauchen schnellere Genehmigungsverfahren, um die Sanierung so schnell wie möglich umzusetzen.“
Besonders freute Philipp Böhme, dass alle vier Oberbürgermeister und Bürgermeister:innen für Bochum, Herne, Witten und Hattingen zum IHK-Wirtschaftsempfang gekommen sind. „Das zeigt uns, dass wir im Dialog sind und ihn ausbauen wollen.“ Einiges laufe schon gut, viele Unternehmer:innen wünschten sich allerdings von ihrer Kommune eine Senkung der Gewerbesteuer und eine attraktivere Innenstadtentwicklung.
Einblick in „Kammer machen!“: Projekt zur Vereinigung mit der IHK zu Essen
Philipp Böhme und Betty van Loon-Schifferdecker, Vollversammlungsmitglied der IHK zu Essen, gaben auf der Bühne zudem einen Einblick in das gemeinsame Projekt „Kammer machen!“. Seit Juli 2025 läuft der Prüfprozess zu einer möglichen Vereinigung der beiden IHKs. Die Vollversammlungen stimmen im Juni 2026 über einen Zusammenschluss ab. Beide Gesprächspartner betonten, dass man gemeinsam die Wirtschaft im Herzen des Ruhrgebiets schlagkräftiger vertreten könne als jede Kammer das für sich allein kann. „Wir haben hier die Chance, unsere Zukunft nach unseren Vorstellungen zu gestalten“, sagte die Essener Unternehmerin Betty van Loon-Schifferdecker. „Wenn wir von der Selbstverwaltung der Wirtschaft sprechen, dann ist dies hier ein Vorzeigeprojekt.“ Alle Infos zu „Kammer machen!” gibt es unter www.kammer-machen.de
Blitzumfrage: Was stimmt die Wirtschaft für 2026 optimistisch?
Was stimmt Sie mit Blick auf 2026 optimistisch? In einer Blitzumfrage am Abend haben 100 Unternehmer:innen diese Frage mehrheitlich beantwortet mit der „Innovationskraft von Mittelstand und Industrie“ (42 Prozent). Auch „Investitionen in KI und Digitalisierung“ (35 %) motivieren die Wirtschaft vor Ort. Nur ein Prozent der Befragten findet dagegen die staatlichen Rahmenbedingungen ermutigend.
Als besondere Stärke der Wirtschaft in 2026 sehen die Unternehmer:innen Kooperationen zwischen Industrie und Wissenschaft (42 Prozent). Auch Innovationsfähigkeit nennen 26 Prozent als besondere Stärke.
Das Ruhrgebiet hat nach Ansicht der Geschäftsführer:innen bei KI und Software (38 Prozent) das größte Potenzial, bundesweit eine Führungsrolle zu übernehmen. Danach folgen „Logistik und Smart Mobility“ sowie „Medizin und MedTech“.