Der letzte Grafe in Wanne

Dorothee und Klaus Grafe.
Dorothee und Klaus Grafe. Foto: Carola Quickels

Klaus und Dorothee Grafe führen das Bestattungsunternehmen Grafe in vierter Generation. Im Oktober 2018 wird die Firma 125 Jahre alt. „Mein Urgroßvater Bernhard Kock gründete die Firma 1893. Er war Schreiner und produzierte die Särge noch selber", so Klaus Grafe beim halloherne-Besuch am Dienstag (2.10.2018). „Damals war das Geschäft noch an der Stöckstraße 16, in unmittelbarer Nähe zu unserem aktuellen Standort an der Hauptstraße 335." 1917 wurde zum ersten Mal umgezogen, an die Hindenburgstraße (heute Hauptstraße) 168.

Bernhard Kock (r. )mit Gattin.
Bernhard Kock (r. ) mit Gattin. Foto: Bestattungen Grafe

Bernhard Kock starb 1919 und sein Schwiegersohn Josef Grafe übernahm das Unternehmen und nannte es Heimkehr. Später ging das Unternehmen an Josefs Sohn Bernhard Grafe über, dem Vater von Klaus. „Für mich war es immer schon klar, dass ich Bestatter werde. Ich hatte nie Berührungsängste. Wenn man in das Geschäft hineingeboren wird und damit groß wird, ist das für einen ganz normal", so Grafe. 1988 übernahm Klaus das Geschäft. Ein Jahr später legte er die Bestatterprüfung ab. Neben dem Ehepaar Grafe arbeitet Hans-Joachim Schmidt mit an der Hauptstraße. Dorothee Grafe ist 2008 dazu gekommen. „Ich habe vorher im Krankenhaus als Therapeutin gearbeitet. Schon damals hatte ich es mit schwerkranken oder toten Menschen zu tun, deshalb war das Thema nichts Neues für mich. Heute bin ich in der Firma für die Kundengespräche und die Büroarbeit zuständig."

125-Jahre - Bestattungshaus Grafe.
125-Jahre - Bestattungshaus Grafe. Foto: Carola Quickels

„Wir versuchen dem Kunden so weit es geht alles abzunehmen. Ich habe Bestattungs-Gespräche geführt, die dreieinhalb Stunden gedauert haben. Wenn zum Beispiel drei Kinder zum Gespräch kommen, hat man drei Meinungen zum Thema Beerdigung", sagte Klaus Grafe. Seine Frau ergänzt: „Wir übernehmen alle Formalitäten und erledigen alles für den Kunden." Das bildet sich auch in der Kundenresonanz ab. „Unsere Beurteilungen zeigen, dass wir unsere Arbeit zur Zufriedenheit der Hinterbliebenen erledigen", sagte Grafe. Tatsächlich gibt es bei Beerdigungen auch Trends. „In Herne sind 70 Prozent der Beerdigungen mittlerweile Feuerbestattungen", erzählte Klaus Grafe. „Die Urnen werden immer mehr in Kolumbarien beigesetzt, Erdbestattungen für Urnen werden weniger", so Grafe.

Opel Kapitän.
Opel Kapitän. Foto: Bestattungen Grafe

Dorothee und Klaus haben sich bei Bochum Total kennengelernt. Ihr gemeinsames Interesse ist die Musik. Dorothee spielt Quer -und Alt-Flöte, Klaus spielt Tasteninstrumente. „Ich habe mit der Piet Kröthe-Peepshow gespielt, vor kurzem spielte ich mit der Norbert-Müller-Band in der Künstlerzeche." Heute spielt Grafe mit seiner eigenen Band- Roundabout. „Wir spielen eigene Kompositionen und Cover-Songs, dass hält sich die Waage. Ich würde den Stil als gute, alte melodiöse Rockmusik beschreiben." Dorothee spielt nicht in der Band mit. „Ich höre mir das nur an, ich mache meine eigene Musik - und bin eher im klassischen Bereich unterwegs."

v.l. Hans-Joachim Schmidt, Dorothee Grafe, Klaus Grafe.
v.l. Hans-Joachim Schmidt, Dorothee Grafe, Klaus Grafe. Foto: Carola Quickels

Die Musik ist für das Ehepaar ein Ausgleich zu der Arbeit im Bestattung-Unternehmen. „Wir sind rund um die Uhr zu erreichen, deswegen stehen auch keine Öffnungszeiten an unserer Tür. Urlaub ist für uns auch nicht länger als zwei Wochen am Stück möglich. Zum Glück haben wir unseren Mitarbeiter Hans-Joachim Schmidt, der hält die Stellung, wenn wir uns einmal frei nehmen", sagte Grafe. Da das Ehepaar keine Kinder hat, wird Klaus Grafe das Familienunternehmen in andere Hände übergeben. „Selbst wenn wir Kinder hätten, weiß ich nicht, ob ich ihnen das aufzwingen würde. Ich habe auch von anderen Kollegen gehört, dass das Interesse bei ihren Kindern kaum noch vorhanden ist", so Grafe.

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