Handwerk sucht Azubis

Woche der Ausbildung

Im Bus mit dem Oberbürgermeister.
Im Bus mit dem Oberbürgermeister. Foto: Frank Dieper, Stadt Herne

Gute Chancen auf eine Ausbildung im Handwerk haben Jugendliche derzeit in Herne, denn viele Betriebe suchen für dieses Jahr noch Auszubildende. Bei einer Bustour am Donnerstag (14.3.2019) zu drei verschiedenen Gewerken haben Schüler der Gesamtschule Wanne-Eickel und der Hans-Tilkowski-Schule Handwerksberufe kennengelernt und ersten Kontakt zu Arbeitgebern geknüpft. Eingeladen hatten die Agentur für Arbeit, die Stadt Herne und die Initiative KAoA – Kein Abschluss ohne Anschluss.

Alternative Ausbildung

Musste sich mehrfach bewerben: Oberbürgermeister Frank Dudda.
Musste sich mehrfach bewerben: Oberbürgermeister Frank Dudda. Foto: Frank Dieper, Stadt Herne

„Der Fachkräftemangel ist da. Meister, die uns in der Kreishandwerkerschaft besuchen, fragen uns nach Azubis. Für viele wird es langsam eng“, berichtet der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Martin Klinger. Zwar gibt es in Herne doppelt so viele jugendliche Bewerber wie freie Ausbildungsplätze, aber oft interessieren sich die jungen Menschen nicht für die angebotenen Berufe. Oder sie geben auf, wenn der Wunsch-Betrieb sie nicht nimmt. „Wenn es bei der ersten Bewerbung nicht klappt, darf man nicht aufgeben. Auch ich habe mehrere Bewerbungen geschrieben und bin die ersten Male abgelehnt worden. Das ist nicht schlimm, das ist normal. Man darf nicht den Mut verlieren“, so Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda. Er gibt Bewerbern den Tipp, auch Gewerken eine Chance zu geben, die vielleicht nicht der Traumberuf sind, aber auf den zweiten Blick tolle Möglichkeiten bieten. „Eine Ausbildung zu machen ist eine gute Alternative dazu, nach der Schule zum Berufskolleg zu gehen.“

Nicht warten - kennenlernen

Auf dem Weg von einem Betrieb zum nächsten Betrieb.
Auf dem Weg von einem Betrieb zum nächsten Betrieb. Foto: Frank Dieper, Stadt Herne

Aber auch die Betriebe greifen nicht immer sofort zu. „Auch wenn in einem Jahr nicht der perfekte Azubi dabei ist, ist es hoch risikoreich ein Jahr zu warten. Denn vielleicht bewerben sich im nächsten Jahr noch weniger junge Menschen. Bei Betrieben mit sechs bis acht Mitarbeitern wird es dann schnell knapp, sobald einer in den Ruhestand geht oder kündigt“, sagt Dr. Regine Schmalhorst, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Bochum/Herne. Die drei Firmen, die sich bei der Bustour am Donnerstag, 14. März 2019, vorstellen, haben es richtig gemacht: „Diese Arbeitgeber sorgen gut für sich, indem sie selbst ausbilden“, so Dr. Schmalhorst. Auch die elf jungen Menschen, die an diesem Tag mitfahren, überzeugen: „Wir haben sehr interessierte Jugendliche, die sich darauf einlassen, verschiedene Berufe kennen zu lernen.“

Der Beruf wird nie langweilig

Bei Friga Kältetechnik.
Bei Friga Kältetechnik. Foto: Frank Dieper, Stadt Herne

Einer dieser Berufe heißt Mechatroniker für Kälte- und Klimatechnik. „Das Schöne an dem Beruf ist, es wird nie langweilig. Wir haben mit Elektro zu tun, mit Kälte und Klima. Es ist jeden Tag etwas anderes“, erklärt Dustin Lötzer. Der 26-Jährige hat 2011 seine Ausbildung bei der Friga Kältetechnik GmbH begonnen. Nun können die Bewerber unter seiner Anleitung Rohre schneiden, entgraten und selbst löten. Der 15-jährige Anas hat in der Schule schon einmal gelötet und findet es gut, dass er beim Besuch in der Firma etwas selbst machen darf. „Wichtig ist, dass die Bewerber interessiert sind. Auf der Baustelle zählt Motivation. Wir achten außerdem auf Mathe, denn in der Ausbildung wird auch gerechnet“, erklärt Heiko Wobbe, der gemeinsam mit Ingo Ciekawy den Betrieb leitet. Die Chancen, dass jemand nach abgeschlossener Ausbildung bleiben kann, sind groß: „Wir bilden nicht nur aus, um auszubilden, sondern brauchen Monteure.“

Bis zur Rente Geld verdienen

Lukas und Fofana machen eine Ausbildung zum Maler und Lackierer.
Lukas und Fofana machen eine Ausbildung zum Maler und Lackierer. Foto: Frank Dieper, Stadt Herne

Ähnlich ist es bei Wärmetechnik Leickel GmbH, wo Anlagenmechaniker für Sanitär, Heizung und Klima ausgebildet werden. „Handwerk hat noch goldenen Boden, ich war nicht einen Tag arbeitslos“, sagt Martin Thumerer. Der Meister ist „Klempner aus Leidenschaft“ und lernt mit seinen Azubis auch mal nach Feierabend für eine Prüfung. „Für mich ist die Zensur nicht das Wichtigste. Für mich ist das Wollen das Wichtigste. Wir helfen so lange, bis die Azubis es verstanden haben“, sagt Thumerer. Drei Azubis pro Jahr stellt die Firma ein. Sie sollten mindestens den Hauptschul-Abschluss haben, Interesse an Mathe und Physik und handwerkliches Geschick mitbringen. Marc Gremmler gehört dazu. Er ist im zweiten Ausbildungsjahr und kann gut verstehen, wenn Schüler sich schwertun, den richtigen Beruf zu finden. „Nach der Schule war ich unschlüssig, dann habe ich ein Praktikum hier gemacht. Und dann war es klar. Die erste Woche war schleppend, die zweite war ausschlaggebend, denn da konnte ich bei einer Großanlage hinter die Kulissen gucken.“ In seiner Lehre lernt er, Heizungen zu installieren, Solaranlagen zu bauen und Sanitärinstallationen zu machen. „Unsere Firma hat die Heizung im Wananas gemacht. Es ist warm dort und wenn man weiß, was dahinter steckt, ist das enorm“, schwärmt der 18-Jährige.

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