Donnerstag, 12. Juli 2012
In seinem früheren Job als Unternehmensberater war Ufuk Topcu (36 J.) immer auf Achse und musste gut aussehen. Dazu gehörte eben auch tadellose Kleidung. Doch unterwegs eine Reinigung zu finden, war nicht einfach. „Die Sucherei nervte mich. Das muss man doch irgendwie optimieren können, dachte ich mir“, sagt Ufuk Topcu.
Er und sein Schwager Selim Ates (32 J. und IT Berater) steckten ihre Köpfe zusammen und heraus kam die Idee zu MyDryclean: eine Online-Reinigung. Seit eineinhalb Jahren sind die beiden im Geschäft. Mydryclean erreichte bereits 2011 Platz drei bei den Startups des Jahres. halloherne-Mitarbeiterin Ruth Albus sprach mit den Firmengründern:
halloherne: Sie gründeten McDryclean aus eigenem Bedarf heraus?
Topcu: Genau! Ich war damals viel unterwegs. Meist musst ich die Sachen selbst in die Reinigung bringen und abholen. Das kostet natürlich Zeit. Das wollte ich ändern.
halloherne: Wie sah Eure Überlegung im Detail aus?
Topcu: Uns schwebte ein automatisch funktionierendes System vor. Die Menschen sollen vom Computer, IPad oder Handy in der Nähe ihres Aufenthaltsortes eine Reinigung finden können, die die Kleidung abholt und wieder in das Hotel bringt. Dieser Service sollte gut und schnell sein.
halloherne: Wie sieht das Konzept genau aus?
Topcu: Das System funktioniert wie bei pizza.de, nur halt mit Textilpflege. Der Kunde ordert ein Leistung, in unserem Falle die Reinigung einer Hose und eines Hemdes und bezahlt die Leistung online mit der Kreditkarte. Der Reiniger holt die Sache ab und bringt sie auch wieder zurück. Abholen und Bringen sind gratis. Der Kunde bezahlt lediglich die Reinigung.
halloherne: Lohnt sich so ein Geschäft für die Reinigungen?
Topcu: Die Reiniger profitieren von dem Konzept. Der Auftrag wird komplett über MyDryclean abgewickelt. Das heißt, die Reiniger sind unsere Partner und benutzen eine von uns entwickelte Software, die ihnen bei der Planung ihrer Arbeitsabläufe hilft. So weiß unser Partner, wo er wie viele Teile abholen muss und kann seine Tour und den Arbeitsaufwand planen. Und der Kunde sieht im Internet: Aha, der lokale Reiniger kann meine Kleider dann und dann abholen und bringt sie mir dann und dann zurück.
halloherne: Und der Partner von Euch verdient daran?
Topcu: Aber ja! Wir nehmen unserem Reinigungspartner den ganzen Bürokram ab. Die Geschäftsabwicklung läuft über unser System. Wir machen die Rechnung fertig und schicken sie gleich an den Kunden. Unser Partner muss nicht selbst für jeden Kunden eine Rechnung schreiben. Dieses System ist damit nicht nur für große Betriebe interessant, sondern auch für kleine Betriebe, die sich so ein aufwändiges Programm nicht leisten können. Unser Partner muss nur dafür sorgen, dass die Kleidung wieder sauber und ordentlich beim Kunden landet und er erhält seinen Anteil. Alles andere übernehmen wir und behalten eine Provison ein.
Ates: Ja, der Partner kann sich so auf sein Kerngeschäft konzentrieren: seine Reinigung. Alles andere machen wir. Wir haben das Kow How und davon profitieren unsere Partner und haben so eine größere Planungssicherheit. Außerdem genießen unsere Partner einen Gebietsschutz. Das heißt, dass alle Aufträge in seiner Umgebung auch direkt an ihn gehen und kein anderer Reiniger beauftragt wird.
halloherne: Das hört sich sehr ausgefuchst an! So ein System auf die Beine zu stellen war bestimmt viel Arbeit.
Topcu: Oh ja. Nicht nur Selim und ich arbeiten daran, sondern noch Andreas Falken als Programmierer und Hakki Zengin als Partnermanager und Marcel Kather, der die Seite gestaltet hat. Wir sind das Kernteam. Die Programmierer arbeiten oft nachts.
halloherne: Wie seit ihr an die Partner gekommen?
Topcu: Zu Beginn haben wir viel telefoniert und im Internet recherchiert. Interessant waren für uns Reinigungen, die junge Inhaber haben und möglichst noch Filialen besitzen. Junge Inhaber, so dachten wir, können wir eher für unsere Idee begeistern. Sie sollte sich mit ein wenig mit dem Internet auskennen und das Internet als Medium der Zukunft anerkennen. Nur so hatten wir eine Chance sie von unserem Konzept zu überzeugen.
halloherne: Habt ihr Euch auch schon einmal von einem Partner trennen müssen?
Topcu: Qualität ist uns natürlich besonders wichtig. Wir arbeiten daher gerne mit Meisterbetrieben zusammen. Die Kunden müssen zufrieden sein. Wir bekommen mit, wenn die Geschäftsabwicklung nicht optimal ist. Sind die Kunden unzufrieden müssen wir uns auch schon mal von einem dem trennen. Sonst können wir gleich einpacken.
halloherne: Ist Euer Konzept ganz neu?
Topcu: Wir bringen die Reinigungsbranche ins Netz und das ist was ganz Neues. Damit krempeln wir die Branche komplett um und geben ihr einen innovativen Touch. Wir haben unser Konzept dem Textilreiniger-Verband vorgestellt und konnten den Verband von unserer Arbeit überzeugen. Das ist natürlich eine hervorragende Referenz, wenn der Verband hinter uns steht.
halloherne: Das freut Euch sicherlich.
Topcu: Ja sicher. Mittlerweile ist es so, dass die Reinigungen bei uns bewerben und Partner werden wollen. Das ist wirklich toll. Jetzt müssen wir natürlich noch prüfen, ob die Bewerber alle Anforderungen erfüllen und bei uns Partner werden können,
halloherne: In wie vielen Städten ist MyDryclean bis jetzt vertreten?
Topcu: Mittlerweile sind wir in 15 Städten vertreten und haben 150 Partner und täglich trudeln neue Bewerbungen von Reinigern bei uns ein.
halloherne: Was sind Eure Wünsche für die Zukunft?
Topcu: Zum Ende des Jahres wollen wir in 60 Städten vertreten sein. In fünf Jahren soll uns jeder kennen und wir wollen am Markt etabliert sein. Wir wollen eine Marke werden, die jeder kennt, wie Nutella!
Interview: Ruth Albus
